RE:Bakchos 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 2793
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2) Jeder Teilnehmer an den Orgien des Gottes führt dessen Namen (vgl. Art. Βάκχοι), welch Homonymie in allen ekstatischen Kulten, in welchen der Gott selbst in seine Verehrer eingeht, Regel ist. In den Bakchen des Euripides führt Dionysos sich als einen B., einen sterblichen Verkündiger seines eigenen Dienstes, ein und erhöht dadurch das Staunen vor seiner Wunderkraft. Wahrscheinlich hatte bereits Aischylos in den Edonen dies effectvolle Motiv angewendet (frg. 61). Wenn in einem Verse, auf welchen Platon im Phaidon 69 d anspielt, die wenigen echten Bakchen von den vielen Narthexträgern unterschieden werden, so stammt dieser Vers jedenfalls aus der theologischen Dichtung des 6. Jhdts., welche erhöhte Anforderungen für die Vereinigung mit dem Gotte stellte (vgl. Lobeck Aglaophamus 813ff.). Euripides, und dann die Späteren, gebrauchten βάκχος und βάκχη auch für diejenigen, die im Dienste andrer Götter schwärmen, z. B. Ἅιδου Eur. Hec. 1077, sogar νεκύων Phoen. 1489. Die Vermengung aller möglichen orgiastischen Kulte, zu welcher schon die theologische Speculation des 6. Jhdts. neigt, begünstigte diese Freiheit. In den Kretern des Euripides bestand der Chor aus Bakchen des idaeischen Zeus, des Zagreus, der Rheia und der Kureten (frg. 472).