RE:Cornelius 369

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,1 (1900), Sp. 1509–1510
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369) Cornelius Severus, epischer Dichter, Freund des Ovid, der an ihn ex Ponto IV 2 richtet (aber schwerlich I 8, da IV 2 nach Ovids eigener Aussage v. 3ff. sein erster poetischer Brief an diesen Severus ist). Seine dichterischen Fähigkeiten wurden hoch geschätzt; Ovid rühmt seine reich quellende poetische Ader (v. 12 uberius nulli provenit ista seges), und Quintilian inst. X 1, 89 meint zwar, er sei versificator quam poeta melior, stimmt aber dem Urteil bei, dass Severus den zweiten Platz unter den römischen Epikern beanspruchen dürfte, si ad exemplar primi libri bellum Siculum (wohl gegen Sex. Pompeius 38–36) [1510] perscripsisset, d. h. entweder wenn seine Schilderung dieses Krieges über das erste Buch hinausgekommen wäre oder wenn sie sich auf der Höhe des ersten Buchs gehalten hätte. Ausserdem wird von ihm citiert rerum Romanarum liber I (Hexameterbruchstück bei Val. Prob. GL IV 208, 16) und bei Ovid ein carmen regale erwähnt (dedit Latio carmen regale ex Ponto IV 16, 9, vgl. vates magnorwm maxime regum ebd. IV 2, 1). Wie weit diese drei Werke mit einander zu identificieren sind, bleibt zweifelhaft. Daraus, dass Ovid nur das carmen regale nennt, kann schwerlich gefolgert werden, dass das bellum Siculum ein Teil davon war (TeuffelSchwabe Litt.-Gesch.⁵ § 252, 5); es widersetzen sich dieser Annahme beide Auffassungen der Quintilianstelle gleichmässig. Auch kann man an einer Stelle wie ex Pont. I 8, 21 sehen, wie fern es Ovid gelegen hat, bei rex an die römischen Grossen seiner Zeit und gar an Octavian zu denken (vgl. auch G. Wartenberg Quaestiones Ovidianae, Diss. Berlin 1884, 100ff.). Zwei Gedichte des Severus wird man also wenigstens zu unterscheiden haben. Ausser einer Anzahl kleinerer Bruchstücke in Hexametern (FPR 352ff.: frg. 2 freie Wiedergabe von Hesiod. ἐ. κ. ἡ. 289, frg. 10 ein σπονδειάζων, frg. 11 Schilderung eines Biwaks am Vorabend der Schlacht) ist durch den Rhetor Seneca (suas. 6, 26) eine Reihe von 25 Hexametern erhalten, Betrachtungen beim Anblick des auf den rostra aufgesteckten Hauptes Ciceros. Seneca leitet sie mit den Worten ein: nemo tamen ex tot disertissimis viris melius Ciceronis mortem deploravit quam Severus Cornelius; für unser Gefühl sind sie nur eine schlagende Bestätigung von Quintilians Urteil versificator quam poeta melior. Ob sie einem der genannten Epen angehört haben, ist ganz ungewiss und überhaupt über den Standort der Bruchstücke keine einigermassen sichere Vermutung gestattet. Nur darf man wohl annehmen, dass die Beschreibung des Aetna, die Seneca ep. 79, 5 erwähnt, im bellum Siculum gestanden haben wird (vgl. Appian. bell. civ. V 117. Haupt Opusc. I 332). Jedenfalls liegt schon nach der Art der Erwähnung bei Seneca keinerlei Berechtigung vor, diese Beschreibung mit dem uns erhaltenen Gedichte Aetna zu identificieren, wie in der Renaissance und wieder von Scaliger geschah (s. Wernsdorf PLM IV 7ff.). Trifft jene Vermutung Haupts das Richtige, so gewinnt man einen Terminus post quem für das Epos über das Bellum Siculum; der Aetnabeschreibung des Severus ist die im 15. Buch der ovidischen Metamorphosen (v. 340ff.) nach dem deutlichen Zeugnis Senecas vorausgegangen. Vgl. im allgemeinen O. Haube De carmin. epicis saeculi Augusti, Diss. Breslau 1870, 10ff. (mehrfach irrig).