RE:Diogenianos 4

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band V,1 (1903), Sp. 778783
Pauly-Wissowa V,1, 0777.jpg  Pauly-Wissowa V,1, 0783.jpg
Diogenianos Grammatikos in der Wikipedia
GND: 102390932
Diogenianos Grammatikos in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,1|778|783|Diogenianos 4|[[REAutor]]|RE:Diogenianos 4}}        

4) Διογενειανός oder Διογενιανός, griechischer Grammatiker aus Herakleia in Pontus, der zur Zeit des Kaisers Hadrian lebte. Suidas hat, weil einige ein anderes Herakleia als seine Heimat bezeichneten, irrtümlich angenommen, dass es zwei Grammatiker dieses Namens gegeben habe; vgl. E. Rohde Rh. Mus. XXXIII 180. A. Daub Stud. z. d. Biograph. des Suidas 97. Folgende Schriften von ihm werden in dem Artikel des Suidas aufgeführt: Λέξις παντοδαπὴ κατὰ στοιχεῖον ἐν βιβλίοις ε’ (ἐπιτομὴ δέ ἐστι τῶν Παμφίλου λέξεων βιβλίων ε’ καὶ ϛ’ καὶ τῶν Ζωπυρίωνος)· ἐπιγραμμάτων ἀνθολόγιον· περὶ ποταμῶν λιμνῶν κρηνῶν ὀρῶν ἀκρωρειῶν· περὶ ποταμῶν κατὰ στοιχεῖον ἐπίτομον ἀναγραφήν· συναγωγὴν καὶ πίνακα τῶν ἐν πάσῃ τῇ γῇ πόλεων, καὶ τὰ λοιπά. Die bedeutendste unter diesen war die Λέξις παντοδαπή, ein alphabetisches Gesamtwörterbuch der griechischen Sprache in 5 Büchern, das nach der Erklärung des Suidas ein Auszug aus dem umfassenden Werke des Zopyrion und Pamphilos Περὶ γλωσσῶν καὶ ὀνομάτων in 95 Büchern war. Bestätigt werden diese Angaben durch ein Citat, das im Schol. Β zu Hom. Il. V 576 und Schol. Gregor. Naz. bei Montfaucon Diar. Ital. p. 214 (= E. Piccolomini Estratti ined. dai codici greci p. 11) erhalten ist und die Unterschrift trägt ἐκ τῶν Διογενιανοῦ τῆς ἐπιτομῆς τῶν Οὐηστἰνου (τ. Οὐ. om. Schol. Β) Ἑλληνικῶν ὀνομάτων. Aus diesem ergiebt sich aber zugleich, dass die Λέξις παντοδαπή nicht eine Epitome des Werkes des Pamphilos selbst war, sondern ein Auszug aus den Ἑλληνικὰ ὀνόματα des Iulius Vestinus; von diesem bezeugt auch Suidas (s. Οὐηστῖνος), dass er eine Epitome τῶν Παμφίλου γλωσσῶν in vier Büchern verfasst hat. Die Angabe, dass diese aus nur vier Büchern bestanden habe, während der Auszug des D. fünf Bücher umfasst haben soll, scheint nicht zutreffend zu sein, und Naber (Phot. Proleg. p. 20) hat wohl richtig vermutet, dass eine Verwechslung von Δ’ und Λ’ vorliegt und die Epitome des Vestinus aus 30 Büchern bestanden hat. Die Zusammenfassung der 95 Bücher des Pamphilos zu einem Lexikon von fünf Büchern durch D. zeigt ohne weiteres, dass die reichen Schätze von Gelehrsamkeit, die Pamphilos zusammengetragen hatte, aufs äusserste zusammengezogen und verkürzt waren; D. hatte offenbar den grössten Teil der gelehrten Citate von grösserem Umfang gestrichen und nur was zur Erklärung eines Wortes unentbehrlich war, mit wenigen Schriftstellerzeugnissen in seinen Auszug aufgenommen. Das erwähnte Citat ist das einzige, in welchem die Epitome (also die Λέξις παντοδαπή) des D. ausdrücklich erwähnt wird. Es gibt ausserdem noch eine ganze Reihe von Citaten aus D. (M. Schmidt Quaest. Hesych. p. LXXXVI–XC), aber in allen diesen ist nur Διογενιανός (ohne Buchtitel) genannt. Wir kennen [779] aber ein alphabetisches Wörterbuch des D., das in dem Artikel des Suidas nicht erwähnt wird, nämlich die Περιεργοπένητες, von welchen das erhaltene Lexikon des Hesychios von Alexandrien nach dem ihm vorausgeschickten Briefe an Eulogios eine Bearbeitung ist. Da in diesem Briefe nichts davon gesagt ist, dass das Lexikon des D. ein Auszug aus einem anderen Werke war, so ergiebt sich die viel umstrittene Frage, ob die unter dem Titel Περιεργοπένητες angeführte Vorlage des Hesychios mit der von Suidas bezeugten Λέξις παντοδαπή identisch oder davon verschieden war. Beide Möglichkeiten haben ihre eifrigen Vertreter gefunden. Die Identität der beiden Werke behauptete F. Ranke und verteidigte M. Schmidt unter Zustimmung von Μ. Η. Ε. Meier, Ritschl, Naber u. a.; gegen die Identität erklärten sich in ausführlichen Auseinandersetzungen besonders Welcker und H. Weber. Hesychios berichtet in dem Briefe an Eulogios, dessen Authenticität zwar von Valckenaer angezweifelt, von Ruhnken aber in glänzender Weise verteidigt wurde, über Anlage, Inhalt und Zweck der Περιεργοπένητες des D. folgendes: unter den Alten hätten viele zwar Sammlungen von λέξεις in alphabetischer Anordnung (κατὰ στοιχεῖον) verfasst, aber die einen hätten nur die homerischen λέξεις zusammengestellt, wie Apion und Apollonios Sohn des Archibios, die andern nur die der Komiker und Tragiker, wie Theon und Didymos; D. aber habe alle diese Speziallexika und alle zerstreut vorkommenden λέξεις vereinigt und alle Wörter alphabetisch nach jedem Buchstaben (καθ’ ἕκαστον στοιχεῖον) zusammengeordnet, die homerischen, die tragischen, die komischen, die bei den Lyrikern, bei den Rednern, Ärzten und Historikern vorkommenden; er betitelte sein Lexikon Περιεργοπένητες, weil er glaubte, dass es nicht nur für Reiche, sondern auch für Arme von Nutzen sein werde, die nicht im stande seien, teuren Unterricht zu bezahlen. Einige beiläufige Äusserungen über das Lexikon des D. finden sich noch bei Photios (bibl. cod. 145. 149 und in der Vorrede zum Lexikon); er betont besonders, dass bei D. vorwiegend poetische Glossen verzeichnet waren, weshalb er in seinem Lexikon die Ausdrücke der Prosa mehr bevorzugen will. Ranke und M. Schmidt haben nun hauptsächlich durch Vergleichung der bei Athenaeus erhaltenen Fragmente des Pamphilos mit dem Lexikon des Hesychios den Beweis geführt, dass die Vorlage des Hesych thatsächlich ein Auszug aus Pamphilos war, und daher als erwiesen angenommen, dass die Περιεργοπένητες und die Epitome aus Pamphilos (Vestinus) ein und dasselbe Werk waren. Dagegen haben Welcker und Weber behauptet, dass die Περιεργοπένητες vielmehr als ein selbständiges Werk des D. gelten müssen, das mit Pamphilos nichts zu thun habe und aus andern Quellen zusammengestellt sei, weil in dem Briefe des Hesych, dessen wesentliche Angaben vermutlich aus einer Vorrede des D. stammen, von Pamphilos keine Rede ist. Aber wir haben doch keine Bürgschaft dafür, dass Hesych alles berichtet, was D. über die Entstehung seines Werkes gesagt hatte. Im übrigen hat das, was Hesych von der zusammenordnenden Thätigkeit des D. erzählt, auch wenn wir es auf die Epitome aus [780] Pamphilos (Vestinus) anwenden, seine Richtigkeit. Welcker und Weber behaupten zwar, dass das von Hesych bearbeitete Lexikon des D. ein Auszug aus Pamphilos nicht gewesen sein könne, weil es in Anlage und Inhalt sich keineswegs mit dem Werke des Pamphilos deckte; denn dieses war eine Art Realencyclopädie, die in viele nach sachlichen Gesichtspunkten geordnete Abschnitte zerfiel, während die Περιεργοπένητες des D. ein streng alphabetisch angelegtes Lexikon nach Art unserer heutigen Wörterbücher waren, in dem jedes Wort sich auf eine bestimmte Stelle eines Schriftstellers bezog. Zunächst aber ist letztere Behauptung nicht zutreffend: bei Hesych finden sich zahlreiche Artikel, die sicherlich nicht auf eine bestimmte Stelle eines klassischen Autors Bezug haben. Dazu gehören z. Β. die meisten dialektischen Glossen (λέξεις ἐθνικαί) und viele Ausdrücke von Gegenständen des täglichen Lebens und bestimmter Künste und Gewerbe (ὀνόματα oder ὀνομασίαι). In Wahrheit hat also das Lexikon des Hesych keinen andern Inhalt als das Werk des Pamphilos Περὶ γλωσσῶν καὶ ὀνομάτων gehabt zu haben scheint. Gerade so wie wir uns die Λέξις παντοδαπή des D. im Verhältnis zu Pamphilos vorstellen müssen, sahen auch die Περιεργοπένητες aus nach dem, was Hesych im Vergleich zu Athenaeus an vielen Stellen, wo wir die beiden vergleichen können, bietet; dabei muss nur noch beachtet werden, dass Hesych nicht D. selbst ist, sondern ein teils verkürzter, teils stark interpolierter D. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, dass die von Suidas bezeugte Einteilung der Λέξις παντοδαπή in fünf Bücher mit der von Hesych angegebenen alphabetischen Anlage der Περιεργοπένητες unvereinbar sei. Wir kennen noch mehrere andere Lexika, die ebenso alphabetische Anordnung hatten und doch in Bücher eingeteilt waren, und Hesych selbst spricht in dem Briefe mehrmals von den βιβλία des D., weshalb wir wohl annehmen dürfen, dass das ursprüngliche Werk, wie es Hesych vorlag, noch die Einteilung in Bücher hatte, und dass diese erst bei der späteren Umarbeitung des Hesych beseitigt wurde. Ob die Anordnung bei D. eine durchgehend alphabetische war, wie in dem erhaltenen Lexikon des Hesych, oder innerhalb der einzelnen Buchstaben die λέξεις in Serien aneinandergereiht waren (Ὁμηρικαί, τραγικαί, κωμικαί, ῥητορικαί u. s. w.), was dem Werke des Pamphilos vermutlich eher entsprach, hängt von der Interpretation der Worte des Hesych ab, die eine Bemerkung darüber zu enthalten scheinen: προέθηκε δὲ κατ’ ἀρχὴν ἑκάστης λέξεως τριῶν καὶ τεσσάρων στοιχείων τάξιν, ἵν’ οὕτως εὐμαρεστέραν ἔχοι τὴν εὕρεσιν ἧς ἐπιζητεῖ τάξεως ὁ τοῖς βιβλίοις ἐντυγχάνειν προαιρούμενος. Weber, der die streng alphabetische Reihenfolge, wie sie bei Hesych herrscht, auch in den Περιεργοπένητες für sicher hält, müht sich vergebens ab, eine verständliche Erklärung dieser Worte des Hesych zu geben (Untersuch. S. 503ff.). M. Schmidt erläutert in ansprechender Weise die Worte dahin, dass die innerhalb der einzelnen Buchstaben serienweise auf einander folgenden λέξεις am Anfang kurz als ΟΜΗΡ. ΤΡΑΓ. ΚΩΜ. u. s. w. bezeichnet waren, wodurch das Auffinden einer Serie (τάξις) und einer dazu gehörigen λέξις offenbar sehr erleichtert [781] wurde. Aber wie es sich auch damit verhalten möge, verfehlt ist jedenfalls die Annahme, dass D. bei Abfassung der Περιεργοπένητες keine Rücksicht auf Pamphilos genommen und dafür ausschliesslich Speziallexika zu einzelnen Autoren oder Litteraturgattungen benützt habe. Die grosse Übereinstimmung zwischen den Fragmenten des Pamphilos und dem Lexikon des Hesych, trotzdem dieses infolge späterer Überarbeitung und starker Verstümmelung nur ein schwacher Abglanz der Περιεργοπένητες ist, spricht entschieden gegen eine solche Auffassung. Selbst wenn die Λέξις παντοδαπή und die Περιεργοπένητες zwei verschiedene Werke gewesen sein sollten, müsste doch auch für die Περιεργοπένητες das Werk des Pamphilos als Hauptquelle angesehen werden (vgl. Leop. Cohn Jahrb. f. Philol. Suppl. XII 342ff.). Auch der Umstand, dass die Glosse τάλαντον, welche in dem oben erwähnten einzigen Citat aus der Epitome des D. angeführt wird, in dem Lexikon des Hesych fehlt, kann nicht als Beweis für die Verschiedenheit der Epitome und der Περιεργοπένητες gelten; denn auch an anderen Stellen überlieferte Fragmente des D. sucht man jetzt bei Hesych vergeblich. – Das Lexikon des D. erlangte bald grosses Ansehen und solche Verbreitung, dass die Werke des Pamphilos und des Vestinus schnell in Vergessenheit gerieten; Herodian und Athenaeus sind später fast die einzigen Schriftsteller, die noch die Schätze des Pamphilos selbst für ihre Zwecke ausnützten. D. dagegen war viele Jahrhunderte hindurch ein sehr geschätzter Autor, sein Lexikon gehörte zu den am meisten gebrauchten Hülfsmitteln, wir können seine Benützung bis ins 12. Jhdt. verfolgen. Ausdrücklich citiert wird D. am meisten im Etymologicum Magnum, jedoch nur in den Buchstaben Α–Ε (G. Schoemann Comment. Studemund. 121–128. Reitzenstein Gesch. d. griech. Etym. 251). Ausserdem ist er benützt in den Scholien zu Platon (Schmidt Quaest. Hesych. p. XCIff. Leop. Cohn Jahrb. f. Philol. Suppl. XIII 786–794), in den Scholien zu Kallimachos Hymnen und zu Nikandros Theriaka, in dem Lexikon des Kyrill, von dem Verfasser des 5. Bekkerschen Lexikons und von Photios. Dass schon Zeitgenossen des D. wie die Atticisten Aelius Dionysius und Pausanias sein Lexikon geplündert haben, ist eine der vielen Behauptungen Νabers, für die ein Beweis nicht geliefert ist. Ebenso wenig begründet ist die von H. Weber ausgesprochene und von C. Boysen (De Harpocr. lexici fontibus 61) gebilligte Vermutung, dass umgekehrt die Lexika der beiden Atticisten zu den Quellen des D. gehört haben; vgl. F. v. Stojentin Jahrb. f. class. Philol. 1879, 123. Die häufige Übereinstimmung zwischen Fragmenten der Atticisten und dem Lexikon des Hesych erklärt sich am besten aus der Benützung derselben Quellen durch D. und die Atticisten. Völlig verfehlt ist auch Nabers Annahme, dass Boethos, der Verfasser von zwei platonischen Glossensammlungen, die von Photios und in den Scholien zu Platon benützt sind, durch Vermittlung des Aelius Dionysius D.sche Glossen übernommen habe; vgl. Leop. Cohn Jahrb. f. Philol. Suppl. XIII 783ff. Was das Verhältnis des Hesych zu D. betrifft, so entnehmen wir aus dem Briefe an Eulogios, dass Hesych in dreifacher [782] Weise das Lexikon erweitert hat, indem er homerische Glossen, Schriftstellerzeugnisse zu manchen Artikeln und Erklärungen zu den Sprichwörtern, von welchen D. nur das Lemma angeführt hatte, hinzufügte. Das Lexikon des Hesych hat aber im Laufe der Zeit mannigfache Veränderungen erfahren, namentlich dadurch, dass das Lexikon des Kyrill hineingearbeitet wurde, wobei viele Artikel des ursprünglichen Lexikons mit Kyrill-Glossen contaminiert und in arger Weise corrumpiert und verstümmelt wurden. Die Scheidung des Ursprünglichen von dem später Interpolierten ist darum sehr schwierig. M. Schmidts Nachweise über die Erweiterungen, die das Lexikon durch Hesych und durch spätere Interpolationen erlitten hat, bedürfen einer sorgfältigen Revision. Sein Versuch, aus dem erhaltenen Lexikon des Hesych das ursprüngliche Werk des D. zu reconstruieren (Hesych. ed. minor, Jena 1864. 1867), ist im allgemeinen als misslungen zu bezeichnen. Litteratur: Valckenaer Schediasma de epistola ad Eulogium Hesychio praefixa operisque inscriptione, Opusc. II 152–164. Ruhnken Praef. in Hesych. ed. Alberti (auch bei Schmidt Quaest. Hesych. p. XI–XXVI). C. F. Ranke De lexici Hesychiani vera origine et genuina forma, Lips. et Quedlinb. 1831. F. G. Welcker (Rec. v. Ranke) Kleine Schriften II 542–596. Μ. Η. E. Meier Opusc. acad. II 46f. M. Schmidt Quaest. Hesych. (Hesych. vol. IV 2) p. LXXXVff.; Jahrb. f. Philol. XCI (1865) 749–764. Naber Phot. Proleg. 18ff. H. Weber De Hesychii ad Eulogium epistula, Progr. Weimar 1865; Gött. gel. Anz. 1867, 401–446; Untersuchungen über das Lexikon des Hesychios, Philologus Suppl. III 451–624. R. Reitzenstein Rh. Mus. XLIII 443–460.

Von den andern bei Suidas aufgezählten Schriften des D. wissen wir nicht viel mehr als die Titel. Ein Citat aus der Schrift über die Flüsse scheint in einem Kyrill-Glossar bei Cramer An. Par. IV 184, 9 vorzuliegen: Ἰβούθης ποταμὸς Θρᾴκης· ὁ ἀναγραφεὺς Διογενιανός. Solche geographische Verzeichnisse, wie sie D. verfasst hat, sind z. Β. benützt von Stephanos von Byzanz und in den Scholien zu Platon; vgl. B. Niese De Stephani Byz. auctoribus (Kiel 1873) 42ff. Leop. Cohn Jahrb. f. Philol. Suppl. XIII 856f. Nicht erwähnt ist in dem Artikel des Suidas eine Λέξις Αἰσχύλου des D., die in einem Citat aus Phrynichos angeführt wird im Schol. Hermog. Bekker An. gr. III 1073 (Walz Rhet. gr. V 486): Φρύνιχος ἐν τῇ Σοφιστικῇ Παρασκευῇ παρατίθεται τὸ ὑπόξυλος ῥήτωρ καὶ ποιητής … Αἰσχύλος ἐν Περσαις μέμνηται καὶ Διογενιανὸς ἐν τῇ λέξει τούτου.

Fälschlich trägt den Namen des D. eine Recension des alphabetisch geordneten Corpus der griechischen Sprichwörter, die in den Hss. den Titel führt: Παροιμίαι δημώδεις ἐκ τῆς Διογενειανοῦ συναγωγῆς (ed. A. Schott, Antwerpiae 1612. Gaisford Paroemiogr. graeci 155–227. Corpus Paroem. gr. ed. Leutsch et Schneidewin I 180–320). Die Sammlung zählt in den Ausgaben 776 Sprichwörter; es giebt aber Hss., die eine grössere Zahl von Sprichwörtern bieten. Die Erklärungen sind in dieser Sammlung viel dürftiger als in den andern Recensionen des alphabetischen Corpus (namentlich in dem sog. Zenobius [783] Parisinus). Ursprünglich waren sie ausführlicher, wie eine Wiener Hs. zeigt (Diogenianus Vindobonensis: Corp. Paroem. gr. II p. 1–52); diese enthält eine Epitome der sog. D.schen Sammlung, da sie nur 300 Sprichwörter bietet, stimmt aber in den Erklärungen mehr mit den anderen Sammlungen. Auf der den Namen des D. tragenden Sammlung beruhen mehrere spätbyzantinische Paroemiensammlungen, der Vaticanus Krameri, die Sammlungen des Makarios, Gregorios Kyprios, Apostolios u. a. Früher hielt man D. für den wirklichen Verfasser der Sammlung und wollte eine Stütze für die hsl. Überlieferung finden in dem Schriftenverzeichnis bei Suidas, wo Schott in dem Titel Περὶ ποταμῶν κατὰ στοιχεῖον ἐπίτομον ἀναγραφήν statt ποταμῶν die Conjektur παροιμιῶν vorgeschlagen hatte (vgl. Schneidewin Corp. paroem. I praef. p. XXVII). Mit Recht hat aber schon Welcker diese Conjectur als unnötig verworfen und auch bereits die Vermutung ausgesprochen, dass der Sammlung der Name des D. später beigelegt worden ist (Kl. Schriften II 587; vgl. auch H. Weber Philol. Suppl. III 560 Anm. 144). Da nach den neuesten Untersuchungen feststeht, dass das alphabetische Corpus der Sprichwörter und seine verschiedenen Bearbeitungen lange nach Zenobios, der ein Zeitgenosse des D. war, entstanden sind, so kann jetzt von D. als Verfasser der nach ihm benannten Sammlung keine Rede mehr sein. Auch mit dem Lexikon des D. hat die Paroemiensammlung an sich nichts zu schaffen: D. hatte nur eine beschränkte Zahl von Sprichwörtern in sein Wörterbuch aufgenommen und sie, wie Hesychios angiebt, ohne Erklärung gelassen, die dann erst von Hesych hinzugefügt wurde. Viele sprichwörtliche Redensarten und Glossen, die übereinstimmend oder ähnlich lautend bei Hesych und in verschiedenen Recensionen des alphabetischen Sprichwörtercorpus (nicht blos in der sog. D.-Sammlung) sich finden, sind erst durch Interpolation in diese hineingekommen. Dass dieser einen Sammlung der παροιμίαι δημώδεις der Name des D. vorgesetzt wurde, hat vielleicht ein kleiner Traktat veranlasst, der unter dem Titel Διογενιανοῦ περὶ παροιμιῶν in einigen Hss. überliefert ist und über die Bedeutung des Wortes παροιμία und verwandter Ausdrücke handelt (abgedruckt bei Gaisford Paroem. gr. p. V und Corp. Paroem. gr. I p. 177–180). Dieser steht jedoch weder mit der sog. D.-Sammlung noch mit der in den betreffenden Hss. enthaltenen Paroemiensammlung, die vielmehr zu einer andern Recension des alphabetischen Corpus gehört und anonym überliefert ist (παροιμίαι δημώδεις κατὰ στοιχεῖον), in engerer Verbindung. Vielleicht hat auch der Traktat mit D. nichts zu thun, denn sein Inhalt stammt, wie es scheint, ganz aus dem Werke des Paroemiographen Lukillos Tarrhaios. Vgl. H. Jungblut Quaest. de paroemiographis (Halis Sax. 1882) 17ff. O. Crusius Anal. crit. ad paroemiogr. gr. 22ff. F. Brachmann Quaest. Ps.-Diogenianeae (Jahrb. f. Philol. Suppl. XIV), Lips. 1885. Leop. Cohn Zu den Paroemiographen (Breslau 1887) 20f. 50f.; Zur Überlief. des alphab. Corpus, Philolog. Suppl. VI 227–267.

[Cohn.]