RE:Eugenius 10

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 987–988
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10) Griechischer Grammatiker, Sohn des Trophimos, aus Augustopolis in Phrygien, war nach Hesych. Miles. (Suid.) angesehener Lehrer an der kaiserlichen Hochschule in Constantinopel unter Anastasios I. (491–517), Vorgänger des Stephanos von Byzanz auf diesem Lehrstuhl, wie wir durch diesen selbst erfahren (Steph. Byz. s. Ἀνακτόριον· ... καὶ Εὐγένιος δὲ ὁ πρὸ ἡμῶν τὰς ἐν τῇ βασιλίδι σχολὰς διακοσμήσας). Über seine Schriften berichtet ein konfuser, aber verhältnismäßig sehr ausführlicher Artikel bei Suidas. Sie behandelten teils Metrik teils grammatisch-lexikalische Dinge. Der Titel des metrischen Werkes war Κωλομετρία τῶν μελικῶν Αἰσχύλου Σοφοκλέους καὶ Εὐριπίδου ἀπὸ δραμάτων ιεʹ. E. lieferte also für die Chorpartien der Tragiker dieselbe Arbeit, wie sie der Metriker Heliodor für Aristophanes geleistet hatte. Aus dem Titel ergibt sich die bemerkenswerte Tatsache, daß damals in den Schulen nur noch 15 Stücke der drei großen Tragiker behandelt wurden (drei des Aischylos, drei des Sophokles und neun des Euripides?). In dem von Suidas außerdem erwähnten Titel einer Schrift περὶ τοῦ τί τὸ παιωνικὸν παλιμβάκχειον haben wir wohl die Überschrift eines Abschnitts eines größeren Werkes (der Κωλομετρία?) anzunehmen. Eine alphabetisch geordnete Wörtersammlung des E. führte nach Suidas den Titel παμμιγὴς λέξις, Stephanos von Byzanz, bei dem ein Zitat daraus erhalten ist (s. Ἀνακτόριον), zitiert sie unter dem Titel συλλογὴ λέξεων. E. schrieb Ἀνακτόρειον, Stephanos von Byzanz bemerkt [988] aber, E. müsse die Schreibweise mit ει einem schlechten Buche entnommen haben, er selbst habe nur die Form Ἀνακτόριον gefunden (ἔοικε δ᾿ ἀγεννεῖ ἐντετυχηκέναι βιβλίῳ· ἡμεῖς γὰρ διὰ τοῦ ι εὕρομεν). Die Stelle zeigt, daß in der παμμιγὴς λέξις auch Fragen der Orthographie behandelt waren. Überhaupt scheint das Werk vielseitigen Inhalt gehabt zu haben; denn Suidas bemerkt darüber: ἔχει δὲ καὶ τὰ παράδοξα ἢ περὶ τόνον ἢ πνεῦμα ἢ γραφὴν ἢ μῦθον ἢ παροιμίαν ἑπόμενα αὐτῇ. Es waren also darin Unregelmäßigkeiten in der Akzentuation, Aspiration und Orthographie der Wörter besprochen, aber auch auf Mythologie bezügliche Ausdrücke und Sprichwörter aufgenommen. Orthographischen Inhalt hatte auch die von Suidas besonders angeführte Schrift περὶ τῶν εἰς ια ληγόντων ὀνομάτων (οἷον ἔνδεια ἢ ἔνδια) καὶ πότε διφορεῖται. Vermutlich war es ein Abschnitt der παμμιγὴς λέξις, der diese Überschrift trug. Dasselbe gilt von einer Schrift περὶ τῶν τεμενικῶν, ὅπως προφέρεται (οἷον Διονύσιον Ἀσκληπιεῖον), da es sich auch bei solchen Namen um die richtige Schreibung mit ει oder ι handelte, wie das von Suidas angeführte Beispiel und die analogen Bruchstücke aus den τεμενικά des etwas älteren Horapollon zeigen (Reitzenstein Gesch. d. Etymologika 313). Endlich hat E. nach Suidas auch einiges in iambischen Trimetern geschrieben (καὶ ἄλλα τινὰ τρίμετρα ἰαμβικά). Die erwähnte Stelle des Stephanos von Byzanz ist die einzige, in der E. zitiert wird.

[Cohn.]