RE:Eusebios 26

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 14401441
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26) Bischof von Emesa, gestorben wohl 359. Ein geborener Edessener und in Palästina theologisch geschult, sollte er 341 an die Stelle des abgesetzten Athanasius in Alexandrien treten, er war klug genug, lieber das kleine Bistum Emesa anzunehmen, wo man ihn allerdings anfangs auch verabscheute. Bei einem Besuch in Antiochien scheint er gestorben zu sein, da er nach Hieron. de vir. ill. 91 dort begraben worden ist. Sein Andenken in der Kirche hat darunter gelitten, daß er der Mittelpartei angehörte und vor dem Tage gestorben ist, wo deren rechter Flügel zum Nicaenum abschwenkte und die neue Orthodoxie schuf. Er war aber einer der bedeutendsten Theologen seiner Zeit, mit Bewußtsein Schrifttheologe und darum den dogmatischen Haarspaltereien und dem Zank um die trinitarischen Formeln abgeneigt, als Exeget von gesundem Sinn für das Natürliche und Einfache, als erbaulicher Schriftsteller hervorragend begabt durch [1441] Betonung des praktisch Wirksamen und lebendige, aber nicht schwülstige Sprache. Er gehört, wenn nicht zu den Gründern der antiochenischen ‚Schule‘, so doch zu den ausgezeichnetsten Vertretern der antiochenischen Exegese; Titus von Bostra geht in seinen Spuren. Schon Hieronymus, offenbar neidisch auf seinen Ruhm, weiß von unzähligen libri des Emeseners und von dem eifrigen Studium, das ihnen die qui declamare volunt widmen. Er nennt dann apologetisch-polemische Werke gegen Juden, Heiden, Novatianer und von exegetisch-homiletischen einen Kommentar zum Galaterbrief in 10 Briefen und zahlreiche, allerdings kurze Homilien zu den Evangelien. Theodoret (haer. fab. I 25f.) kennt noch andere Streitschriften, aus einer Art Glaubenslehre zitiert er (Eranistes Dial. 3) umfängliche Stücke, und Syrer wie Lateiner haben die Schätze dieses Geistes durch Übersetzungen sich angeeignet. Die griechischen Catenen hatten schon eine Reihe von Fragmenten aus seinen Kommentaren zum Alten und Neuen Testament hergegeben (Migne Gr. 86, 1, 545ff.) und enthalten deren noch viel mehr; von seinen Homilien sind manche unter dem Namen anderer E., so des Caesareensers erhalten (s. Migne Gr. 24, 1047ff.), jedenfalls ein Teil der Sirmondschen Sammlung. Eine noch ungedruckte Predigt über die Arbeitsruhe am Sonntag hat Zahn mit guten Gründen unserm E. zuerkannt (Z. f. kirchl. Wiss. 1884, 516ff.) und ins Deutsche übertragen (Skizzen aus dem Leben d. alten Kirche² 1898, 321ff.). Andrerseits sind ihm Predigten zugeschoben worden, deren späterer Ursprung außer Zweifel steht, die homiliae 56 ad populum et monachos, die Engelbrecht samt und sonders auf das Konto des Faustus von Riez setzen wollte (Studien über die Schriften d. Bischofs v. Reji Faustus, 1889, 47ff.), die aber unter verschiedene gallische Prediger des 5. Jhdts. zu verteilen sind. Die ärgste Verwirrung ist indes durch Verwechslung des Emeseners E. mit E. von Alexandrien (Nr. 29) herbeigeführt worden; was Augusti unter dem Titel Eusebii Emes. quae supersunt opuscula graeca 1829 publiciert, Migne Gr. 86, 1, 763ff. übernommen hat, wurde von J. C. Thilo Über die Schriften des Eusebius v. Alexandrien und d. Eusebius v. Emisa 1832 als Eigentum des Alexandriners erwiesen, und die Hypothese Dräsekes Theol. Stud. u. Krit. LXVI 251ff.; Z. f. wiss. Theol. XXXVIII 238ff., daß die beiden Jugendschriften des Athanasius wider die Griechen und über die Menschwerdung den E. von Emesa zum Verfasser hätten, hat wenig Beifall gefunden. Die von Thilo in Angriff genommene Arbeit methodischer Durchforschung des überlieferten E.-Materials muß in Verbindung mit weiterer Sammlung des Verstreuten fortgesetzt werden, damit das Bild dieses Ε., der ebenso fleißig wie der Caesareenser, aber selbständiger im Denken, freier von hergebrachten Fehlern in der Exegese und als Schriftsteller geschickter als jener war, der die klassische Blütezeit der kirchlichen Literatur einzuleiten scheint, deutlicher vor uns wieder erstehe.