RE:Helena 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,2 (1912), Sp. 28202822
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2) Flavia Iulia Helena (Dessau 709 = CIL VI 1134. Cohen Médailles impérial. VII² 95ff., häufiger nur Flavia Helena: Cohen a. O. Dessau 708 = CIL X 517. VIII 1633 u. s.), war um [2821] das J. 257 geboren, da sie um 336 vor dem vollendeten achtzigsten Jahre starb (Euseb. vit. Const. III 46). Sie war Gastwirtin (Ambros. de obit. Theod. 42 = Migne L. 16, 1399 vgl. Anon. Vales. 2, 2. Zosim. II 8, 2. 9, 2), als sie der spätere Caesar Constantius zu seiner Konkubine machte (Zosim. II 8, 2. 9, 1. Zonar. XIII 1 p. 1 a. Hieron. chron. 2322; vgl. Liban. or. XVIII 8. Chron. Pasch. a. 304). Daß man sie nach seinem Tode als seine Gattin bezeichnete, von der er sich geschieden habe, um Theodora, die Stieftochter des Kaisers Maximian, zu heiraten, war wohl nur Schmeichelei gegen sie und ihren Sohn (Anon. Val. 1, 1. Eutrop. X 2, 2. Vict. Caes. 39, 25; epit. 39, 2. Zonar. XII 31. 33. XIII 1 p. 640 d. 644 d. 1 a. CIL X 1483. 517 = Dessau 708). Sie gebar zu Naissus (Firm Mat. math. I 10, 16. Anon. Val. 2, 2. Steph. Byz. s. Nαισσóς) wahrscheinlich im J. 288 (Seeck Geschichte des Untergangs der antiken Welt I 406ff.) Constantin den Großen, der sie, nachdem er sich 312 zum Christentum bekannt hatte, gleichfalls dazu bekehrte (Euseb. vit. Const. III 47, 2). An seinem Hofe besaß sie großen Einfluß. Er ernannte sie erst zur nobilissima femina (Cohen nr. 14), dann, wahrscheinlich bei Gelegenheit seiner Vicennalien im J. 325, zur Augusta, verlieh ihr das Diadem und ließ Münzen auf ihren Namen schlagen (Euseb. vit. Const. III 47, 2. Theophan. 5816. Cohen VII² 93. Maurice Les origines de Constantinople. Mém. de la soc. d. antiquaires de France 1904, 286). Eine seiner Töchter und die Provinz Helenopontus wurden nach ihr benannt (Nov. Iust. 28, 1); sie besaß, jedenfalls durch seine Schenkungen, Landgüter, die über alle Teile des römischen Reiches zerstreut waren (Euseb. vit. Const. III 46, 1), und konnte über seinen Schatz frei verfügen (Euseb. vit. Const. III 47, 3), was sie zu reichen Gaben an die Kirche, Almosenspenden und Geschenken an Private, aber auch zu Geldverteilungen an die Truppen benutzen durfte (Euseb. vit. Const. III 44). Ihrem Einfluß schrieb man es zu, daß Constantin seine Stiefbrüder, die Söhne der Theodora, anfangs seinem Hofe fernhielt (Liban. or. XIV 30; vgl. o. Bd. IV S. 1044). Im J. 326 soll sie die Kaiserin Fausta bei ihrem Gatten verklagt und dadurch deren Tod herbeigeführt haben (Zosim. II 29, 2. Vict. epit. 41, 12. Codin. orig. Const. II 93; vgl. o. Bd. VI S. 2086). Im J. 327 vollzog Constantin die Neugründung einer Stadt, um sie nach seiner Mutter Helenopolis zu benennen. Sie hatte dazu Drepana in Bithynien gewählt, weil dort die Reliquien des Märtyrers Lucianus aufbewahrt wurden (Philostorg. II 12. Hieron. chron. 2343; de vir. ill. 77. Socrat. I 17, 1. Chron. Pasch. a. 327). Ihre Vorliebe für diesen Heiligen, der Lehrer des Arius und des Eusebius von Nicomedia gewesen war (Theodor. hist. eccl. I 4, 36. 5, 4. Philostorg. II 14. Epiph. haer. 43, 1. 69, 6; ancor. 33. Sozom. III 5, 9), ist wohl auch bestimmend dafür gewesen, daß Constantin in seinen letzten Jahren zum Verteidiger der Arianer wurde (Athan. hist. Ar. ad mon. 6 εἶχον γὰρ τὴν πρὸς βασιλέα παρὰ τῶν γυναικῶν σύστασιν). In Konstantinopel erbaute sie gemeinsam mit ihrem Sohne die Apostelkirche, in der er seine letzte Ruhestätte fand [2822] (Codin. I 50. III 1. IV 32), und mehrere andere Kirchen (Codin. III 3–5. 81. 82). Auf den öffentlichen Plätzen der neuen Stadt wurden ihr mindestens sechs Statuen errichtet (Hesych. Mil. frg. 4, 4 = FHG IV 154. Codin. I 44. II 15. 16. 29. 35. 66. 96. 102), was dann natürlich viele andere Städte nachahmten (CIL VI 1134–1136. VIII 1633. IX 2446. X 517. 1483. 1484 und sonst). In hohem Alter unternahm sie eine Wallfahrt nach Jerusalem (Euseb. vit. Const. III 42), wahrscheinlich gleich nach der Einweihung von Constantinopel (11. Mai 330), der sie wohl noch beigewohnt haben dürfte. Denn in demselben Jahre wurde Eustathius, Bischof von Antiochia, abgesetzt (Theodor. hist. eccl. II 31, 11), und zu den Gründen dafür gehörte auch der, daß er als fanatischer Gegner der Arianer H. beleidigt hatte (Athan. hist. Ar. ad mon. 4 ὡς τῇ μητρὶ αὐτοῦ ποιήσας ὕβριν). Dies kann kaum bei einer andern Gelegenheit geschehen sein, als da sie bei ihrer Reise nach Palästina in Antiochia, das auf ihrem Wege lag, Rast hielt. Sie erbaute eine Kirche in Bethlehem und eine auf dem Ölberge (Euseb. vit. Const. III 41. 43), scheint sich also längere Zeit in und bei Jerusalem aufgehalten zu haben. Nach ihrer Rückkehr gründete sie noch in Konstantinopel zwei Kirchen, von denen die eine zum Andenken an ihre Wallfahrt den Namen Bethlehem empfing (Codin. III 4), starb dann in Anwesenheit ihres Sohnes (Euseb. vit. Const. III 46. Rufin. hist. eccl. X 12) und wurde in Rom begraben (Euseb. vit. Const. III 47, 1). Einige ihrer Münzen, die sie nicht diva Helena, sondern Flavia Iulia Helena Augusta nennen, also jedenfalls noch bei ihren Lebzeiten geschlagen sein müssen, sind mit denen des Caesars Dalmatius gleichzeitig (Maurice Numismatique Constantinienne I 261. 498. Revue numismatique 1901, 202). Sie kann also nicht vor dem 18. September 335, an dem er den Caesartitel erhielt (s. o. Bd. IV S. 2456), und nicht nach dem 22. Mai 337, dem Todestage Constantins gestorben sein. Ihren Tod setzt man gewöhnlich in das J. 328 statt, wie es richtiger ist, 336 und beruft sich dafür auf Tillemont; doch hat dieser nur festgestellt, daß sie nicht vor 328 gestorben sein kann. Daß sie bei ihrer Wallfahrt nach Palästina das echte Kreuz Christi entdeckt habe, wird zwar von späteren Quellen ausführlich erzählt (Ambros. de obit. Theod. 43 = Migne L. 16, 1400. Rufin. hist. eccl. X 7. Socrat. I 17. Sozom. II 1. Theodor. hist. eccl. I 18. Codin III 4. Nov. Iust. 28, 1 und sonst); aber da Eusebius, der nicht nur Zeitgenosse, sondern auch Palästinenser war, ganz darüber schweigt, kann es nur Legende sein.