RE:Hermias 10a

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VIII,1 (1912), Sp. 13061307
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S. 831, 38 ist einzuschieben:

10a) Hermias war in den 60er Jahren des 3. Jhdts. v.Chr. hoher ptolemäischer Beamter in dem Machtbereich des κοινὸν τῶν νησιωτῶν, und zwar der νησίαρχος (gegenüber Delamarre Rev. de phil. XX 111f. vgl. über den Nesiarchen König Der Bund der Nesioten, Halle 1910, 66ff. und jetzt auch D. Cohen De magistr. Aegypt. extern. Lagid. regni provinc. administr. 1912, 77ff.; eine ganz klare Vorstellung besitzen wir freilich noch nicht von seinen Kompetenzen). H. scheint ein großer Verehrer der Königin Arsinoe II. Philadelphos gewesen zu sein – oder sollte er nur aus Berechnung, um die Gunst des zweiten Ptolemäers zu gewinnen, so gehandelt haben? –, jedenfalls hat er nach dem Tode der Königin, wohl im J. 267 v. Chr., auf der Insel Delos ein Fest Ἀρσινόει Φιλαδέλφῳ καὶ Ἀπόλλωνι, Ἀρτέμιδι Λητοῖ gestiftet, das erst einfach den Titel τὰ Ἑρμίου geführt hat und später als Φιλαδέλφεια bezeichnet worden ist (der spätere Titel offenbar zuerst deswegen nicht gewählt, weil der Stifter des Festes kein Ptolemäer war). Es ist in der üblichen Form alljährlich gefeiert worden durch Darbringung von Opfern und Aufstellung einer Schale (φιάλη); H. dürfte also auch die Stiftung in der üblichen Form durch Überweisung eines Kapitals an das delische Heiligtum [1307] zur Ausführung gebracht haben (es werden z. B. aus ihm für Opfer in einem Jahre 330 Drachmen ausgezahlt). Die Feier des von H. gestifteten Festes ist uns noch in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. v. Chr. bezeugt. Namen und Titel des H. belegt Dittenberger Syll.² II 588, 71. Entgegen den Zweifeln von v. Schöffer De Deli insulae rebus 178, auch 98 und 103 und Dürrbach Bull. hell. XXIX 560, 1 ist aber der Nesiarch H. in den delischen Inschriften auch dann stets anzunehmen, wenn nur der Name H. als Stifter erscheint; s. Schulhoff Bull. hell. XXXII 106. 108. 113ff. Dieser erwähnt auch das noch unpublizierte Material; publizierte Inschriften noch in Bull. hell. XXXII 83 (vor allem Z. 60. 67. 70. 81. 131). IG XI 2. 224 B, 10ff. 287 B, 112ff. und s. die noch nicht erschienenen Nummern dieses Faszikels, 313, 63ff. 320 B, 27ff. 442 B, 71 (das J. 267 v. Chr. als Stiftungsjahr dürfte vorläufig gegenüber dem von Tarn Journ. hell. Stud. XXIX 278 vorgeschlagenen und sachlich an und für sich sehr wahrscheinlich erscheinenden J. 269 v. Chr. beizubehalten sein; jedenfalls ist Tarns’ neuer Ansatz für den Archon der Stiftung, Meilichides II., auf das J. 269 v. Chr. von dem Herausgeber der delischen Inschriften, Dürrbach, für das Corpus nicht angenommen worden, und erst nach Abschluß der Publikation wird ein endgültiges Urteil möglich sein). D. Cohen a. a. O. ist über H. nicht genügend orientiert.