RE:Hiempsal 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VIII,2 (1913), Sp. 13941395
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2) Hiempsal II., vielleicht der Sohn Gaudas, der nach Iugurthas Besiegung das verkleinerte Numidien erhielt (s. den Art. Gauda o. Bd. VII S. 855), war zur Zeit des ersten Bürgerkrieges König von Numidien. Nach der Verjagung der Demokraten aus Rom im J. 88 wandten sich der junge Marius und Cethegus nach Afrika, wo sie zunächst von H. freundlich aufgenommen wurden. Indessen merkten beide bald, daß der König sie nur hinzuhalten beabsichtigte, und beschlossen deshalb zu fliehen, was dem jungen Marius auch gelang (Plut. Mar. 40. Appian. bell. civ. I 62). Nach dem Siege der Demokraten erfolgte auch in Afrika der Umschwung: H. ward von den Numidern unter Führung des Hiarbas vertrieben, der nunmehr an seiner Stelle König von Numidien ward (Appian. I 80). Allein der endgültige Sieg Sullas (83) brachte den rechtmäßigen Herrscher wieder auf den Thron. Pompeius, von Sulla mit dem ausdrücklichen Befehl nach Afrika gesandt, die Reste der Marianischen Partei unter Cn. Domitius zu vernichten und H. in sein Reich zurückzuführen, entledigte sich binnen 40 Tagen seines Auftrags: Domitius ward bei Utica geschlagen, Hiarbas gefangen und später getötet (Plut. Pomp. 12. Aur. Vict. de vir. ill. 77, wo allerdings statt H. fälschlich der Name Masinissas genannt ist). Es scheinen sich noch andere Kriege daran angeschlossen zu haben (vg. Sall. hist. I 11 bei Gell. IX 12 und Non. Marc. s. metus); jedenfalls fiel H. bei dieser Gelegenheit auch Gaetulien zu (Bell. Afric. 56). Auch in der Folgezeit muß sich H. mit den Machthabern in Rom zu stellen gewußt haben: durch einen Vertrag mit dem Consul C. Aurelius Cotta wurden ihm im J. 75 sogar gewisse Landstriche zugesprochen, die P. Cornelius Scipio seinerzeit für römisches Eigentum erklärt hatte. Allerdings war der Vertrag nicht vom Volke genehmigt; trotzdem behielt H. die Ländereien in Besitz und wußte auch, als 63 durch die Lex agraria des Tribunen Servilius Rullus die Versteigerung drohte, diesen zu veranlassen, daß die fraglichen Landstriche ausdrücklich ausgenommen wurden, wozu allerdings, wie Cicero wissen will, sowohl das Gold wie auch die schönen Locken des Königssohnes [1395] Iuba beigetragen hatten (Cic. de leg. agr. II 58 vgl. I 11).

Mit dem Erstarken der demokratischen Partei in Rom ward die Lage für H. wieder ungünstiger, und gleichzeitig regte sich die Opposition im eigenen Lande, an deren Spitze ein adliger Numidier Masintha, wahrscheinlich aus dem Geschlecht des getöteten Hiarbas, stand (Suet. Caes. 71). Schon Vatinius Besuch im J. 62, über den wir nichts Näheres wissen (Cic. in Vatin. 12), bedeutete sicherlich nichts Gutes, und als dann Caesar selber nach Afrika kam, nahm er sich des Masintha mit solcher Energie an, daß er in einer Unterredung mit H. und dessen Sohn Iuba sich sogar zu Tätlichkeiten gegen Iuba hinreißen ließ. Als dann H. gewaltsam sich des Prätendenten bemächtigen wollte, schützte Caesar ihn in jeder Weise und nahm ihn zu seiner Sicherheit mit sich nach Rom (Suet. Caes. 71). Diese Vorgänge erklären die scharfe Stellung, die Iuba sofort beim Ausbruch des Bürgerkrieges für Pompeius einnahm. Wann H. gestorben ist, wissen wir nicht, nach Sall. Iug. 17 scheint er auch schriftstellerisch tätig gewesen zu sein und sich dabei der punischen Sprache bedient zu haben. Wenn es sich wirklich um H. II. handelt – Sallust drückt sich sehr vorsichtig aus libri Punici qui regis Hiempsalis dicebantur – so würde das beweisen, mit welcher Zähigkeit sich die von Karthago ausgegangene Kultur in Numidien behauptete. Im übrigen geben die Proben, die Sallust c. 18 mitteilt, keinen sehr vorteilhaften Begriff von der Schriftstellerei des Königs, der die Urgeschichte seines Landes in ziemlich abenteuerlicher Weise mit der griechischen Sage von Herakles verknüpfte.