RE:Ἰαβαδίου νῆσος

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,1 (1914), Sp. 1175–1177
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Ἰαβαδίου νῆσος, nach Ptolem. VII 2, 29 eine große Insel im Süden von India extra Gangem. Der Name steht in engster Beziehung zu dem sanskr. Yava-dvîpa und dem prâkr. Java-dîvu oder Dxjavadîvu; er bedeutet, wie Ptolemaios richtig erklärt, Gersteninsel (κριθῆς νῆσος). Es wäre daher falsch, wenn man in Ἰαβαδίου eine griechische Genetivform erblicken und, wie man es so oft liest, den Namen in Iabadii insula latinisieren wollte. Hierüber näheres bei H. Kern Bijdragen tot de Volkenkunde van Nederlandsch-Indië, 3. Volgr. IV 638ff; 7. Volgr. IV 364ff.

Obgleich es nahe genug liegt, I. mit Java zu identifizieren, hat es doch Stimmen gegeben, die sich für Sumatra erklärten. Aber eine kritische Prüfung der ptolemäischen Daten macht diese Ansicht hinfällig. Völlig belanglos ist es, daß I. auf der Ptolemaioskarte etwa 5000 Stadien südöstlich vor der Goldenen Chersones, der Malayischen Halbinsel, und 4500 Stadien westlich von Kattigara, dem Endpunkt der indischen Küstenschiffahrt, liegt. Denn diese Lageverhältnisse geben nicht die Auffassung des Marinos von Tyros wieder, und auf ihn haben wir ständig zurückzugreifen, vor allem in diesem Falle, wo sein Nachfolger Änderungen an der Karte getroffen hat; das ist bisher nicht in richtigem Maße erkannt worden (vgl. Herrmann Die alten Verkehrswege zwischen Indien und Süd-China nach Ptolemäus, Ztschr. d. Ges. f. Erdk., Berlin 1913, 771-787).

Es ist nämlich von entscheidender Bedeutung, daß die Marinoskarte, die Indien jenseits des Ganges und das Innd der Sinen darstellte, nicht wie die entsprechende Ptolemaioskarte am 180. Meridian abschloß, sondern 45° weiter nach Osten reichte, da Marinos seine Ökumene bis zum 225° festgesetzt hatte. Rein äußerliche Gründe (vgl. Herrmann a. a. O. 775) waren es, die Ptolemaios bewogen, den Inhalt der Karte [1176] soweit nach Westen zusammenzudrängen, daß nichts mehr über den 180° hinaus zu liegen kam; und dies geschah alles ohne nähere Kenntnis des von Marinos benutzten Materials! Es wäre also ein trügerisches Verfahren, wenn wir unsere Untersuchung auf die Lageverhältnisse in der Ptolemaioskarte gründen wollten; wie anders kann doch das Bild auf der entsprechenden Marinoskarte aussehen! Zum Glück stehen der Rekonstruktion einer solchen Karte, von Einzelheiten abgesehen, keine besonderen Schwierigkeiten entgegen, da Ptolemaios bei Begründung seines Reduktionsverfahrens (I 13, 14) die Lage wichtiger Küstenpunkte bespricht, wie sie bei Marinos angegeben war.

Was nun die Lage von I. betrifft, so ist es in diesem Falle nicht möglich, sie mit einiger Sicherheit auf der Marinoskarte festzulegen; wir wissen also nicht‚ in welche Entfernung I. hier zur Goldenen Chersones und zu Kattigara gebracht ist. Aber letzteres ist anscheinend überhaupt nicht für die Identifizierung ausschlaggebend. Eine genauere Beobachtung zeigt, daß die Eintragung der Insel lediglich von Westen her erfolgt sein muß. Aus der Ptolemaioskarte läßt sich unschwer eine Seeroute rekonstruieren, die von I. in westnordwestlicher Richtung zurück nach Taprobane führt. Auf der entsprechenden Marinoskarte muß natürlich die gegenseitige Entfernung erheblich größer gewesen sein, aber die bei Ptolemaios unterwegs eingezeichneten Inselgruppen dürfen wir auch in dessen Vorlage annehmen. Es sind, von Taprobane aus gerechnet, die 10 Μανίολαι, 5 Βαρούσσαι und 3 Σίνδαι νῆσοι, während die darauf folgenden 3 Σαβαδεῖβαι νῆσοι (s. d.) mit jener Seeroute nichts zu tun haben, sondern auf andere Erwägungen in dieselbe Linie geraten sind. Auf diese Weise lernen wir einen alten Seeweg kennen, der von Ceylon aus die nächsten Inseln im hinterindischen Archipel aufsuchte. Daher können über die Namen der Inseln keine großen Meinungsverschiedenheiten entstehen. Die 10 Maniolai scheinen auf die Gruppe der Nikobaren, die 5 Barussai auf die Mentawei-Inseln, die Sindai in erster Linie auf Sumatra hinzuweisen. Danach muß schließlich I. mit Java zusammenfallen.

Wesentlich gestützt wird unser Ergebnis durch eine chinesische Nachricht aus dem Beginn des 5. Jhdts. n. Chr. Im J. 514 gelangte der buddhistische Pilger Fa-hien (Ausg. Legge, 111–113) von Ceylon aus auf direktem Wege nach Java; die Seefahrt dauerte 90 Tage und verlief zum Teil sehr stürmisch. Es scheint, daß das Schiff dieselbe Route eingeschlagen hat, die der marinisch-ptolemäischen Darstellung zugrunde liegt; an Yava-(dvîpa) erinnerte dann der Name Yeh-pʿo (tʿi = Insel), alte Aussprache etwa Ja-po, womit Fa-hien Java bezeichnet hat. Auch andere ältere chinesische Bezeichnungen verraten deutlich ihre nahe Beziehung zu dem sanskritischen oder ptolemäischen Namen. Mitte des 3. Jhdts. hörten die Chinesen von der Insel Chu-pʿu, alter Laut etwa Tsiá-po (nach einer mündlichen Mitteilung des Professors de Groot; vgl. auch Pelliot Bull. de l’Ecole française d’extrême- Orient IV 270), ferner im 6. oder 7. Jhdt. von Shö-pʿu, alte Aussprache etwa (Ça-pô (vgl. F. [1177] Hirth und Rockhill Chau Ju-kua, St. Petersburg 1912, 78).

Am wertvollsten ist aber die älteste chinesische Kunde von Java. In den Annalen der späteren Han-Dynastie lesen wir, daß im Anfange des J. 132 n. Chr. am chinesischen Hof eine Gesandtschaft aus Yeh-tiao, alter Laut Japdiv (mit franz. j), erschienen sei (vgl. Pelliot a. a. O. 268; dsgl. Tʿoung pao 1912, 457). Der Zusammenhang, in dem diese Angabe steht, und der Namensanklang machen es zweifellos, daß Java gemeint ist. Damit ist zugleich bewiesen, daß diese Insel schon zu Zeiten des Marinos und Ptolemaios im Verkehr mit Hinterindien und China gestanden hat. Von größerer Bedeutung werden jedoch die Beziehungen zu Vorderindien gewesen sein; ist es doch den Brahmanen im Altertum nirgends anderswo so erfolgreich gelungen, ihre Kultur auf ein fremdes Land zu übertragen.

Während die Übereinstimmung des Namens I. mit Java eine feststehende Tatsache ist, lassen sich die von Ptolemaios hinzugesetzten Angaben nicht ohne allen Zweifel erklären. Zunächst ist es die an und für sich richtige Bemerkung, der Name bedeute Gersteninsel. Gerste wird nämlich auf Java, wie auf anderen Inseln des Archipels‚ nur wenig gebaut. Aber Lassen Ind. Altertumsk. II² 1061. III² 250ff. hat einen annehmbaren Ausweg gefunden, daß das Sanskritwort yava auf andere Kornarten angewandt sein kann und im vorliegenden Fall wohl gewiß angewandt worden ist. Nach den einheimischen Überlieferungen kannten die Bewohner in der ältesten Zeit nur eine einzige Kornart, welche auf javanisch gawâwat, d. h. Gerste ähnlich, mit ihrem europäischen Namen Panicum italicum heißt; als die ersten aus Indien gekommenen Ansiedler diese Kornart bei ihrer Ankunft entdeckten, sollen sie die älteren Namen der Insel Nûsa. (d. h. Insel) Kendang in Nûsa Gâwa geändert haben. Von da war es dann bis zur Umbildung in das Sanskritwort yava kein weiter Schritt mehr. Vgl. auch P. J. Veth Java I² 3ff.

Ferner heißt es bei Ptolemaios, die Insel sei äußerst fruchtbar und brächte auch Gold hervor. Ihr Silberreichtum wird durch den Namen ihrer Hauptstadt Ἀργυρῆ bezeugt (s. d.). Nun ist aber Java an edlen Metallen arm. Die Angabe mag deshalb in der Weise entstanden sein, daß ursprünglich der Goldreichtum des benachbarten östlichen Sumatra oder der Malayischen Halbinsel gemeint war und dann auf Java als das Hauptziel der Seeschiffahrt übertragen wurde.

Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]

Gleich mit Iabadiu in S III.