RE:Iezdegerd 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IX,1 (1914), Sp. 964–965
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2) Iezdegerd II., persischer König, Sohn und Nachfolger Bahrāms V., regierte 438 bis 30. Juli 457. Rom gegenüber hielt er sich an den von seinem Vater 422 geschlossenen Vertrag, den er nach belanglosen Grenzstreitigkeiten bald nach Antritt seiner Regierung mit Anatolius, dem Oberbefehlshaber der Truppen des Ostens, erneuerte; nur an die darin, den persischen Christen zugestandene Gewährung der Glaubensfreiheit fühlte er sich wenig gebunden, da er - nach syrischem Berichte (Hoffmann 50) im 8. Jahre seiner Regierung - eine Christenverfolgung einleitete. Der Anlaß dazu könnte gewesen sein, daß er sich von den Christen auf seinen östlichen Kriegszügen im Stiche gelassen glaubte, da er (Hoffmann 50) nach einem Siege über den König von Tschōl alle Christen aus seinem Heere stieß. Nähere Nachrichten über die Verfolgung liegen vor aus der Provinz Karcha (Hoffmann 43ff., Bedj. II 518ff.), wo die Zahl der Märtyrer angeblich in die Tausende ging und der königliche Kommissar Tohmjezdegerd selber als christlicher Blutzeuge geendet haben soll, sodann aus Ḥolwān, wo ein durch seine Missionstätigkeit besonders berühmter Priester Pethion gemartert und getötet wurde. I. betätigte seine christenfeindliche Gesinnung auch gegenüber Armenien. Bahrām V. hatte die bislang nur der persischen Verwaltung unterstellte Hälfte Armeniens in eine persische Provinz umgewandelt; diese gründlich zu persifizieren, war I.s Bestreben, wobei ihm der schon unter Iezdegerd I. als Wezier tätig gewesene Mihr-Narse eifrig zur Seite stand. Zunächst wurde die gesamte Rechtsprechung persischen Richtern übertragen; weiter von den im allgemeinen für Persien eingenommenen armenischen Notabeln Übertritt zur Zoroasterreligion verlangt. Die meisten waren so charakterlos, darauf einzugehen. Als dann aber eine Schar von Magiern nach Armenien kam, um den persischen Kultus beim Volke durchzuführen, brach ein von dem Priester Wardan geschürter Volksaufstand los (450/51). Zwar fiel die Entscheidungsachlacht bei Awarair zu Ungunsten der Armenier aus, und die meisten Führer der Patrioten büßten ihr Leben ein; doch verstand sich I. beim Friedensabschluß [965] zur Anerkennung der christlichen Religion in Armenien, womit auch die Christenverfolgung in Persien ein Ende nahm (Näheres bei Lazar. v. Pharp VI 29ff. Elishe III 49ff.). Besondere Schwierigkeiten bereitete dem Könige die Verteidigung der Ostgrenze des Reiches gegen die in Baktrien, Tochāristān und Transoxanien ansässig gewordenen Küschān (auch Haitāl, Ἑφθαλιται oder weiße Hunnen genannt), gegen die schon Bahrām V. zu Felde gezogen war. I. scheint ihnen gegenüber mit wenig Glück gekämpft zu haben, wie armenische Berichte nahelegen; auch seine Kämpfe in Tschōl (arab. Sūl in Gorģān, s. Hoffmann 50. 277ff.), wo er die Stadt Schāhristān-i-Iezdegerd anlegte, endeten anscheinend nicht erfolgreich. Wenn Ṭabarī den König als mild und wohltätig gegen Volk und Heer schildert und Ḥamza ihm den Zunamen ‚der Sanfte‘ gibt, so haben die syrischen Quellen außer seinem Christenhasse an ihm auszusetzen, daß er seine eigene Gemahlin, die zugleich seine Tochter gewesen sei, getötet und den alten Brauch der persischen Könige, in der ersten Woche eines jeden Monats jeglichen, der Klagen über ungerechte Behandlung vorzubringen hatte, zur Audienz vorzulassen, abgeschafft habe. Letztere Änderung deutet auch Ṭabarī an.

(Über Iezdegerd I. und II. vgl. bes.: Nöldeke Geschichte der Perser u. Araber z. Z. der Sasaniden, aus d. arab. Chronik des Ṭabarī übers., Leiden 1879; Aufsätze z. pers. Geschichte, Leipzig 1887. J. Labourt Le Christianisme dans l’empire perse sous la dynast. sassanide, Paris 1904. S. Weber Die kathol. Kirche in Armenien, Freiburg 1903.)