RE:Iulius 567

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Iulia Drusilla Zweite Tochter des Germanicus und der Agrippina
Band X,1 (1918) Sp. 935 (IA)–937 (IA)
Drusilla (Schwester des Caligula) in der Wikipedia
GND: 1051170591
Julia Drusilla in Wikidata
Bildergalerie im Original
Register X,1 Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|X,1|935|937|Iulius 567|[[REAutor]]|RE:Iulius 567}}        

567) Iulia Drusilla, die zweite Tochter des Germanicus und der Agrippina, des M. Agrippa und der I. Tochter, damit zugleich Urenkelin des Augustus und der Livia. Ihr voller Name I. Drusilla findet sich nur selten (CIL V 5722. XII 1026 [= Wiener Stud. III 266]), für gewöhnlich wird sie auf Inschriften, Münzen und bei Schriftstellern nur Drusilla genannt.

Ihr Geburtsjahr ist nur durch Berechnung zu erhalten (Froitzheim Quibus annis in Germania natae sint Agrippina et Drusilla (de Taciti fontibus in libro I annalium, Bonn [1873] 40–45; Rhein. Mus. XXXII 340ff.). Entgegen andern Berechnungen hat Mommsen (Herm. XIII 255)[WS 1] mit großer Wahrscheinlichkeit die letzten Monate des J. 16 n. Chr. als Zeit der Geburt erhalten. Ausschlaggebend hiefür ist die Angabe Suetons (vita Gai 7), daß die drei Töchter in drei aufeinanderfolgenden Jahren geboren sind, ferner die Nachricht über den Geburtsort, der in Germanien gelegen[WS 2] sein muß (Suet. a. a. O. 8), und die Tatsache, daß sie am 22. Mai 17 n. Chr. am Triumph ihres Vaters über Cherusker, Chatten und Angrivarier zusammen mit ihren vier älteren Geschwistern teilnahm (Tac. ann. II 41). Ihre Amme wird uns genannt in CIL II 5201. Die Erziehung leitete die Großmutter Antonia (Suet. a. a. O. 24). Die Nachrichten, daß ihr Bruder Gaius im Alter von noch nicht 17 Jahren bereits und auch später mit ihr Blutschande getrieben [936] habe (Suet. a. a. O. 24. Cass. Dio LIX 11, 1. Aur. Vict. de Caes. 3, 10), die sogar nicht ohne Folgen geblieben sein soll (Eutr. VII 12, 3. Suid. s. Γάιος), sind wohl Zeugnisse späterer Geschichtsfälscher. Die Frage ihrer Verheiratung machte dem Kaiser Tiberius Schwierigkeiten; schließlich vermählte er sie im J. 33 n. Chr. mit L. Cassius Longinus, der im J. 30 n. Chr. das Consulat bekleidet hatte (Tac. ann. VI 15). Aber bald entführte sie ihr Bruder Gaius ihrem Gemahl – der genaue Zeitpunkt steht nicht fest – und ließ sie als seine Gemahlin betrachten (Suet. a. a. O.: in modum iustae uxoris propalam habuit. Cass. Dio LIX 3, 3). Während der Krankheit, die ihn in der ersten Zeit seiner Regierung befiel, hatte er sie sogar als Erbin seiner Güter und seiner Herrschaft eingesetzt (Suet. a. a. O. Mommsen R. St-R. II³ 1135f., 5). Im J. 38 n. Chr. war sie die Gemahlin des M. Aemilius Lepidus (s. o. Bd. I S. 563), während die engen Beziehungen zum Bruder fortbestanden (Cass. Dio LIX 11, 1), aber in demselben Jahre starb sie bereits (Cass, Dio a. a. O.). Borghesi berechnet ihren Tod auf Ende Juli 38 n. Chr. (Oeuvres II 141). Die Trauer des Kaisers über den Verlust der Schwester war maßlos und sicher echt (Sen. consol. ad Polyb. 17, 4–6. Suet. a. a. O. 24. Cass. Dio LIX 10, 8). Ihre Bestattung, bei der ihr der Gemahl Aemilius Lepidus die laudatio hielt, wurde vom Bruder unter großen Feierlichkeiten vollzogen (Cass. Dio LIX 11, 1–2).

Ehrungen. Bei Lebzeiten ließ ihr und den Schwestern der Kaiser Gaius die Ehren als Mitregentinnen zukommen. Er nahm die sorores in die Eidesformel auf (vgl. Mommsen Ephem. epigr. V 155, Eid auf Caligula, in dem aber aus leicht erklärlichen Gründen die Schwestern noch nicht genannt sind) und in die Eingangsformel für offizielle Schriftstücke (Suet. a. a. O. 15. Vgl. die sehr einleuchtende Ergänzung von Mommsen in den Arvalakten, Ephem. epigr. V 158), ferner in die Gebete der Beamten und Priester (Cass. Dio LIX 3, 4). Auch bekamen sie die Rechte der Vestalinnen und die Prohedrie bei Pferderennen. Auf Münzen aus Mytilene führt Drusilla den Namen Augusta (Eckhel VI 232. Mionnet III 49, 125). Sie erscheint neben ihren Schwestern Agrippina und Iulia mit Kaiser Gaius auf Münzen (Eckhel VI 219f. Cohen I² 237) und häufig auch allein so in Byzanz (Mionnet Suppl. II 245, 241), Smyrna und Mytilene (Cohen I² 248). Die Münzen von Pergamon sind Fälschungen (Fränkel Sallets Ztschr. f. Num. XVIII 5ff.). Kyzikus veranstaltete zu Ehren der θεὰ νέα Ἀφροδείτη Δρ.) Wettspiele im J. 37 n. Chr. (Dittenberger Syll.² 365).

Nach ihrem Tode kannte Kaiser Gaius in den Ehrungen, die der Drusilla zu erweisen waren, kein Maß. Er selbst leistete künftighin alle Eide beim numen Drusillae (Suet. a. a. O. 24) und ließ auch die Frauen bei ihr schwören (Cass. Dio LIX 11, 3). Ihr wurden dieselben Ehren wie der Livia erwiesen, ihr Kult wurde dem der Venus gleichgesetzt, 20 Priesterinnen verrichteten in ihrem eigenen Tempel den Gottesdienst (Cass. Dio LIX 11, 2. 3; vgl. Sen. consol. ad Polyb. 17, 5). Über die zur Feier ihres Geburtstages angeordneten [937] Spiele und Festlichkeiten (Cass. Dio a. a. O.) vgl. für das J. 39 Cass. Dio LIX 13, 8 und für das J. 40 n. Chr. Cass. Dio LIX 24, 7. Unter dem Namen Panthea sollten ihr in allen Städten göttliche Ehren erwiesen werden, und der Senator Livius Geminius beschwor ihre Himmelfahrt (Senec. apocol. 1ff. Cass. Dio LIX 11, 4). Ihre Konsekrierung, die von Sueton (a. a. O.) und Cassius Dio (LIX 11, 2) bezeugt ist, wird nach Henzen Acta fr. Arv. XLVIe in den Arvalakten erwähnt (CIL VI S. 470 e, 23. Sept. 38; vgl. Ephem. epigr. VIII 320, 4). Als Diva wird sie genannt CIL V 7345. XI 1168. 3598. XIV 3576. Dessau Inscr. sel. 197. Eckhel VI 231. Cohen I² 248f., aber daß diese Bezeichnung offiziell gewesen sei, wird von Hirschfeld (Wien. Stud. III 267) auf Grund einer freilich noch sehr unklaren Inschrift (CIL XII 1026) bezweifelt.

Im Kult wurde schon die lebende Drusilla der Venus gleichgesetzt (Inschrift aus Magnesia 156. IG XII 2, 172, Mytilene. Dittenberger Syll.² 365, Cyzikus. Mionnet Suppl. II 245, 241, Byzanz). Mit den Beigaben der Ceres ist ihr Bild auf einer Münze aus Smyrna erhalten (Ztschr. f. Numism. XVIII 5).

Ihr Bildnis ist mit Sicherheit nur auf Münzen nachzuweisen, Bernoulli Röm. Ik. II 1, 324ff.

Literatur: Schiller Röm. Kaiserzeit I 305. Prosop. imp. Rom. II 439.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vgl. Theodor Mommsen, Die Familie des Germanicus, in: Hermes 13 (1878), S. 245–265.
  2. korrigiert: belegen.