RE:Kyros 11

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XII,1 (1924), Sp. 188190
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11) Φλάουιος Κῦρος Consul 441 (Berl. ägypt. Urk. II 609), Ägypter Joh. Lyd. de mag. II 12. III 42) aus Panopolis (Suid. s. Κῦρος. Bei Phot. cod. 279 p, 536 a 18 ist Ἀντιπολίτου wohl nur Korruptel), epischer Dichter, der sehr bewundert wurde (Joh. Lyd. a. O. Suid. a. O. Euagr. h. e. I 19), begann seine Laufbahn mit iambischen Lobgedichten auf die Beamten, namentlich den Dux Mauricius. Auch Briefe von ihm waren veröffentlicht (Phot. a. O.). Epigramme von ihm sind noch erhalten Anthol. Graec. I 99. VII [189] 557. IX 136. 623. 808. 809, XV 9. Vgl. Delehaye Revue des études Grecques IX 1896, 216. Auch die Kaiserin Eudokia, die selbst Dichterin war, schätzte seine Kunst hoch (Suid. a. O.), und durch sie erwarb er den beherrschenden Einfluß über ihren schwachen Gemahl (Suid s. Θεοδόσιος). Als Praefectus urbis Constantinopolitanae ist er zuerst am 26. Dez. 426 überliefert (Cod. Iust. II 7, 5); doch ist es nicht unwahrscheinlich, namentlich da die Subscriptio des Fragments durch keine noch erhaltene Handschrift, sondern nur durch das zweifelhafte Zeugnis Haloanders beglaubigt ist, daß hier das zwölfte Konsulat des Kaisers (426) fälschlich für das siebzehnte (439) gesetzt ist. Denn erst seit diesem Jahre häufen sich die Zeugnisse für sein Amt, und so zahlreich sie sind, weiß keines davon, daß er es zweimal bekleidet habe. Er ist als Praefectus urbis nachweisbar vom 23. März bis zum 1. Nov. 439 (Cod. Iust. I 2, 9. XI 18, 1. VIII 11, 20); vom 6. Dez. 439 bis zum 18. Aug. 441 erscheint er als Praefectus praetorio Orientis (Nov. Theod. 18. Cod. Iust. VIII 11, 21. I 14, 7. III 4, 1. VII 63, 2. Nov. Theod. 20. 7, 2. 3. Cod. Iust. II 7, 8. Nov. Theod. 5. 3. Cod. Iust. I 55, 10; und undatiert Cod. Iust. VII 62, 32. X 71, 4. XI 43, 5. 6, XII 8, 2. 21, 5); doch legte er die Stadtpraefectur nicht nieder, sondern bekleidet beide Ämter zugleich (Joh. Lyd. de mag. II 12. III 42. Chron. Pasch. a. 450. Suid. s. Θεοδόσιος. Κῦρος. Theophan. 5937. Malal. XIV p. 24 a). Daß er es nur Jahre lang tat (Malal. a. O. Chron. Pasch. a. O.), kann für beide nicht richtig sein, da in der Reichspraefectur sein Vorgänger Florentius noch am 26. Nov. 439 (Cod. Iust. IX 27, 6), sein Nachfolger Thomas schon am 25. Febr. 442 (Cod. Iust. X 32, 60) nachweisbar sind, wohl aber kann es für die Stadtpraefectur gelten. Diese kann er von 438 bis 441 bekleidet haben, da ein Vorgänger in diesem Amte nicht nach dem 3. Aug. 435 überliefert ist (Cod. Theod. XVI 5, 66). Er vollendete den Bau der Stadtmauer von Konstantinopel, namentlich den Teil derselben, der nach dem Festlande zu die Stadt von Meer zu Meer abschloß, und soll ihn in 60 Tagen fertiggestellt haben (Zonar. XIII 22 p. 42 d. Codin. III 111. Theophan. 5937). Außerdem erbaute er eine Kirche der Maria als θεοτόκος (Codin. a. O. Theophan. 6094 p. 288, 6), was einen Protest gegen die erst kurz vorher verurteilte Ketzerei des Nestorius bedeutete, und schmückte auch sonst die Stadt mit Neubauten. Er sorgte für eine Art von Straßenbeleuchtung, indem er die Ladenbesitzer veranlaßte, am Abend und in der Nacht ihre offenen Buden zu erhellen (Chron. Pasch. a. 450). Auch war er der erste Stadtpraefect, der seine Richtersprüche nicht in dem offiziellen Latein, sondern griechisch fällte (Joh. Lyd. a. O.). Er wurde zum Consul für 441 und zum Patricius ernannt (Suid. s. Κῦρος Malal. XIV 24 a. Codin. III 111). Doch schwand sein Einfluß, als Eudokia Konstantinopel verließ, um nach Jerusalem überzusiedeln (Suid. s. Κῦρος). Als das Volk ihn im Circus akklamierte: Κωνσταντῖνος ἔκτισε, Κῦρος ἀνανέωσεν• αὐτὸν ἐπὶ τόπον, Άὔγουστε, also geradezu seine Erhebung zum Kaiser verlangte, soll er geantwortet haben: Οὐκ ἀρέσκει [190] μοι τύχη πολλὰ γελῶσα (Malal. XIV 24 a. Suid. s. Θεοδόσιο. Theophan. 5937. Chron. Pasch. a. 450. Zonar. XIII 22 p. 43a. Codin. III 111). Er geriet in Verdacht, nach der Krone zu streben (Suid. a. O.; vgl. Zonar. a. O.), und zugleich meinte der Kaiser ihn, da er sich mit Philosophie beschäftigte (Malal. a. O. Vita S. Dan. Styl. 19 = Migne G. 116, 996), heidnischer Gesinnung anklagen zu dürfen. Sein Amt wurde ihm genommen und sein Vermögen konfisziert (Malal. a. O. Suid. a. O. Theophan. a. O. Chron. Pasch. a. O.). Ein Epigramm von ihm, in dem er seine Verbannung aus Konstantinopel beklagt, Anthol. Graec. IX 186. Der Kaiser zwang ihn, sich zum Bischof von Kotyaeion in Phrygien weihen zu lassen (Malal. XIV p. 24 b. Stud. s. Θεοδόσιος. Κῦρος. Keos. Vita S. Dan. Styl. 19 = Migne G. 116, 994, nicht zum Bischof von Smyrna, wie Theophan. 5937. Zonar. XIII 22 p. 43 a. Chron. Pasch. a. 450. Codin. III 111 angeben). Die Einwohner der Stadt zeichneten sich durch ihren Fanatismus aus und hatten schon vier Bischöfe umgebracht (Chron. Pasch.); da K. im Geruche des Heidentums stand, erwartete der Kaiser für ihn dasselbe Schicksal. Doch als er am Weihnachtstage sein Amt antrat, wußte er die Bevölkerung durch eine kurze, aber geschickte Rede für sich zu gewinnen (Malal. a. O. Chron. Pasch. a. O. Theophan. a. O.). Doch wurde er später durch irgend eine neue Verleumdung gezwungen, auch seinem Bistum zu entsagen. Er war Privatmann und Großgrundbesitzer, als er seine besessene Tochter Alexandria durch den Säulenheiligen Daniel heilen ließ (Vit. S. Dan. a. O.).

Er lebte noch bis in die Regierungszeit des Leo (457=474). Suid. s. Κῦρος.