RE:Phoinix 15

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XX,1 (1941), Sp. [1941 428]–[1941 431]
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15) Ort in Lykien, zuerst im 6. Jhdt. n. Chr. erwähnt, Vita Nicol. Sion. c. 37f. (Anrich Hagios Nikolaos I 31f. II 538 Index). Dort werden von Ost nach West die Häfen aufgezählt, die westlich der ὄρη Χελιδόνος als Landeplatz für Tragalassos (u. Bd. VI A S. 1893, 13f.) und Myra in Frage kommen; es sind P., Andriake, Tristomo. Danach kann dieses P. nicht das in der rhodischen Peraia (s. o. Nr. 1) sein. Es ist sicher das lykische Bistum, dessen Bischof als ὁ Φοινίκων in den Not. episc. (s. o. Nr. 1) bezeichnet wird. Andere Stellen, aus denen hervorgeht, daß P. als Hafen auch im Mittelalter eine Rolle spielte, sind zusammengestellt von Anrich a. O. und von Tomaschek S.-Ber, Akad. Wien, phil.-hist, Cl. CXXIV 8, 49f.

Anrich setzt den Ort mit Recht gleich dem Städtchen Finike (so auf der neuen türkischen Karte 1 : 800 000, bei Kiepert: Fineka), das am westlichsten Ende der Finike-Bai einige Kilometer landeinwärts liegt. Zu ihm gehören Finike Kale und Finike Iskelessi nach der See zu und an der Küste. Der Ort ist wiederholt besucht und beschrieben. Über die älteren Besuche von Beaufort 1811, Fellows 1838 und 1840, Spratt 1842 s. Ritter Asien XIX 1105f. und 1156f., wo aber Cockerell fehlt, der 1812 reiste, nicht 1814, wie oft angegeben wird (Travels in southern Europe and the Levant, 1810-1817. The journal of C. R. Cockerell, R. A. Edited by his son Samuel Pepys Cockerell, London 1903). Die ausführlichste Beschreibung der Lage und der Reste der alten Siedlung gibt Pace, der 1919 in P. war, Annuario VI/VII 1923/24 (1926). Leider ist keine Karte beigefügt; man kann daher vor allem die Beschreibung des Flußnetzes nicht sicher verfolgen, da keiner der Namen auf den Kiepertschen Karten steht. Dazu kommt, daß nach Pace die Kiepertsche Karte nicht richtig ist (S. 433), und die neue türkische Karte kann wegen ihres kleinen Maßstabes kein klares Bild der Verhältnisse vermitteln, Der Datly Su muß der Düden Su Kieperts sein, o. Bd. XIII S. 712, 8. Der Agi Su entspricht dem Arykandos, o. Bd. II S. 1497, 45, also dem Baschköz Tschai Kieperts und Yasgöz Çai der türkischen Karte. Für das Denigé Dere bleibt nur das Tal des Flusses, an dem der Ort Finike liegt. Vom alten P. sind noch Reste erkennbar. Der Turm des Kastells ruht auf den Grundmauern einer römischen oder byzantinischen Befestigung, und in der Umgegend finden sich alte Gräber. Die Bedeutung als Hafen auch für das Innere, besonders für die Stadt Elmaly, hat auch der heutige Ort bewahrt, Spratt I 145 (vgl. Ritter XIX 1108). Cuinet La Turquie d’Asie I 865 (1892). Pace 429.

Mit Φοῖνιξ ὁ ποταμὸς καὶ πόλις ὁμώνυμος zwischen Myra und Phaselis bei Constant. Porph. de them. 1 14 (III. Bd. S. 37 ed. Bonn.) ist sicher unser P. und sein Fluß (heute wohl das Denigé Dere, s. o.) gemeint. Auch der ποταμὸς Φοῖνιξ bei [429] Steph. Byz. s. Φοινίκη, der ohne jede Ortsangabe genannt ist, könnte hierher gehören. Die Angabe bei Constant. Porph. wird gewöhnlich auf den Fluß Ulubunar bezogen, der bei Olympos an der Ostküste Lykiens mündet, Reisen im südwestl. Kleinasien II 146, 1. Pape-Benseler. Der alte Name des Ulubunar ist nirgends einwandfrei überliefert. Wenn er im Anonym. stad. m. m. 228 vorkommen sollte (s. Art. Phoinikus Nr. 4), so hätte er Phoinikus gelautet, nicht Phoinix.

Das Φοίνικος ἕδος bei Quint. Smyrn. VIII 106 wird in den Reisen im südwestl. Kleinasien. II 145 mit dem Phoinikus bei der Stadt Olympos (s. o.) gleichgesetzt. Vielleicht ist es richtiger, auch hier an unser P. zu denken, das auch in der Namensform genau übereinstimmt. Wie Massikytos und Chimaira bei Quintus Sm. die West-und die Ostgrenze des Reiches des Chlemos bilden, so gibt Φοίνικος ἕδος die im Süden an. Im Norden war keine Angabe nötig, weil da die beiden Bergzüge aneinanderstoßen. So würde ungefähr [430] das Arykandosgebiet als Reich des Chlemos bezeichnet, der nach v. 103 ja auch ναιετάασκε παρὰ προχοῆς Λιμυροῖο; und dieser fließt ganz nahe bei P.

Die folgende Liste gibt eine Übersicht über die Inschriften, als deren Herkunftsort Finike angegeben wird oder worden ist. Dieses Finike ist nicht, wie ich im Art. Olympos Nr. 21 o. Bd. XVIII S. 315, 43 angegeben habe, dasjenige, das zwischen Aktasch (Gagai) und Olympos liegt. Denn Cockerell, der die meisten Inschriften von Finike abgeschrieben hat, ist auf der Fahrt von Myra nur nach dem im westlichen Winkel der Finike-Bai liegenden Ort Finike gekommen und von dort mit dem Schiff direkt nach Port Genovese an der Ostküste Lykiens, südlich von der Stadt Olympos, gefahren, Cockerell Travels 168f., hat also das östliche Finike gar nicht berührt. Außerdem liegt dieses nicht an der Küste, sondern ungefähr 6 km landeinwärts und hat keinerlei Spuren einer alten Besiedlung.

nr. cl.J.
[1]
Cockerell-
W.[2]
Cockerell
[3]
CIG
[4]
Le Bas
[5]
RSWKIA II

[6]
Annuario
VI/VII
[7]
Bull. hell.
XVI
[8]
01 133 S. 73 Nr. 156 S. 432 nr. 127
02 S. 537 II {134) 4304 1340 S. 142, 2
03 135a
04 135b
05 136 4329 S. 142, 2
06 137b
07 138
08 139 S. 217 nr. 21
09 S. 584 L (140.141a) 4305 1346
10 539 IV (141b) 4310 1339
11 524 1 4306 S. 65f.nr. 124
=TAM I nr. 117
12 S. 557 4308
13 S. 558 4309
14 S. 559 4307
15 S. 432 nr. 128
=SEG VI nr. 772

Die Stelle, an der das Grab mit der Inschr. 1 steht, liegt ungefähr 6 km nördlich vom Ort Finike. Der Sarkophag mit der Bilinguis nr. 11 wird allgemeine zu Limyra gerechnet; wenn er auch von allen limyreischen Gräbern am weitesten nach Westen liegt, so steht er doch noch östlich [431] des Arykandos. Inschr. nr. 2 und 5 gehören nach Yanar. Gegen die bestimmten Angaben, besonders in den RSWKIA, läßt sich die von Cockerell nicht halten. Nun wäre es ja immerhin denkbar, daß die beiden Steine als Ballast von Finike nach Olympos gekommen wären (über solche ,pierres errantes‘ hat L. Robert wiederholt geschrieben, z. B. Rev. de phil. III 1929, 131, vgl. die Zusammenstellung bei L. Robert Bibliographie et index 61), aber warum sollten sie dann noch nach Yanar geschafft worden sein? Inschr. 8 —10 gehören sicher nach Olympos.

Somit ergibt sich, daß von den Inschriften, deren Fundort noch festgestellt werden kann, keine einzige mit Sicherheit der alten Siedlung bei Finike zuzuweisen ist. Höchstens bei nr. 1 (vialeicht auch bei nr. 15) bestände eine Möglichkeit, da zwischen ihr und Limyra das Arykandostal sich hinzieht. Es zeigt sich also, daß die Lageangaben von Cockerell nicht zuverlässig sind, Zweifel hat ja schon Gardner Journ. hell. stud. VI 134 zu nr. 138 geäußert. Cockerell hat offenbar für alle Inschriften, die er auf Vorstößen von Finike aus gefunden hat, diese Siedlung als Fundort eingetragen. Außerdem hat er aber in seinen Notizen die von Finike aus und die in Olympos abgeschriebenen Inschriften offenbar nicht richtig auseinandergehalten. Daher kann man auch die Fundortsangaben zu Inschr.3. 4. 6. 7 nicht ohne Vorbehalt gelten lassen, für 6 und 7 könnte man an Phaselis und Olympos denken, s. Gardner a. O. Auch bei den Sarkophaginschriften nr. 12-14 könnte Zugehörigkeit zu Limyra in Frage kommen, da in nr. 14 die Geldstrafe für Verletzung des Grabes [τῷ] δήμ[ῳ] τῷ Λιμ[υρέων] bestimmt ist. Aber vielleicht hat das Gebiet von Limyra das heutige Finike mit eingeschlossen. Man weiß auch nicht, wo der ,hill at Fenica‘ liegt, auf dem die Sarkophage stehen. So ist das Endergebnis, daß überhaupt keine einzige Inschrift bekannt ist, die ganz sicher nach Finike gehört.

Die Angabe bei Cuinet La Turquie d’Asie I 865, daß sich in den Ruinen der alten Stadt bei Finike zwischen lykischen Gräbern eine phoinikische Inschrift ,d’époque reculée‘ befindet, ist offenbar eine Verwechslung mit der aramäischen Grabschrift in Limyra, s. o. Bd. XIII S. 710, 64.

  1. Erläuterungen zur Liste: Cl. J. = Classical Journal I (1810), 557 f., ohne Angabe, wer die Inschriften abgeschrieben und wer sie veröffentlicht hat. Fundort: ‚found on a sarcophagus on a hill at Fenica, on the coast of Caramania‘.
  2. Cockerell-W. = Robert Walpolte Travels in various countries of the east, London 1820, 524. 537f. 584. Darin sind vier Inschriften abgedruckt, die Cockerell abgeschrieben hat. Fundort: ‚near the town of Phineka on the border of the plain‘ (nr. 11); ‚at P. on the coast of Lycia‘ (nr. 2. 9. 10).
  3. Cockerell = Journ. hell. stud. VI (1885) 341. 360f. nr. 133–141 b, herausgegeben von Gardner. Fundort: ‚Finica‘. Die eingeklammerten Nummern sind nicht abgedruckt. Nr. 137 a scheidet aus, da sie nach Notizen Cockerells, die Leake vorgelegen haben, in Limyra gefunden worden ist, CIG nr. 4311.
  4. CIG. Fundort: ‚In Phineka, loco Lyciae, cui olim Limyra vicina fuerunt‘ (nr. 4304), ‚in loco P prope Limyra‘ (nr. 4305. 4306); ‚in colle ad P.‘ (nr. 4307–4309); ‚prope P.‘ (Limyra) (nr. 4310; nr. 4305 und 4310 gehören zu demselben Monument); ‚in portu Kakava prope Olympum inter Chelidonia et Phaselidem‘ (nr. 4329), das muß ein anderer Ort sein als ‚Kakava on the shore opposite Dolichiste‘ bei Cockerell–W. 524, das heutige Kekova. Diese Angaben sind aber p. 1144f. für einige Inschriften geändert in ‚ad vicum Yenan prope Deliktasch‘ (Olympos) (nr. 4304) oder ‚inter parietinas Olympi‘ (nr. 4305. 4310).
  5. Le Bas gibt als Fundort Deliktasch (nr. 1339. 1346) und Yanar (nr. 1340) an.
  6. RSWKIA = Reisen im südwestlichen Kleinasien wird ausdrücklich gesagt, daß die Inschr. 2 und 5 in Yanar liegen.
  7. Annuario VI/VII 432 gibt Maiuri an, daß er Inschr. nr. 1 im Denigré Dere (Fluß von Finike, s. o.) revidiert hat; nr. 15 stammt aus Cumlugi, 2 Stunden von Finike (ohne Angabe der Himmelsrichtung!).
  8. Nach Bull. hell. XVI befindet sich Inschr. nr. 8 in Olympos.