RE:Sophonias

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III A,1 (1927), Sp. 1099
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Sophonias, Mönch, wahrscheinlich zu Ende des 13. und zu Anfang des 14. Jhdts., Aristoteleserklärer. Als solcher bildete er eine eigenartige, zwischen Kommentar und Paraphrase die Mitte haltende Methode aus, über die er selbst im Eingange seiner Schrift zu Arist. de anima berichtet. Ihre Eigentümlichkeit besteht darin, daß der aristotelische Text nicht – wie in den Kommentaren – in einzelne durch Erörterungen des Kommentators getrennte Lemmata zerspalten wird, andererseits – abweichend von den Paraphrasen – der aristotelische Wortlaut in gewissem Maße beibehalten, aber mit Erklärung in der Weise verschmolzen wird, daß ein einheitlicher Kontext entsteht, in welchem nur Aristoteles, nicht zu einem Teile der Erklärer, das Wort führt. Erhalten sind solche Exegesen unter S.s Namen zu de anima (ed. M. Hayduck, Comm. in Arist. Gr. XXIII 1) und den Parva naturalia (ed. P. Wendland, Comm. in Arist. Gr. V 6). Hinsichtlich der Exegese der Parva naturalia hat eine schlechtere Hss.-Klasse, die Themistios als Verfasser nennt, Verwirrung gestiftet, der Wendland in seiner Ausgabe durch die Sichtung der Überlieferung und den Nachweis, daß der Verfasser den Byzantiner Michael von Ephesos benutzt und die von S. erfundene Interpretationsweise anwendet, ein Ende bereitete. Auf Grund solcher Übereinstimmung sind auch eine unter Themistios’ Namen überlieferte ‚Paraphrase‘ zum 1. Buche der Ersten Analytika (ed. M. Wallies, Comm. in Arist. Gr. XXIII 3) und analoge anonyme Werke zu den Kategorien (ed. M. Hayduck, Comm. in Arist. Gr. XXIII 2) und zu den Σοφιστικοὶ ἔλεγχοι (ed. M. Hayduck, Comm. in Arist. Gr. XXIII 4) von den Herausgebern unter dem Beifalle Wendlands (a. a. O. praef. X not. 3) mit höchster Wahrscheinlichkeit für S. in Anspruch genommen worden. Für das Kategorienwerk kommt vereinzelte hsl. Überlieferung der Zuweisung zu Hilfe.

In seiner Erklärung hält sich S. großenteils eng an antike Kommentatoren – Alexander von Aphrodisias, Iamblichos, Philoponos, Simplikios – und seinen byzantinischen Vorgänger Michael. Wertvoll ist er mehrfach für die aristotelische Texteskritik (vgl. Hayduck Praef. zu de anima Vf. Wendland Praef. V). Das Hauptinteresse aber liegt in seiner Methode. Der Verfasser einer Geschichte der Kommentartechnik, die notwendig einmal geschrieben werden muß, hat auch diese Methode in ihrer Durchführung zu untersuchen und wird es der Leitung des akademischen Kommentarunternehmens Dank wissen, daß sie den Nachlaß des S. in ihre Sammlung aufgenommen hat.

Literatur. Für die Behandlung der Themistios-S.-Frage legte den Grund Val. Rose Über eine angebliche Paraphrase des Themistius, Hermes II (1867) 191–213. Weiter bauten mit reicherem Material die oben genannten Herausgeber in ihren Vorworten. Vgl. auch Krumbacher Gesch. d. byz. Lit.² 430f.