RE:Timotheos 18

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI A,2 (1937), Sp. [VI_A,2 1339]–[VI_A,2 1341]
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18) T. von Gaze lebte unter Kaiser Anastasios (491-516), vgl. Suid. s. Τιμόθεος Γαζαῖος γραμματικός, γενονὼς ἐπὶ Ἀναστασίου βασιλέως• εἰς ὃν καὶ τραγῳδίαν ἐποίησε περὶ τοῦ δημοσίου τοῦ καλουμένου χρυσαργύρου. ἔγραψε δὲ καὶ ἐπικῶς περὶ ζῴων τετραπόδων θηρίων τῶν παρ’ Ἰνδοῖς καὶ Ἄραψι καὶ Αἰγυπτίοις καὶ ὅσα τρέφει Λιβύη• καὶ περὶ ὀρνέων ξένων τε καὶ ἀλλοκότων καὶ ὄφεων βιβλία δ’. T. ist ferner bezeugt in einem Scholion zur Ἔκφρασις τοῦ κοςμικοῦ πίνακος des Ioannes von Gaza, wo unter den ἐλλόγιμοι der πόλις φιλόμουσος Gaza (s. Art. Gaza o. Bd. VII S. 880ff., vgl. Seitz Die Schule von Gaza, Diss. Heidelb. 1892), auch Τιμόθεος ὁ γράψας περὶ ζῴων Ἰνδικῶν genannt ist (vgl. Jacobs Anth. Pal. III 814). Weiterhin nennt ihn Tzetzes Chil. IV 166 unter den Schriftstellern, die nach Ailian und Oppian über Tierkunde geschrieben haben: Καὶ σύν αὐτοῖς Τιμόθεος γραμματικὸς Γαζαῖος, Ἀναστασίῳ βασιλεῖ σύνδρομος ὢν ἐν χρόνοις, vgl. Georgios Kedrenos I p. 627 Bekker.

[1340] Die von Suidas genannte τραγῳδία περὶ τοῦ δημοσίου τοῦ καλουμένου χρυσαργύρου war wahrscheinlich keine Tragödie, sondern eine Rede über die Gewerbesteuer (s. Art. Collatio lustralis o. Bd. IV S. 370ff.). Von den vier Büchern über Tiere sind nur Auszüge erhalten, die jedoch von der nach der Bemerkung des Suidas (ἔγραψε καὶ ἐπικῶς zu vermutenden dichterischen Form keine Spur zeigen und wahrscheinlich auch ursprünglich nicht in Versen abgefaßt waren, vgl. Usener GGA 1892, 1018ff. Diels im Supplementum Aristotelicum I 1 praef. XIII. Die umfangreichsten Exzerpte sind im konstantinischen Tierbuch erhalten und der Epitome historiae animalium des Aristophanes von Byzanz (s. o. [[Diels|Bd. II S. 1004]]) eingefügt, die Lambros Supplem. Aristot. I 1 nach einem Codes Athous herausgegeben hat. (Über die Hss. vgl. Abh. Akad. Berl. 1906, 107). In diese Ausgabe sind auch die von Mor. Haupt Herm. III (1868) 5ff. (= Haupt Opuscula III 279ff.) nach einer Augsburger Hs. der Münchener Staatsbibliothek (Cod. Monac. 514; saec. XIVf. 239) herausgegebenen, meistens viel dürftigeren Exzerpte als Anmerkungen aufgenommen, soweit es sich um Tiere handelt, die in beiden Hss. besprochen sind. Die von Chr. Friedr. Matthaei edierten Exzerpte (Ποικίλα Ἑλληνικά, Moskau 1811, Erster Teil S. 1—90: Περὶ ζῴων τινῶν ἰδιότητος) sind mit den Exzerpten Haupts identisch, also nicht mit Matthaei einem ,Anonymus des 11. Jahrhunderts unter Kaiser Konstantin Monomachos (1042)‘ (so noch Krumbacher Gesch. d. Byzant. Lit. 455 und 68), sondern dem T. zuzuschreiben. Keller Tiere des klass. Altertums 132 nennt zwar richtig den T. als Verfasser dieser Exzerpte, bezeichnet ihn jedoch irrtümlich als einen byzantinischen Zoologen des 11. Jhdts. Einen kleinen Teil der Exzerpte hat J. A. Cramer Anecdot. Oxon. IV 263 nach dem Oxforder Cod. Baroccianus 50; saec. XIf. 46 herausgegeben, einen noch kleineren Herrn. Graff Bull. Akad. St. Petersbourg 1864, 7, 21ff. nach dem Cod. Paris. 2422 (saec. XVI); diesen letzteren Teil hat Haupt den von ihm edierten Exzerpten als Anhang beigefügt.

Die Exzerpte bieten in bunter, wahlloser Folge allerlei Notizen über Tiere, deren Wert sehr unterschiedlich ist je nach den Quellen, auf die sie zurückgehen. Die Tiere, über die gesprochen wird, sind in den Sammlungen, die die verschiedenen Hss. bieten, in der Hauptsache die gleichen, doch fehlen im codex Athous, dessen Notizen zwar meistens reichhaltiger sind, 14 Tiere, über welche der codex Augustanus Bemerkungen bringt. Das Urteil von Lambros praef. XII, der den Inhalt des codex Augustanus als ,miserrima frustula` bezeichnet, ist also nicht berechtigt, da der codex Athous gegenüber 14 fehlenden Tieren nur 3 Tiere (ἄρκτος, ἔλαφος und ἱππέλαφος) aufweist, die im cod. Augustanus nicht besprochen sind. Belege für die wohl nur aus dritter und vierter Hand benützten Autoren haben Lambros und Haupt dem kritischen Apparat ihrer Texte beigefügt. Ein großer Teil entfällt auf Oppian. Daß die Kynegetika nicht direkt benützt sind, zeigt die von Bussler Jahrb, 1. Philol. 139 [1889] 123ff. durchgeführte Vergleichung, doch scheint es fraglich, [1341] ob Busslers Meinung, daß beide Autoren eine gemeinsame Quelle benutzten, berechtigt ist. Ferner erscheinen Notizen, die bei Aristoteles, Plinius, Ailian, Plutarch, Galen u. a. (vgl. den Index auctorum bei Lambros 266ff.) Parallelen haben.

Wenn man diese Exzerpte auch nicht gerade ein ‚Wunderbuch‘ nennen kann (so sind sie bei Christ-Schmid-Stählin II 788 bezeichnet), da sie vielfach auch nüchterne zoologische Tatsachen bieten und nicht nur, wie nach der Notiz des Suidas zu erwarten wäre, von exotischen Tieren, sondern auch von europäischen, ja selbst von Haustieren handeln, so zeigen sie doch das für den Niedergang und die Popularisierung der Tierkunde wie der Naturwissenschaften überhaupt schon seit der Alexandrinerzeit kennzeichnende Streben, möglichst viele seltsame, auffallende und wunderbare Erscheinungen aus dem Tierleben zu sammeln. Den Namen ‚Zoologe‘ verdient T. gewiß nicht, sondern die völlig kritiklose Sammlung ist nur als Zeitdokument zu werten, das neben vielen anderen beweist, wie weit die Betrachtung der Tierwelt von Natürlichkeit und Wissenschaftlichkeit entfernt und wie tief sie in Wunderglauben und Kuriositätensucht versunken war.

Einen grammatischen Traktat des T. Τιμοθεου Γάζης κανόνες καθολικοὶ περὶ συντάξεως hat Cramer Anecdot. Ozon. IV 239 herausgegeben.