Raffael stellt sich als Schüler bei Perugino vor

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Titel: Raffael stellt sich als Schüler bei Perugino vor
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aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 819-820
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[805]
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Raffael stellt sich als Schüler bei Perugino vor.
Nach einer Statuette von G. Mühlenbeck.

[819] Raffael stellt sich als Schüler bei Perugino vor. (Zu dem Bilde S. 805) Die reizende Statuette G. Mühlenbecks stellt den jugendlichen Raffael dar, wie er mit bescheidenem Gruße, die Augen verehrungsvoll zum Meister emporgewandt, die Schwelle von Peruginos [820] Werkstatt überschreitet. Keine Kunde ist uns über den Zeitpunkt dieses Ereignisses erhalten, wie so über Raffaels frühe Jugend überhaupt wenig bekannt ist. Wir wissen von seinem Vater, Giovanni Santi nur, daß er ein begabter und in seiner Heimat Urbino hochangesehener Maler war und schon vor Raffaels zwölftem Lebensjahre starb. Wir wissen nichts über die Mutter Magia, die am Karfreitag den 28. März 1483 das größte malerische Genie aller Zeiten gebar und dann in dem stillen umbrischen Bergstädtchen eintönige Tage hinspann bis zu ihrem frühen Tode 1491. Die Herrscherfamilie von Urbino, deren Haupt der glänzende, pracht- und kunstliebende Herzog Federigo war, hatte wohl der kleinen Residenz durch einen schönen Schloßbau mit kunstreichen Freskogemälden Ruf und Ansehen verschafft, an denen auch Giovanni Santi, der nach mannigfachen anderen Erwerbszweigen sich erst spät der Kunst zuwandte, beschäftigt war. So wiesen Raffaels erste Jugendeindrücke die schöne Kultur der Renaissance, die Verehrung gegen das edle Herrscherhaus, schon nach der Richtung, die seine ganze spätere Laufbahn bezeichnete, aber es ist kaum deutbar, daß er eigentlichen künstlerischen Unterricht schon vom Vater sollte erhalten haben. Basari erzählt, daß ihn dieser selbst schon im zarten Alter gegen Wunsch und Willen der Mutter zu Perugino gebracht habe, nach neueren Forschungen entspricht aber diese Ueberlieferung nicht den Thatsachen, wie so manche andere, von Basari im guten Glauben übernommene. Als der Vater tot war, wandte sich der junge Raffael auf Rat von Vormund und Freunden zu dem berühmten Pietro Vannucci, genannt Perugino, nach Bergamo, doch kann dies, wie aus äußeren Umständen bewiesen ist, nicht vor seinem 17. Jahre gewesen sein. Wer ihn in der Zwischenzeit unterrichtet hat, ist unbekannt, jedenfalls hatte sich das Talent des Wunderknaben schon so machtvoll entfaltet, daß die Lehrzeit des Jünglings bei Perugino 1491 bis 1504 für den alternden Künstler selbst einen ganz neuen Aufschwung zur Kraft und Frische bedeutet, während anderseits der Schüler von dessen Malweise einen großen, für seine Jugendwerke durchaus bestimmenden Einfluß erfuhr. Sicherlich verdient deshalb die erste Begegnung der beiden im Kunstwerk dargestellt zu werden, selbst wenn der Künstler, wie hier geschehen, der anmutigen Ueberlieferung des Basari den Vorzug vor der nüchternen historischen Wirklichkeit giebt!