Reifstein

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Autor: Arnold Hermann Ludwig Heeren
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Titel: Erzählung
Untertitel:
aus: Wünschelruthe - Ein Zeitblatt. Nr. 19, S. 75-76; Nr. 20, S. 77-78; Nr. 21, S.81-82; Nr. 22, S. 88; Nr. 24, S. 94-95
Herausgeber: Heinrich Straube und Johann Peter von Hornthal
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht
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Erscheinungsort: Göttingen
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Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: lebensbeschreibung von w:Johann Friedrich Reiffenstein
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[75]
Reifstein.
Mitgetheilt von Herrn Hofrath Heeren.




Reifstein war geboren zu Ragnit im Preußischen Litthauen, den 22. Nov. 1719; sein Vater war daselbst Rathsverwandter und Apotheker. Seine Aeltern müssen früh gestorben seyn und ihn in dürftigen Umständen zurück gelassen haben; denn er kam auf das Löbenichtsche Pauperhaus in Königsberg und wurde in der Schule dieser milden Stiftung unterrichtet; von hier aus entließ man ihn 1735 auf die Königsbergische Universität. Hier studirte er die Rechte, legte sich aber zugleich auf die schönen Wissenschaften und wurde 1741 ein Mitglied der eben vom Professor Slottwell errichteten deutschen Gesellschaft. Dieß gab die Veranlassung, daß er dem Professor Gottsched bekannt wurde, als dieser sein Vaterland Preußen auf einer Reise besuchte. Außerdem übte er sich auch im Zeichnen und Mahlen; es ist Schade, daß wir von den Umständen, unter welchen er zuerst mit den bildenden Künsten bekannt wurde, nichts näheres sagen können, aber selbst seine ältesten Bekannten wissen nicht mehr davon.

Nach einem siebenjährigen Aufenthalte auf der Universität ging er mit einem jungen Edelmann 1744 nach Berlin; da sein Zögling häuslicher Umstände wegen nach Danzig zurückkehren mußte, blieb Reifstein Ein Jahr in Berlin, bis er 1745 auf Gottscheds Empfehlung als Pagenhofmeister nach Cassel ging. Hier erhielt er den Titel als Rath und die Anwartschaft auf die Bibliothekariatsstelle, welche damahls der Rath Arkenholz bekleidete. Im Jahre 1758 ging er der damahligen Kriegsunruhen wegen mit dem Casselschen Hofe nach Bremen; aber seine Stelle wurde ihm nun immer beschwerlicher und da er bloß mit der Versicherung [76] einer bessern Versorgung hingehalten wurde, ging er mit einem Grafen Lynar als Führer auf Reisen und besuchte in den Jahren 1760 bis 62 Frankreich, die Schweitz und Italien. In Rom wurde Winkelmann ihr Führer; Reifstein, der schon als ein Mann von gebildetem Geschmacke, als ein entschiedener Liebhaber der schönen Künste und selbst als ein geschickter Zeichner nach Rom kam, erwarb sich leicht Winkelmanns Achtung und Freundschaft, und wurde von dem den dortigen Merkwürdigkeiten und für das Alterthum ganz lebenden Winkelmann bald so gefesselt, daß er den Entschluß faßte, in Rom zu bleiben, selbst ohne vorher nach Deutschland zurückzukehren. Er begleitete den Grafen noch bis Florenz, wo er die Genehmigung seines Entschlusses von dem Vater desselben erhielt, und kehrte nun sogleich nach Rom zurück, das von jetzt an sein beständiger Wohnort wurde.

[77] In Rom widmete er sich nun ganz dem Studium der Antiquität und der schönen Künste und lebte im vertrauten Umgange mit Winkelmann, der seiner auch als eines Freundes, [78] als eines biedern, kunsterfahrnen Mannes, und seines Mitforschers in den Römischen und Herkulanischen Alterthümern mehrmahls in seinen Briefen erwähnt. Im Jahr 1768 lernte ihn der berühmte Mahler und Director der Mahlerakademie Hackert in Rom kennen; er war damahls über die vor kurzem geschehene Ermordung seines Freudes Winkelmann zu Triest noch sehr betrübt, befand sich aber übrigens in leidlichen Umständen. Es war ihm von Cassel aus Unterstützung in Rom versprochen worden, um sich dort zu der Stelle eines Bibliothekars und Antiquars für Cassel zu bilden, mit der Versicherung, dereinst Arkenholzens Nachfolger zu werden; aber Reifstein mußte sich mit dem Titel als Hessischer Rath begnügen, und erhielt auf die Briefe, worin er um die versprochene Unterstützung bat, keine Antworten mehr. 1769 machte er viele Bekanntschaften mit vornehmen Fremden in Rom, die er als Antiquar zu den dortigen Alterthümern begleitete; unter andern lernte er so auch den Russischen General Ivan Schouvalof kennen, der sein großer Gönner wurde und ihm bald darauf auch eine kleine Pension von 100 Zechinen von der Petersburgischen Mahlerakademie verschaffte, um über die jungen Pensionärs, welche die Akademie nach Rom zum Studiren schickte, dort die Aufsicht zu führen. Da in eben diesem Jahre Kayser Joseph II. in Rom war, so bekam Reifstein wieder Bekanntschaften in Wien, wodurch sein Einkommen und seine ökonomische Lage nicht wenig gewann. Rath Arkenholz verließ nun seinen Posten in Cassel, und Reifstein erhielt daher einen Ruf dahin, aber mit der Bedingung, daß die Stelle getheilt, und er nur als Antiquar sollte angestellt werden, indem ein anderer als Bibliothekar angestellt sey, und daß folglich der Gehalt von 800 Rthlr. getheilt werden müsse. Unter diesen Umständen dankte er für dies Anerbieten, weil er es nicht für möglich hielt, mit dem angebotenen Gehalt in Cassel zu leben; er wollte lieber in Rom bleiben, wo er zwar damahls noch nicht so viel gewisses hatte, sich aber doch im Grunde sehr wohl befand.

Die vielen Bekanntschaften, die er nach und nach mit reichen und vornehmen Fremden aller Länder gemacht hatte, zogen ihm eine Menge Commissionen, Kunstsachen betreffend, und eine damit verbundene weitläuftige Correspondenz zu, so daß er die letzten 18 Jahre hindurch überaus beschäftigt war. Sein gerader, edler Character erwarb ihm viele Freunde, unter denen wohl keiner mehr reelles zu seiner Zufriedenheit beygetragen hat, als der Baron von Grimm, der ihn der Kaiserinn von Rußland und dem Herzog von Gotha so wirksam empfahl, daß er von beyden Höfen zum Hofrathe ernannt wurde, und auch Pensionen erhielt. Er hätte nun gemächlicher leben können; aber seine Dienstfertigkeit ließ ihn dazu nicht kommen, und das Bestreben, theils Fremden ihren Aufenthalt in Rom angenehm und nützlich zu machen, theils die studierenden Künstler anzuleiten, erhielt ihn außer seinen Commissionsgeschäften in beständiger Thätigkeit. Seitdem er die Pension von der Russischen Kayserinn bekam, führte er außer den deutschen, Rom besuchenden Fürsten, keine andere Fremde mehr in Rom, als Russen, und zwar ohne dafür von ihnen die geringste Erkenntlichkeit anzunehmen. So oft ihm auch seine Freunde darüber Vorwürfe machten und ihm vorstellten, daß dieß gewiß zugleich gegen die Absichten und Erwartungen der Russischen Monarchin sey, so fest blieb der dankbare und genügsame Philosoph bey seinem Entschluß. Als der Landgraf von Hessencassel in Rom war, wünschte dieser gegen Reifstein, daß er doch wieder in seinen Dienst nach Cassel zurückkehren möchte; aber Reifstein dankte für dies schmeichelhafte Anerbiethen. Der Markgraf von Anspach-Bayreuth, dessen Begleiter er in Rom und Neapel war, beschenkte ihn reichlich und gab ihm zugleich das Diplom als Geheimer Legations-Rath. Er war 1782 der Cicerone des Großfürsten von Rußland bey dessen Besuch in Rom, und wurde von ihm mit einer kostbaren Dose und 1000 Ducaten beschenkt. Dieß sey genug, um zu zeigen, wie allgemein geschätzt und geehrt er von den vornehmsten Reisenden war, und wie desto rühmlicher es für ihn ist, daß ihn alle diese Gunstbezeugungen nicht seiner einfachen, bescheidenen Denkungsart und Lebensweise untreu machten.

[81] Viele Künstler, die jetzt in ganz Europa zerstreut sind, werden sich noch oft dankbar seiner erinnern, und die väterliche, uninteressirte, ja oft mit Aufopferung verbundene Verwendung rühmen, die sie unter einem fremden Himmel von diesem Freunde der Menschen und der Kunst erfuhren. Unter andern hat sich Seidelmann in Dresden, der durch seine vortrefflichen Zeichnungen nach Gemählden großer Meister und alten Statuen so berühmt geworden ist, vorzüglich durch Reifsteins Aufmunterung gebildet. Seidelmann brachte ihm eines Tages einige Zeichnungen, die er gemacht hatte, als er unter dem Ritter Mengs studirte; Reifstein fand Gefallen an diesen Arbeiten, und verschafte ihm sogleich Arbeit für deutsche Liebhaber nach alten Statuen und Büsten; auch gab ihm Reifstein, der sich immer mit chymischen Versuchen und Mischungen beschäftigte, Anleitung, das Materielle seiner Zeichnungen zu vervollkommnen[1].

Neben seinem theoretischen Studium der Kunst hatte er sich auch selbst mit dem Praktischen, und das nicht unglücklich, beschäftigt. Er mahlte sehr artig, und besser, als gewöhnliche Liebhaber, in Pastell; auch in Oehl und auf enkaustische Art; ja er modellirte sogar mit Glück in Wachs und Thon. Er selbst sagte immer nur, daß er mit den Künsten spiele. Diese eignen Versuche in der Ausübung der zeichnenden Künste hoben ihn natürlich als gelehrten Kenner und Beurtheiler derselben weit über die mehresten, die sich [82] als gelehrte Forscher an das Studium und die Kritik der alten Kunstwerke wagen. Man kann darüber keine glaubwürdigere Nachricht ertheilen, als das Urtheil des competentesten Richters in dieser Sache, des berühmten Directors Hackert in Neapel.

Reifstein hatte, sagt er, in allem einen sehr gebildeten und sichern Geschmack, eine genaue Kenntniß der Zeichnung nach dem Stil der Griechen, den er in Rom und Florenz an den antiken Statuen und Basreliefs sorgfältig studirt hatte; er urtheilte sowohl in der Bildhauerey, als Mahlerey sehr richtig über Zeichnung und Stil; aber auch für das Colorit hatte er ein sehr sicheres Auge, und beurtheilte mit eben der Richtigkeit Gemählde von allen Gattungen. Da er an alles selbst Hand angelegt hatte; da er sogar Landschaften mit Wasserfarben gemahlt und vieles nach der Natur gezeichnet hatte: so kannte er die Schwierigkeiten der Kunst, und hatte davon mehrere Kenntniß, als gemeiniglich die gelehrten Kunstkenner und Beurtheiler besitzen. Auch in der Architektur hatte er einen sehr feinen Geschmack sowohl in Absicht auf Stil als auch in Rücksicht auf Schönheit und Verzierung; er urtheilte hierin mit Strenge und Richtigkeit, und ließ keine Verzierung gelten, von deren Daseyn man nicht eine befriedigende Ursache angeben konnte. Er hatte auch hierin sein Auge nach den antiken Monumenten der Baukunst gebildet, und urtheilte daher sehr richtig, ob er gleich diese Kunst nicht gehörig erlernt hatte. - Auch in den geschnittenen Steinen war seine Kenntniß sehr groß etc. Vielleicht sind in Rom Leute, die eine größere Kenntniß der Antiquitäten haben; aber schwerlich verbindet ein anderer so viele Kunstkenntniß und Geschmack damit, als Reifstein.“

[88] Merkwürdig ist Reifstein besonders noch durch seine Wiedererfindnng der alten Glaskunst, und durch seine Bemühung, die wiederaufgefundenen kaustische Mahlerey zu vervollkommnen und zu verbreiten; beyde Umstände sind zu wichtig, als daß sie nicht hier eine bestimmtere Erwähnung verdienten.

Unter seinen mancherley chemischen Versuchen, die bildenden Künste betreffend, gelang es ihm, die verlohren gegangene Kunst wiederzufinden, das Glas so hart zu machen, daß es sich wie ein Diamant behandeln und schleifen läßt. Zwar hatte schon vorher der Baron Stosch weiße Pasten von den Intaglio’s gemacht; Reifstein aber beförderte durch seine Versuche die Entdeckung, Gemmen und Cameen, eben so wie die Alten, in Glaspasten von verschiedenen Farben zu liefern. Diese Erfindung, die nachher in England durch die Wedgwoodische und besonders durch die Tassiesche Fabrik so sehr zur Verbreitung der Liebhaberei am Gemmenstudium genutzt worden ist, hat man also gröstentheils ihm zu verdanken. Winkelmann giebt ihn hierüber bey Gelegenheit, wo er von der Glaskunst der Alten spricht, ein sehr rühmliches Zeugniß[2]. Der Wunsch, sagt er, daß besagte eben so schöne, als nützliche Glaskunst wieder aufleben möchte, hat einen Liebhaber von Versuchen zur Aufnahme der Künste, den Rath Reifstein aus Preussen, welcher jetzt in Rom lebt, gereitzt, selbst Hand anzulegen. Es ist demselben gelungen, verschiedene Gattungen der erwähnten Künste, sonderlich hoch geschnittene Steine in Glas, in zwey oder mehr Farben, dergestalt nachzumachen, daß man sich nicht entsehen würde, dieselbe als wirkliche Steine am Finger zu tragen. Er hat seine Versuche bereits bis zu Cameen von einer halben Palme getrieben, und da diese Arbeit aller Kenner Beyfall erhalten hat, er auch kürzlich durch den durchlauchtigsten Fürsten von Anhalt Dessau, welcher die Bewunderung der Länder, die er durchreißt, geworden, großmüthig unterstützt ist: so fährt er fort, größere Versuche nach besonders dazu verfertigten Modellen von Cameen in der Größe eines Palms zu liefern und wird sich nachher an Gefäße selbst wagen. Auf dem bisher eingeschlagenen Wege haben sich bereits manche Erscheinungen von Arten, die den Alten unbekannt gewesen zu seyn scheinen, geäußert, unter welchen eine der ersten diese war, Cameen zwischen zwey Gläser einzuschmelzen und die schönsten Stücke, die auf erhobenen oder hohlgeschnittenen Steinen befindlich sind, wie die Insecten im durchsichtigen Bernsteine erscheinen zu lassen, wo sie vor aller fernern Zestörung und Beschädigung gewissermaßen gesichert sind und Jahrhunderte hindurch im Wasser und in der Erde fortdauern können[3].

[94] Eben so wichtig für die Geschichte und Praxis der Kunst ist sein Bestreben geworden, die Enkaustik der Alten wieder herzustellen und zu verbreiten. Graf Caylus lenkte bekanntlich bey seinen mannichfaltigen eifrigen Bemühungen um die Kunst die Aufmerksamkeit der neuern Forscher und Künstler zuerst wieder auf diese Verfahrungsart der Alten, deren Plinius und Vitruv an mehrern Stellen erwähnen. 1752 las er darüber einen Aufsatz in der Akademie der Inseriptionen vor, und seit der Zeit sind viele Schriften darüber erschienen und manche Versuche gemacht worden. Besonders haben Baron Taube in Mannheim und der Mahler Kalau in Berlin viele Versuche gemacht, die verschiedenen Verfahrungsarten, auf die man gekommen war, zu verbessern und zum Gebrauche anzuwenden[4]; neben diesen beyden nun verdient Reifstein ganz vorzüglich genannt zu werden. Er vervollkommnete nicht nur diejenige Art der Wachsmahlerey, die man auf Wände große Gegenstände und Decorationen auftragen kann, und welches eigentlich die Enkaustick der Alten war, sondern veranlaßte auch nach seiner Gewohnheit besonders mehrere Künstler, sich mit dieser Mablerey zu beschäftigen und sie auf diese Art auszubilden. So ließ er in Rom in Auftrag der Kaiserinn von Rußland ein ganzes Kabinet für dieselbe von Delia, Cades und Angeloni mahlen, und noch in seinem letzten Lebensjahren machte er seinen Freund Hackert und durch diesen den König von Neapel zu Freunden dieser Mahlerey, mit der sich jetzt wirklich der für alle Zweige der Kunst so thätige Hackert selbst beschäftigte. Es ist am gültigsten, das hierher zu setzen, was der letztgenannte große Künstler hierüber unter dem 28. Febr. 1794 aus Neapel schreibt: „da Reifstein (1792) bey mir in Casarta war, hatte er Farben mitgebracht, um àl’Encaustique zu mahlen; ich machte zwei kleine Gemählde nach seinen Recepten; diese kleinen Proben geriethen so gut, daß ich sehr wohl einsah, diese Art der Mahlerey sey sehr schön, dauerhaft und nützlich zu Decorationsgemählden in einem Zimmer. Ich bat ihn nicht allein, mir die Zubereitung dieser Farben zu lehren, sondern darin zugleich einen Decorationsmahler zu unterweisen, den ich schon einige Jahre für des Königs Dienst beschäftigt hatte, um Zimmerzierathen zu mahlen. Dieses geschah, er unterrichtete uns beyde. Ich lies gleich in meinem Studio auf der Wand eine Probe von dem Decorationsmahler machen, die sehr gut ausfiel; auch ließ ich zugleich Proben auf großen Ziegeln machen, die mit dem präparirten Mörtel zubereitet waren. Der König kam eines Morgens in Caserta in mein Studium und fand ihn und mich mit diesen Proben beschäftigt; es gefiel ihm so sehr, daß er das Einbrennen sehen wollte, so bald es bis dahin fertig wäre. Dieses geschah, und da die Sache so gut gerathen war, so trug mir der [95] König auf, ihm zu Santa Leocio di Belvedere, nahe bey Caserta, ein Bad auf diese Art malen zulassen. Der Saal dieses Bades ist 46 Neapolitanische Palmen lang und nach Verhältniß breit; das Bad in der Mitte ist so groß, daß man darin schwimmen kann. Ich bin eben damit beschäftigt; es ist mit Figuren und Verzierungen gemahlt; der Platfond ist völlig fertig und das Wachs ist schon eingebrannt, welches sehr glücklich geraten ist, so daß der König ein großes Vergnügen darüber bezeugte. Der seelige Reifstein würde eine außerordentliche Freude gehabt, wenn er es noch erlebt hätte, daß ich den Plattfond einbrennen lassen.„ - Jetzt, fügt dieser competente Richter noch hinzu, ist diese alte Mahlerey wiedergefunden und man ist sicher, daß es gut geräth. Zu Decorationen in den Zimmern finde ich sie sauber und vortreflich; ob man es so weit bringen könne, gute harmonische Gemählde wie in Oehl darin mahlen zu können, bin ich noch nicht gewiß; dem Mechanischen nach zu urtheilen zweifle ich fast; indeß könnte es seyn, daß man durch große Uebung es dahin brächte.“

Dieser thätige Mann nun, der sich durch seine Kenntnisse den Zeitgenossen schätzbar und nützlich machte, und der durch seine glücklichen Bemühungen, die Künste zu erweitern und zu erleichtern, selbst auf den Dank der Nachwelt Anspruch machen kann, war, nach allen übereinstimmenden Zeugnissen zugleich von einer seltenen Aufrichtigkeit, Güte und Würde des Characters. Er hatte ein sehr glückliches Temperament und eine gute Gesundheit, die er aber niemahls sonderlich achtete: nur in den letzten Jahren, wo ihn das Podagra oft quälte, wurde er etwas besorgter dafür. Wohlthätig, gutherzig, wahrer Freund ohne alle Verstellung, wurde er von lustigen Menschen oft betrogen; aber es gehörte eine sichtbare Frechheit von seiten der Betrüger dazu, um diesen arglosen Mann zu überzeugen, daß es wirklich so falsche und boshafte Menschen geben könne.


  1. Seidelmann zeichnete damahls mit Tusche und Bister; da die Tusche in der Luft sehr leicht verfliegt und bleich wird, so fand Reifstein, daß die schwarze Blase der Sepia oder des Blackfisches einen Saft enthält, der feiner und beständiger ist, als die Tusche. Diesen Saft des Fisches mit dem Bister vermischt giebt einen sehr guten Ton der Farbe, besonders, wenn man etwas rothen Saft von Cochenille gekocht darunter mischt. Die Sepia in ihrer natürlichen Beschaffenheit und ohne unter den Bister gemengt zu seyn, wird gleich von Fäulniß ergriffen und riechend; man vermischet sie daher mit scharfem Essig und spiritus vini, wo sie sich Jahre lang hält, so daß man sie wie Dinte zum Zeichnen gebrauchen, und so bald man will, unter den Bister mischen kann. Diese kleine Erfindung ist seit der Zeit den Künstlern beym Zeichnen sehr nützlich gewesen.
  2. Winkelmanns Anmerk. zu seiner Geschichte des Alterthums 1. Th S. 9.
  3. (Meusels Miscell. B. 3. Heft 18. S. 32 setzt hinzu: Laut einigen Nachrichten hat er diese Erfindung per Königl. Societät der Wissensch. zu London unter der Bedingung überlassen, daß dieselbe nicht eher, als nach seinem Tode, begannt gemacht wurde, wofür er eine Pramie v. 1000 Pf. Sterl. erhalten hat. - Ist diese Nachricht wahr? und wie verhält sich dazu die Tassiesche Fabrick?)
  4. Ueber die verschiedenen Methoden, mit Wachs zu mahlen, S. Jacobsons Technologisches Wörterbuch. Art. Enkaustik und Wachsmahlerey.