Reise Dr. G. Nachtigal’s nach Tibesti, aus brieflichen Mittheilungen

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Autor: Gustav Nachtigal
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Titel: Reise Dr. G. Nachtigall’s nach Tibesti, aus brieflichen Mittheilungen
Untertitel: Schreiben Dr. Nachtigall’s an Dr. A. Bastian
aus: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. 5. Band. S. 69–75
Herausgeber: Wilhelm David Koner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Dietrich Reimer
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Erscheinungsort: Berlin
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[69]
IV.
Reise Dr. G. Nachtigall’s nach Tibesti, aus brieflichen Mittheilungen.
(Hierzu eine Karte, Taf. II.)[1]


Schreiben Dr. Nachtigall’s an Dr. A. Bastian.

Es ist Ihnen vielleicht bekannt geworden, daß ich Anfangs dieses Jahres die Ueberbringung der von Sr. Majestät für den Scheich Omar von Bornu bestimmten Geschenke nach Kuka übernommen habe. Ich kam hier Ende März an, blieb zwei Monate in Murzuk und benutzte die Zeit, welche mir die Abwesenheit der Aussicht auf eine Karavane ließ, um so lieber zu einer anderweitigen Reise, als der Sommer herannahte, und mit ihm die Intensität der Malaria, der ich schon zwei Mal beinahe zum Opfer gefallen wäre. Ich wählte Tibesti, denn wenn auch Rohlfs sorgfältige Erkundigungen während seines Aufenthalts in Kauar eine im Ganzen treffliche Karte zur Folge gehabt haben, so war doch keines der Tibbuländer je von Europäern besucht worden, und blieb die Genauigkeit der genannten Karte durch den Augenschein zu prüfen oder zu constatiren. Auf der andern Seite wurden von Wadaï aus, sowohl von Seiten des Sultans als auch der Kaufleute, lobenswerthe Anstrengungen gemacht, den Karavanenweg zwischen Wara und Murzuk wieder zu eröffnen. Es schien mir also nicht unwichtig, die Dispositionen der Tibbu gegenüber den Christen und Europäern zu prüfen, und die vornehmsten Chefs in Tibesti selbst über eine eventuelle Reise durch Borgu nach Wadaï auszufragen.

[70] Außerdem interessirten mich seit längerer Zeit die ethnographischen Verhältnisse der Tibbu, die Erhebung ihrer Gebirge über den Meeresspiegel und die Therme, von der so oft gesprochen war.

Daß ich nicht gleich Anfangs nach meiner Ankunft in Murzuk die geographische Gesellschaft Berlins für meine Reise durch ein Schreiben zu interessiren gesucht habe, hatte seinen Grund hauptsächlich in dem Gefühle meiner unzulänglichen Vorbereitung für wissenschaftliche Reisen. In der That kann ich nur mein Interesse für Geographie, Meteorologie und Ethnographie für mich in Anspruch nehmen, übrigens bin ich weder Botaniker noch Zoologe noch Geologe, ja ich habe nicht einmal diejenigen Kenntnisse in diesen Wissenschaften, die sonst oft der Arzt gewinnt. So wollte ich denn wenigstens warten, bis ich mit irgend einem wenn auch noch so kleinen Resultate würde vor Sie treten können, und verschob meinen Brief bis nach meiner Rückkehr von Tibesti.

Jetzt bin ich zurück, doch mit weit geringerer Ausbeute, als ich selbst im schlimmsten Falle erwartet hatte. Meine Reise war keine glückliche, und ich muß der Vorsehung danken, daß ich und alle meine Leute das nackte Leben gerettet haben. Die für Tibesti und Borgu berechneten Geschenke, die Kameele, vier an der Zahl, meine persönlichen Effecten, Bücher und ein Theil der Instrumente, Zelt, Medicamente, sind zum Theil der Habsucht der Tibbu in Tibesti selbst zum Opfer gefallen, theils wegen Mangels an Transportmitteln auf der Flucht unterwegs zurückgelassen und auf verschiedenen Bergen versteckt worden. Letztere hoffe ich, sobald nur die augenblicklich sehr bedrohte Sicherheit der Bornustraße wiederhergestellt sein wird, theilweise wieder zu erlangen.

In der Unternehmung der Expedition habe ich mir keinerlei Leichtsinn oder Mangel an Vorsicht vorzuwerfen. Wenn ich auch den habsüchtigen grausamen und verrätherischen Charakter der Tibbu kannte, so ging ich doch nur nach sorgfältigster Erwägung des Planes mit den localen Autoritäten hier, und vorzüglich mit den Merabetía von Gatrōn, welche die Tibbu-Reschade auf das Genaueste kennen, dieselben zum großen Theil durch ihre Handelsverbindung mit ihnen so zu sagen in den Händen haben, und deren nicht wenige endlich durch Bande der Blutsverwandtschaft mit den angesehensten Familien Tibesti’s verknüpft sind. Erst als der greise Chef der Merabetía, der Hadji Djāber, die Reise in der Begleitung eines Merabit und eines Maina (Edlen) von Tibesti für durchaus ungefährlich erklärte und so zu sagen die Verantwortung für unsere persönliche Sicherheit übernahm, reiste ich getrost ab.

Er, wie alle Einwohner Fezān’s überschätzte den Einfluß der [71] Merabetía, speciell des genannten Bu-Zīd, der durch seine Tibbu-Mutter in naher Verwandschaft zu den angesehensten Mainoat (plur. von Maina) stand, und war endlich nicht glücklich in der Wahl des Maina, der mich begleitete, Namens Akrēmi Kolókomi. Derselbe genoß auch nicht des geringsten Ansehens in seinem Vaterlande, wo allerdings der Respect vor Autorität auf der untersten Stufe der Entwickelung steht, und kehrte in bedenklichen Momenten, in denen allerdings auch Bu-Zīd das Blut seiner Mutter nicht verleugnen konnte, die ganze treulose, verächtliche Natur seines Wesens heraus.

Der Verlust meiner Habe berührt mich um so empfindlicher, als ich schon zur Bornureise meine persönliche Ausrüstung auf eigene Kosten gemacht hatte, nur über geringe Mittel disponire, und meine späteren Pläne (von Bornu aus nach Osten oder Südosten vorzudringen) unter den jetzt gebrachten Opfern leiden werden.

Der Einzige, der die Tibbu annähernd richtig beurtheilte, wenigstens besser, als alle anderen, war Mohammed-el-Gatroni, der biedere Diener Barth’s, der von Anfang an dem Projecte die lebhafteste Opposition machte, doch edelmüthig mich nicht verlassen wollte, als ich ihm anbot, ja befahl, mir einen Tibbu oder Tĕdā sprechenden Diener zu suchen und selbst zurückzubleiben. Doch die Conferenz mit dem Hadji Djaber beruhigte auch ihn, und als sogar Bu-Zīd für die Reise gewonnen war, fürchtete er nichts.

Mein Zweck für heute ist nur, Ihnen die vorläufige Mittheilung von meiner Reise und meiner Rückkehr zu machen und Ihnen mein Bedauern auszusprechen, daß meine Steinsammlung, sowie die gesammelten Pflanzen, die Photographien (ich hatte einen kleinen Apparat und mit trockenem Collodium präparirte Platten mitgenommen) und sonstigen Skizzen bei der eiligen Flucht und bei gänzlichem Mangel an Transportmitteln verloren gegangen sind. Sie hätten zum Theil meinen Mangel an Kenntnissen gut gemacht, und ich hatte sie im Voraus Ihnen bestimmt.

Das meteorologische Journal, so wie den Theil meines Vocabulariums der Tĕdā-Spreche, welches die von Barth gesammelten Worte umfaßt, denen ich der Vergleichung wegen zuerst nachforschte, werde ich Ihnen demnächst zusenden, so bald ich sie geordnet haben werde. Hunger Durst und Anstrengungen haben mir eine große Schwäche und geschwollene Füße zurückgelassen, so daß ich noch oft eine horizontale Lage einzunehmen gezwungen bin und nicht anhaltend arbeiten kann.

Endlich theile ich Ihnen die Einzelnheiten auf eine andere Gelegenheit verschiebend, den Verlauf der Reise und des Weges mit.

Ich reiste am 6. Juni von Murzuk ab, am 19. von Gatrōn [72] (respective Bachi), und am 23. Juni von Tedjerri. Wir berührten das Tümmogebirge (el-War), das sich übrigens keineswegs in ununterbrochener Flucht nach Osten bis Tibesti fortsetzt[2], am 27sten: – dieser große Umweg wurde uns durch eine Bande Tibbu auferlegt, welche darauf zählten, uns auf dem ursprünglich beabsichtigten Wege auszuplündern – und kamen in OSO.-Richtung im bisher unbekannten Gebirge von Afafi, wenigstens im Hauptflusse desselben, am 1. Juli an. Die Erhebung der Gegend von Afafi beträgt etwa 1750 Fuß, die relative der einzelnen Berge übersteigt durchschnittlich nicht die Höhe von 200 Fuß[3].

Nachdem wir dem Verdurstungstode nahe ins Auge geschaut hatten, verließen wir das Gebirge Afafi in südlicher Richtung am 5. Juli, marschirten zwischen perpendikulär aus der Kies- oder Sandebene aufsteigenden Sandsteinfelsen, während bis dahin Kalkgestein und Kalkgrund den Sandstein trugen, durch die Gegend von Afo und erreichten eines der Hauptflußthäler Tibesti’s, den Enneri Uduï, der die westliche Fortsetzung des Abo oder Uro bildet, am 10. Juli. Die Richtung wurde nun eine südöstliche. Nach der Passage des Aru, Nebenflusses des Uduï, des Lóbbono, der drei Flüsse Káuno, des Mini[4], des Bonoï, welche zusammen ein System bilden, ferner des Kedēn, der vier Sosóbschi, des Dhómmado und des Daussada, welche zu den Flüssen von Tao gehören, erreichten wir Tao am 13. Juli.

Tao liegt nahe der Central-Gebirgskette, welche das Land von Abo ab in südlicher Richtung durchzieht, und erhebt sich ca. 1900 Fuß über den Meeresspiegel. Die centrale Gebirgskette löst sich hier in zahlreiche Ketten verschiedener Richtung auf. Wir verließen Tao am 14. Juli, um uns nach Zuar, dem Sitze des Sultan Tafertemi und der meisten und angesehensten Mainoat zu begeben. In südlicher Richtung über einen nach Südwest sich ablösenden Gebirgszug marschirend, erreichten wir am 15ten Zuarkaï. Dieses Wort bedeutet „Mund des Zuar“, d. h. den Ort, an dem dieser Fluß aus den Felsen heraustritt. Er setzt seinen westlichen Lauf durch die Ebene fort, um sich in der Entfernung einer halben Tagereise am Djebel Durso mit [73] dem von Tao kommenden Flusse zu vereinigen[5]. Von der Quelle bis Zuarkai verläuft der Fluß während zweier Tagereisen innerhalb des Gebirges und zwar in westnordwestlicher Richtung; das Bevölkerungscentrum Zuar liegt ungefähr in der Mitte mit einer Erhebung von ca. 1850 Fuß über dem Meeresspiegel. Der Enneri Zuar ist das pittoreskeste, schönste, bedeutendste Flußthal westlich vom centralen Gebirge, mit der üppigsten Vegetation und den meisten Wasserbehältern in seinen Felsen und wird durch zahlreiche Nebenflüsse sowohl in der Ebene, als innerhalb der Gebirge verstärkt.

Da der Sultan schon der allgemeinen Auswanderung gefolgt war, welche zur Zeit der Dattelernte vom ganzen Westen des Landes nach Bardaï stattfindet, so legten die noch zurückgebliebenen Mainoat meinem weiteren Vordringen Hindernisse in den Weg, begnügten sich, einen Theil der mitgebrachten Geschenke an sich zu reißen und Verwüstungen in unserem Mundvorrathe anzurichten und mich zur Rückkehr nach Tao zu zwingen.

Bardaï ist das einzige Flußthal, welches eine ausgedehnte Dattelpalmencultur und eine ständige, zahlreiche Bevölkerung in geschlossenen Ortschaften hat. Zur Zeit der Dattelernte strömt die gesammte übrige Bevölkerung Tibesti’s dorthin, um zeitweise ihren chronischen Hunger zu stillen und einen kleinen Wintervorrath anzulegen.

Die Einwohner Bardaï’s sind ohne alle Beziehungen zu Fezān oder Kauār oder Borgu, sie verlassen vielmehr nur äußerst selten ihr heimathliches Thal und sind in Folge dessen als wilder und böser verschrieen, als alle andern Tibbu. Es schien deshalb nicht gerathen, ohne weitere Vorsichtsmaßregeln dorthin zu gehen, ja es würde besser gewesen sein, dieser Idee ganz zu entsagen. Doch der Eigensinn Bu-Zīds und der Mangel an Nahrungsmitteln (die uns folgenden Tibbu räumten sehr bald damit auf), sowie die Schwäche meiner Kameele führten mich nothgedrungen jenseits der Berge, das einzige Mittel um Datteln und etwas Getreide zur Rückreise zu finden.

Bu-Zīd sollte zunächst meinen Brief dem Sultan vorlegen und seine und der Mainoat Aussprüche berichten. Hießen sie mich willkommen und versprachen Sicherheit, so wollte ich geben; im anderen Falle sollte der Merabit etwas Reisemundvorrath kaufen und ich wollte sofort meine Schritte umlenken.

[74] Bardaï ist 3½–4 Tagereisen von Tao in nordöstlicher Richtung[6] entfernt, mein Abgesandter versprach also in 8 Tagen zurück zu sein. Leider hielt man ihn gewaltsam dort zurück und zwang ihn, in seinem und des Sultans Namen einen Boten mit einer Einladung, selbst zu kommen, an mich abzusenden.

Ich reiste also am 5. August von Tao ab, und wir erstiegen steilauf in nordöstlicher[6] Richtung das Gebirge, dessen höchste Höhe (circa 6600 Fuß) wir am Abend des zweiten Tages erreichten. Doch erheben sich darüber noch einzelne Bergkegel, am höchsten, etwa 1000 Fuß, der Tussíddē[7] und fast ebenso hoch der Emi Tími. Schon jetzt der Kameele entbehrend, die wegen Schwäche hatten zurückbleiben müssen, konnte ich bei täglich 10–12stündiger Fußwanderung nicht daran denken, diese Berge zu ersteigen.

Die passirten kleinen Wasserläufe geben dem Flußsystem Ursprung, das man unter dem Namen Enneri-Tao zusammenfaßt. Die höchste Erhebung des Gebirges bildete natürlich die Wasserscheide, und die uns vom dritten Tage an aufstoßenden Flußthäler hatten dem entsprechend einen nordöstlichen Verlauf und gehörten dem Gebiete des Enneri-Bardaï an.

Am dritten Tage wurde bis auf ungefähr 3000 Fuß hinabgestiegen und am vierten das Flußthal von Bardaï erreicht. Am dritten Tage passirten wir den Enneri-Nemagaijasko und Enneri-Udēno, am vierten Enneri-Arabdeï, Gónra, Iraíra, zum Theil directe, zum Theil indirecte Nebenflüsse des Bardaï. – Der Bardaï selbst verläuft von SO. nach NW.[8]. Der Charakter der Berge auf dem östlichen Abhange ist bei weitem verworrener wilder und schwieriger als im Westen, wenn auch im ganzen die Bestandtheile (Kalkstein, Sandstein) dieselben sind.

Am südlichen Abhange des Tussíddē findet sich eine riesige fast kreisrunde, ungefähr 150 Fuß tiefe Natrongrube von mehreren Stunden Umkreis.

Bei meiner Ankunft in Bardaï ließen sich sowohl Sultan als Merabit verläugnen, während die aufgeregte Bevölkerung bei der Nachricht auszog, um den Christen oder Heiden (erdi), wie das unwissende Volk sagte, zu tödten, und machte der erstere, sobald er [75] sah, daß meine Effecten seine Habsucht nicht befriedigten, auch späterhin keinerlei Versuch, mir seinen Schutz angedeihen zu lassen. Ich und wir alle verdanken unser Leben einem Manne, dem Maina Arami, dem einzigen, der eines mäßigen Grades von Ansehen und Macht genießt. Er rettete uns in der Nacht unserer Ankunft aus den Klauen der Bardaïer mit ihren Lanzen und Wurfspießen, und brachte uns bis vor die Thür seines Hauses, indem wir während eines ganzen Monats liegen blieben und er über unser Leben wachte. Er that dieß alles in der eigennützigen Idee, den Rest meiner Habe allein zu verschlucken, – doch er that es, und ohne ihn hätte ich nie Fezān wiedererblickt. Durch das Versprechen meiner Kameele und anderweitige Hoffnungen, welche ich ihm erregte, gewann ich seinen Beistand zu unserer Flucht. In der Nacht vom 3. auf den 4. September entwichen wir mit einem Kameele Arami’s, das einen kleinen Dattelvorrath trug, kamen am 8ten auf der Westseite der Centralkette im Enneri-Ausso[9], einem Nebenflusse des Aru an, verließen denselben am 11ten, wo wir den Aru[10] passirten, überschritten bei Nacht (12. auf 13. September) den Uduï, weiter östlich als das erste Mal, und erreichten in NNW.-Richtung am 14. Abends den schon früher passirten Enneri-Lolemmo im Gebirge Afafi.

Es war mir gelungen ein Kameel zu miethen, und außerdem hatten wir das Kameel des Merabit Bu-Zīd. Das erstere verloren wir zu Afafi; das zweite trug das Gepäck seines Herrn und unsern Wasservorrath, und seine Kräfte reichten bis zum Tümmo-Gebirge. Schon von Afafi aus trug jeder selbst seinen kleinen Dattelvorrath, der unsere einzige Nahrung bildete, und nicht selten mußten die Diener auch die Wasserschläuche tragen. Von der letztgenannten Station aus beschwerte uns kein Mundvorrath mehr, doch mußten wir alles Wasser auf den Schultern mit uns führen. So gelangten wir nach einer Hungerkur von 2 Monaten, einer täglichen Wasserration von 3 Gläsern bei 10–12stündiger Fußwanderung, während der letzten fünf Tage ohne eine Spur von Nahrung, schmutzig, halbnackt am 27. September nach Tedjerri, der ersten Ortschaft Fezān’s, wo unsere Wiederkehr und besonders die Art derselben nicht geringe Verwunderung und Bewunderung erregte. Einen genaueren Bericht meiner Erlebnisse und Beobachtungen verschiebe ich auf die nächste Zukunft.

Anmerkungen

  1. Um die hier mitgetheilten, allerdings nur ganz allgemein gehaltenen, topographischen Angaben, denen vorläufig noch keine Kartenskizze beigefügt war, zu verstehen, bleibt nichts übrig, als sich danach selbst eine solche zu entwerfen – eine Mühe, welche wir dem Leser durch die hier beifolgende, von natürlich nur ganz provisorischem Charakter ersparen zu können glaubten. Sie ist in gleichem Maßstab und auf dasselbe Netz entworfen, wie die von A. Petermann nach den früher von G. Rohlfs über dasselbe Gebiet eingezogenen Erkundigungen gezeichnete und dem 25. Ergänzungshefte der Mittheilungen (S. 32–35) beigegebene; für den Hauptort Tao, in welchem mehrere der von Rohlfs mitgetheilten Wegelinien sich vereinigen, und dadurch eine Sicherung der Ortslage innerhalb gewisser Grenzen ermöglichen, ist dieselbe unverändert beibehalten, da auch die Distanzen der Nachtigall’schen Route dazu wohl stimmen. Wo diese aber von den dem Herrn Rohlfs gemachten Angaben erheblich abweichen, vermuthlich also dieselben zu berichtigen geeignet sind, haben wir in den folgenden Anmerkungen bemerklich gemacht.
    Kiepert.
  2. So nämlich stellt es Petermann’s oben erwähnte Karte hypothetisch dar.
  3. In Ermangelung jeder Angabe über Umfang und Richtung dieser Berggruppen konnte ihre Lage nur ungefähr durch Stellung des Namens in der Skizze bezeichnet werden.
  4. Derselbe der bei Rohlfs und Petermann S. 33 (wohl durch Druckfehler) Mim heißt und der Name des Kauno in seinem Unterlaufe sein soll, dessen angebliche Wendung nach S., nahe westlich von Tao mit den obigen Mittheilungen nicht übereinstimmt.
  5. Hiernach sind die Angaben, welche Rohlfs mitgetheilt wurden, irrig: danach soll Zuarkai nur ½ Tag, und Zuar südwestlich (statt östlich) und 8 Tage von Tao, also nach ganz anderer Richtung als Zuarkaï und in einem SN. (statt OW.) laufenden Thale, und der Berg Durso eine volle Tagereise W. von Tao liegen (a. a. O. S. 33 u. 34 und Petermann’s Karte).
  6. a b Oestlich nach Rohlfs Nachrichten S. 34 und danach in P.’s Karte.
  7. Dies wäre also der Tisri oder Tarso mitten zwischen Tao und Borde (so geschrieben) bei Rohlfs S. 32, wiewohl der daselbst erwähnte, angeblich ½ Tag nördlicher gelegene Tisridau dem Namen Tussidde ebenso ähnlich sieht.
  8. Nach Rohlfs S. 33, wonach P. gezeichnet hat: Nord–Süd; die nach N.’s Angabe veränderte Richtung, sowie die Angaben über die Senkung der Zuar-Nebenthäler von SW. nach SNO. lassen natürlich auch für die ganze centrale Gebirgskette auf die analoge Hauptrichtung SO.–NW. schließen, während sie bei P. in ihrer nördlichen Hälfte sogar nach NNO. umgebogen erscheint.
  9. Entweder ist also die von Rohlfs gegebene Nachricht (S. 33) falsch, daß der Ausso östlich von Borde in einem nordsüdlichen Thale fließe, oder es ist damit ein anderes gleichnamiges Flußthal gemeint: welches in einem so beschränkten geschlossenen Landgebiete kaum wahrscheinlich ist.
  10. Aru ist also nicht, wie bei R. und P. der Name des oberen Abo- oder Uro-Thales selbst.