Reise mit der Yacht Maria 1854 zu den Färöern/Kapitel II

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KAPITEL II

Geographische Eigenheiten der Inseln[Bearbeiten]

Nachdem wir herausfanden, dass keiner unserer Freunde irgendwas über die Färöer wusste, außer deren geographische Lage (und das auch nur, wenn sie kürzlich erst zur Schule gegangen waren), ist es wünschenswert, einen Überblick über ihre allgemeinen Bedingungen und Vorgeschichte zu vermitteln, bevor wir uns in das Innere der Reise begeben. Eine solche Skizze vermeidet Unterbrechungen in unserer Erzählung durch ausschweifende Erklärungen.
   Sie liegen zwischen 61°26’ und 62°25’ nördlicher Breite und 6°20’ und 7°40’ westlicher Länge und haben eine Fläche von ungefähr 850 Quadratmeilen.
   Siebzehn der Inseln sind bewohnt, und die größten von ihnen sind Stromöe und Osteröe, die in der Mitte der Gruppe liegen. Erstere ist achtundzwanzig Meilen lang und durchschnittlich sechs Meilen breit. Letztere ist genauso breit aber nur dreiundzwanzig Meilen lang. Am nächsten in der Größe kommen ihnen Waagöe, Sandöe und Suderöe, die ungefähr halb so groß wie Osteröe sind. Alle anderen Inseln sind wesentlich kleiner und variieren in der Größe bis hin zu bloßen Felsen. Die kleinste der bewohnten Inseln ist der Storr Diamant, der nur einen Farmer mit seiner Familie und den Dienern beherbergt.
   Die Färöer sind fast vollständig aus verschiedenen Arten von Stufen zusammengesetzt, die sich mit Tuffschichten abwechseln. Basaltfelsen treten an bestimmten Stellen hervor, manchmal in Säulenform, wobei sie jedoch nie so ausgeformt sind, wie wir sie bei der Isle of Staffa und dem Giant's Causeway vorfinden.
   Wir glauben, dass Geologen wenig Zweifel daran hegen, dass die Inseln ihren gegenwärtigen Zustand unterseeischem Vulkanismus verdanken. Sie zeigen aber keine Spuren von aktiv gewesenen Vulkanen, wenn man von ihrem Erscheinungsbild über dem Meeresspiegel ausgeht. Es gibt Kohlenminen in Suderöe, aber die Qualität der Kohle wird von Mr. Allan als schlecht bezeichnet. Sie brennt nur langsam, verströmt einen unerträglichen Geruch und gleicht in jeder Hinsicht derjenigen, die nahe Ballintoy in der Grafschaft Antrim gefunden wurde.
   Das Klima der Inseln ist frei von extremer Hitze oder Kälte, und der Winter ist viel milder, als man es angesichts der geographischen Breite annehmen würde. Das liegt an der Nähe des Meeres zu allen Seiten und teilweise vielleicht am Golfstrom, der hier vorbeifließt. Schnee bleibt selten tagelang liegen, außer in den höchsten Lagen der Berge. Im Sommer verschwindet dort auch der Schnee, mit Ausnahme von einigen schmutzigen Flecken. Die Durchschnittstemperatur in den drei wärmsten Monaten des Jahres variiert in Thorshaven zwischen 56,9° F und 51,7° F und in den drei kältesten Monaten zwischen 41,6° F und 33° F, während die höchste je gemessene Temperatur 72,5° F war, und die niedrigste 18,5° F.

Produkte, Regierung, etc.[Bearbeiten]

Spärliches Gras und einige Kartoffeln sind die Hauptprodukte des Bodens. Anderes Gemüse wird kaum reifen und muss größtenteils aus Kopenhagen importiert werden. Der Boden ist überall sehr dünn und die Oberfläche so uneben, dass der Pflug nicht verwendet werden kann. Also muss die Erde mit dem Spaten umgegraben werden. Die Menge des kultivierten Landes ist jedenfalls sehr klein und besteht bloß aus ein paar Stellen in den geschützteren Buchten.
   Von den wilden Pflanzen und Kräutern, die man hier findet, sind nur wenige interessant, außer für regelrechte Botaniker. Aber die Färinger haben offensichtlich sorgfältig gelernt, zu welchen Zwecken man sie anwenden kann. Sie nehmen viele zum Färben und eine ganze Reihe als Medizin. Aus der Carenaria vesicaria, eine Grasart, die auf vielen sumpfigen Stellen wächst, machen sie Seile, Matten und Körbe. Das Salz, dass durch die Winterstürme über die ganzen Inseln getragen wird, und die Gewalt des Windes an sich, erweisen sich als großes Hemmnis für die Vegetation. Daher sieht man nirgends Bäume oder auch nur Sträucher, außer ein paar in den Gärten des Gouverneurs und des Sysellmanns in Thorshaven. Dort sind sie durch Mauern vor dem Wind geschützt, und wenn sie es nicht aushalten, werden sie ersetzt. Ein dortiger kleiner, drei Fuß hoher, Kirschbaum, der niemals Früchte trägt, braucht ein eigenes Gewächshaus. Allerdings muss das Land einst bewaldet gewesen sein, da Reste von Bäumen in großer Zahl aus den Sümpfen ausgegraben wurden.
   Sie waren zuerst von den norwegischen Piraten besiedelt, möglicherweise um das neunte Jahrhundert. Obwohl alle Leute ein wenig Dänisch können, ist die allgemeine Sprache immer noch ein altskandinavischer Dialekt, der sich im Laufe der Zeit von allen anderen fort entwickelt hat, und der nicht geschrieben wird.
   Sie gehören heute zu Dänemark und bekommen alle Gesetze von dort. Aber vor kurzer Zeit wurde eine Art färöisches Parlament gegründet, um über die Angemessenheit der Gesetze zu beraten, bevor sie in Kraft treten. Seine Pflichten und Rechte sind also darauf beschränkt, seine Meinung zu sagen. Die Regierung besteht aus dem Gouverneur, einem Scherriff, einem Obersten Richter, der jährlich in jedem wichtigen Dorf ein Gericht abhält, dem Handels-Administrator und sechs Sysellmännern. Die Sysellmänner sind Einheimische und leben in ihren jeweiligen Bezirken, wo sie die Justiz in kleineren Angelegenheiten regeln. Alle anderen Funktionäre sind Dänen, die nur ein paar Jahre auf den Inseln bleiben. In dieser Zeit schlagen sie ihr Hauptquartier in Thorshaven auf.
   Außer ihnen werden zwei Ärzte aus Kopenhagen entsandt, die zusammen mit den Offiziellen ernannt werden. Die Geistlichen sind auch meist Fremde auf den Färöern.

Religion, Landbesitz[Bearbeiten]

Es wird gesagt, dass das Christentum im Jahre 1000 von Sigmund Bresteson eingeführt wurde, einem Norweger, der den Häuptling Thrand konvertierte, indem er drohte, ihm den Kopf abzuschlagen. Die anderen Einwohner, durch dieses gute Beispiel ermuntert, waren damit einverstanden, getauft zu werden.
   Zur Reformationszeit in Dänemark wechselten sie vom römisch-katholischen zum lutherischen Glauben, woran sie bis heute festhalten. Die Kirchenverwaltung besteht aus einem Probst, der dem Bischof von Kopenhagen untersteht. Daneben gibt es sieben Pastoren, alles Dänen, mit Ausnahme eines Einheimischen. Da es siebzehn bewohnte Inseln gibt und die Sunde zwischen ihnen manchmal für mehrere Wochen am Stück unpassierbar sind, ist diese Versorgung sehr unzureichend.
   Jedenfalls versammeln sich die Gemeinden sonntags oft in den Kirchen in Abwesenheit eines Pfarrers. Einer von ihnen liest den anderen dann eine gedruckte Predigt auf Dänisch vor. Begleitet wird das an einem bestimmten Tag von etwas in ihrer Kirche, was unsere amerikanischen Freunde als lutherisches „fixing“ bezeichnen würden.
   Die Rundtour eines färöischen Priesters ist auf keinen Fall so einfach, wie die eines englischen Landpredigers, der in seiner Gig auf einer guten Straße durch seinen Pfarrbezirk trottet, oder eine freundliche Mitfahrgelegenheit im Markt-Karren eines Gemeindemitgliedes erhält. Hier gibt es keine Straßen, mit Ausnahme einer halben Meile aus Thorshavn heraus, und auch keine Radfahrzeuge. Die Reisen der Priester müssen deshalb entlang schmaler abschüssiger Bergpfade stattfinden, oder über Hügel mit keinerlei Pfad – meist zu Fuß, oder bestenfalls auf einem kleinen Pony. Wenn das Wetter gut ist, geht es im offenen Boot entlang der Küsten, die über viele Meilen keine Anlegeplätze besitzen, und wo sie logischerweise bei einem plötzlichen Wetterumschwung stundenlang den Gefahren der stürmischen See ausgesetzt sind. Die Küsten des Großen Diamanten sind so senkrecht, dass er nur zwei- oder dreimal im Sommer besucht wird, und das dann bei sehr gutem Wetter. Bei dieser Gelegenheit wird der Pastor in einem Fahrkorb an der abschüssigen Kante hochgezogen. Ein Geistlicher, der einen Kranken in Myggenaes besuchen wollte, wurde dort für vierzehn Wochen festgehalten, denn wegen des ständigen Sturms konnte er nicht heimkehren.
   Vor der Reformation wechselte das meiste Land in den Besitz der römisch-katholischen Kirche, indem es am Sterbebett vererbt wurde oder als Buße abgegolten werden musste. Durch die Reformation gelangte es in den Besitz des dänischen Königs und fast alle Bauernhöfe werden von der dänischen Regierung zu sehr moderaten festen Preisen verpachtet. Die Pacht wird beim Tode des Vaters ganz selbstverständlich an den Sohn vererbt. Es gibt auch ein paar freie [nicht-feudale] Güter, die aber durch aufeinander folgende Generationen derart aufgeteilt wurden, dass sie recht klein und ihre Besitzer üblicherweise nicht so reich sind, wie die Pächter von Kronland.
   Die Bevölkerung der Inseln ist ständig gewachsen und 1845 waren es 7782, davon in Thorshaven 900. Bis vor Kurzem gab es ein Gesetz zur Kontrolle der Bevölkerungsentwicklung, demzufolge Heiraten verboten war, wenn man die Behörden nicht davon überzeugen konnte, dass man die nötigen Mittel hat, um eine Familie zu ernähren. Aber als klar wurde, dass es eher die Zahl der Eheschließungen als die Zahl der Geburten begrenzte, wurde es wohlweislich wieder abgeschafft.
   Wir finden, dass die extreme Abgeschiedenheit der Färöer vom Rest der Welt durch die dänische Regierung verursacht wird, die den kompletten Handel des Landes monopolisiert hat und keinen Privatpersonen, nicht einmal Dänen oder anderen Nationen, erlaubt, mit ihnen Handel zu treiben. Deshalb haben sie keinen kommerziellen Anreiz, ins Ausland zu fahren und besitzen nur offene Boote. Und Ausländer haben keinerlei Profit zu erwarten, wenn sie nach ihren Küsten suchen, während normale Reisende natürlich nicht in der Lage sind, Orte zu besuchen, zu denen der Handel keine regulären Verkehrswege geschaffen hat. Die Inseln haben keine Dampferverbindung mit irgendeinem anderen Land, und die einzigen Schiffe, die hier je ankommen, sind drei kleine Schoner, die den Handel mit Kopenhagen abwickeln, gelegentlich ein Fischkutter von den Shetlandinseln und manchmal ein vorbeifahrendes französisches Kriegsschiff, um auf dem Weg in die nördlichen Fischgründe Wasser zu fassen. Mr. Müller kann sich nur an eine andere Yacht erinnern, die mal in Thorshaven war, nämlich 1852 die „Ruby Queen“ von Mr. Tennant aus Glasgow.

Export und Import[Bearbeiten]

Exportiert werden gestrickte Jacken und Kniestrümpfe, Talg, Fisch, Waltran, Federn, Felle und ein bisschen Butter. Davon sind die Strickjacken bei weitem am wichtigsten und wertvollsten. Sie werden nie von den Einheimischen getragen, die sie als zu grobschlächtig für den eigenen Gebrauch betrachten. Aber in Dänemark werden sie unter Seeleuten in großer Stückzahl verkauft.
   Importiert werden Getreide, Malz, Branntwein, billige Weine vom Kontinent, Tee, Kaffee, Zucker, Gewürze, Salz, Tabak, Hanf, Eisen, Blei, Kalk, Ziegel, Holz, Teer, Glas, Nägel, Schießpulver, Baumwolle und Leinentücher und Kleinwaren.

Krankheiten[Bearbeiten]

Die Färinger leben sehr lange. Von 1000 Sterbefällen finden 849 im Alter über 70 statt, wobei in Dänemark bei der selben Anzahl der Anteil derjenigen, die dieses biblische Alter erleben, nur bei 187 liegt. Die durchschnittliche Lebenserwartung auf den Färöern ist 44 2/3 Jahre inklusive Totgeburten, während sie in Dänemark nur 36 beträgt.
   Debes erwähnt in „Faeroa Reserata“ den Fall eines Mannes namens Erasmus Magnussen aus Harold Sound, der im Alter von 90 heiratete, noch erlebte wie seine Frau Mutter von fünf Kindern wurde (das jüngste wurde geboren als er 103 war) und im fortgeschrittenen Alter von 110 verstarb.
   Die Langlebigkeit ist dem gesunden Klima zuzuschreiben, ihren aktiven Open-Air-Bestrebungen und ihren generellen Angewohnheiten zur Mäßigung. Obwohl sie bei Festen sehr reichlich trinken, sind chronische Gewohnheitstrinker selten, und wenn sie vorkommen, enden sie grundsätzlich im Wahnsinn.
   Unter dem nüchternen Teil der Bevölkerung sind Geisteskrankheiten aber auch sehr häufig. Doktor Panum führt an, dass ein Prozent der Bevölkerung davon betroffen ist und fügt hinzu: „Es gibt eine bemerkenswerte Ähnlichkeit der Form der Erkrankungen“. Bei vielen beobachtete er „eine stille Form der religiösen Wahnvorstellung, wo die betroffenen Personen Visionen sahen und glaubten, in direkter Kommunikation mit unserem Heiland und dem Heiligen Geist zu stehen. Die Mehrheit hingegen fühlten sich von einem bösen Dämonen besessen, der sie ständig zwang, gegen ihr gutes Gewissen zu handeln. Das führte dazu, dass sie während ihrer Wutanfälle Gegenstände in ihrer Umgebung zerstörten und Umstehende schlugen. Danach versanken sie grundsätzlich in eine Melancholie und gereizte Stimmung. Beide Formen scheinen oft im Schwachsinn zu enden.“ Er schreibt das Übergewicht der Geisteskrankheiten der bedrückenden Szenerie und dem ständigen Nebel zu. Uns erschien es wahrscheinlicher, dass es am gewaltigen Kontrast zwischen dem Leben im Winter und im Sommer hierzulande liegt.
   Der Sommer ist zum Einen die Saison des Walfangs, der Hochseefischerei, des Vogelfangs und der Bodenbearbeitung. Und die Bestrebungen und Arbeiten der Menschen in diesen Breiten werden dann nicht durch irgendeinen Intervall der Dunkelheit verkürzt.
   Im Winter, auf der anderen Seite, gibt es nur wenige Stunden des Tageslichts, und die Dorfbewohner sind oft für Wochen von der Außenwelt abgeschnitten und zusätzlich an allen ihren Tätigkeiten gehindert. Es gibt keine Kommunikation mit den Nachbarinseln und noch nicht mal mit den anderen Dörfern auf der eigenen. In dieser Zeit müssen sie unter schrecklicher Langeweile leiden. Und weil Magenverstimmung als eine der Hauptursachen für Irrsinn bekannt ist, kann man sich leicht denken, dass sowohl physische als auch seelische Ursachen zusammenkommen und ihn durch den Wechsel von einem sehr aktiven zu einem sehr unaktiven Leben hervorrufen.
   Seuchen scheinen auf diesen Inseln heftig zu sein – im umgekehrten Verhältnis zur Frequenz ihres Vorkommens. Die Pocken haben hier seit 1705 nicht mehr gewütet, als sie die Bevölkerung einer ganzen Insel auslöschten.
   Von 1781 bis 1846 waren die Masern unbekannt. Aber dann erkrankten 6000 Menschen der 7700köpfigen Bevölkerung daran. Während der ersten neun Monaten gab es 102 Todesopfer.
   Hier, wie auf St. Kilda (einem Ort der auch sehr selten besucht wird, und wo die Ernährungsgewohnheiten der Leute in vielerlei Hinsicht denen der Färinger ähneln), glauben die Einwohner, dass die Ankunft von Fremden ihnen eine Erkältung einschleppt. Gouverneur Pleyen, der siebzehn Jahre in Thorshavn residierte, versicherte Dr. Panum, dass es mehr Grundlagen für diesen scheinbaren Irrglauben gab, als er einst dachte. Denn eine Art Influenza, die in der Landessprache Kruym [krím] genannt wird, trat ausnahmslos immer dann auf, wenn das erste Schiff im Frühling kam – beginnend bei denen, die es auszuladen hatten. Wir können uns für den Wahrheitsgehalt dieses ungewöhnlichen Phänomens nicht verbürgen, aber es wird auch von Landt erwähnt. Und uns wurde in Thorshaven versichert, dass die Influenza grundsätzlich jedes Jahr mit der Ankunft der ersten Handelsschiffe ausbricht, aber unser Informant machte dafür ein zufälliges Zusammentreffen dieser Ankunft mit einer ungesunden Jahreszeit verantwortlich. Diese Erklärung ist jedenfalls nicht befriedigend, denn Gouverneur Pleyen erklärte, dass der Ausbruch des Kruym immer gleichzeitig mit der Ankunft der Handelsschiffe passierte, obwohl der Zeitraum jedes Jahr um bis zu zwei Monate variierte.
   Lepra war einst nicht ungewöhnlich, aber sie ist ganz verschwunden, und einige meinen, dieses Verschwinden hinge damit zusammen, dass die Leute aufhörten, sich ausschließlich von Fisch ernährten.

Ernährung und Erwerbstätigkeit des Volkes[Bearbeiten]

Der Speiseplan der Färinger ist weder qualitativ noch geschmacklich unzureichend. In der Hauptsache besteht er aus trocken Brot, gesalzenem Hammelfleisch, Fisch (getrocknet und frisch) einschließlich Walen, gelegentlich Kartoffeln und last but not least: Seevögeln. Papageitaucher und Trottellummen sind die bevorzugtesten Seevögel und werden am häufigsten gegessen. Die armen Leute essen aber auch viele andere Arten, die woanders nicht als genießbar angesehen werden, unter anderem junge Möwen, Dreizehenmöwen und Kormorane. Wir haben eine Trottellumme gekocht und darauf geachtet, sie zu häuten, bevor wir sie brieten, was einen kräftigen Vogel stets weniger zäh macht. Wir fanden es nicht weniger zweifelhaft als eine Weißwangengans.
   Fisch, Fleisch und Geflügel dürfen manchmal alle ein gewisses Stadium der Verwesung erreichen, bevor sie gegessen werden. In diesem Zustand werden sie „rast” genannt und frischer Nahrung vorgezogen. Viel von dem Hammel, der im Herbst geschlachtet wird, wird nicht gesalzen, sondern bloß im Wind getrocknet. Und bevor alles davon aufgegessen ist, gibt es oft schon wieder Frischfleisch.
   Es gibt auf den Inseln sehr wenige Kaufmannsläden – abgesehen von den drei großen Warenhäusern der Regierung –, denn die Einwohner stillen ihre Bedürfnisse meist zuhause. Arbeitsteilung, wie sie von den politischen Ökonomen so hochgelobt wird, findet hier nur wenig statt. In jeder Familie wird für den Eigenbedarf Wolle gesponnen, gewebt, gefärbt, geflickt und geschneidert. Also wird die gesamte Bekleidung – mit Ausnahme der Leinenhemden, die nur von Wenigen getragen werden – zuhause hergestellt. Dies geschieht ab dem Zeitpunkt, wo die Wolle den Rücken der Tiere verlässt, bis zum letzten Knoten, der sie für ihren zweiten Träger vollendet.
   Obwohl die färöische Sprache nicht geschrieben wird, und es kein einziges Buch darin gibt, scheiterte ein Versuch, das Neue Testament zu übersetzen. Die Einwohner lesen gerne, und fast alle können Dänisch. Sie können ihren Bedarf dadurch decken, dass sie Bücher aus Kopenhagen beziehen. Schach und Tanz sind beides ihre Lieblingsbeschäftigungen. Aber da sie keine instrumentale Musik kennen, sind sie gezwungen, letzterem Vergnügen durch den Klang der Stimme nachzugehen.

Wilde Tiere und Haustiere[Bearbeiten]

Die kostbarsten Haustiere im Besitz der Einheimischen sind die Schafe, von denen jährlich 25.000 bis 35.000 geschlachtet werden. Fast jeder ergiebige Teil des Landes wird als Weide genutzt. Die größte Zucht der Schafe ist auf den Nordinseln und kommt aus Island. Die im Süden kommt aus Shetland. Hierzu muss gesagt werden, dass diese Zuchten, zu der die meisten Schafe gehören, nach einer großen Sterblichkeit unter den Herden vor über 20 Jahren hierher kamen.
   Die anderen Haustiere, die auf den Färöern gehalten werden, sind Kühe, ein paar Schweine, Schäferhunde, Katzen und Ponys. Zwei Ladungen der Letztgenannten gehen jedes Jahr von Suderöe zu den Shetlandinseln. Es sind kräftige abgehärtete kleine Tiere, etwa zwölfeinhalb Hand hoch. Die Einheimischen benutzen sie nur zum Reiten und zum Lastentransport in Körben, die an ihrem Rücken befestigt werden, aber niemals als Zugtiere.
   Ratten und Mäuse sind die einzigen wilden Tiere, die man auf den Inseln findet. Wie in Irland genießen sie eine Immunität durch die Abwesenheit von Kröten, Eidechsen, Schlangen und anderen giftigen Reptilien jeder Art. Sie werden auch von keinen Amphibien aufgesucht.
   An Vögeln diverser Arten wimmelt es nur so auf und bei den Färöern. Geflügel liefert den Einwohnern einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Nahrung. Die Arten, die wir in größter Anzahl sahen waren: Schnepfen, Regenpfeiffer und Krähen im Landesinnern, Möwen, Alken, Trottellummen und Dreizehenmöwen an der Meeresküste.
   Fischerei ist eine große Nahrungsquelle für die Einheimischen, obwohl sie sich seit Debes’ Tagen beklagen, dass die Fischbestände in den Küstengewässern konstant zurück gegangen wären.
   Wal, Dorsch, Heilbutt, Schellfisch und Köhler sind die Arten, die im Salzwasser gefangen werden. In den Seen gibt es Forellen und Aale. Von Ersteren wird gesagt, dass sie gelegentlich eine beträchtliche Größe erreichen, besonders in einem kleinen See im Norden von Waagöe. Die Flüsse sind zu klein, um Lachse zu beheimaten.
   Seehunde wurden einst in großer Menge in den Grotten an der Küste gefangen. In den letzten Jahren wurden sie aber sehr knapp wegen eines fehlenden Gesetzes zu ihrem ordentlichen Schutz.
   Landts Bericht über die Färöer beinhaltet eine sehr vollständige Liste der Vögel, Fische und Pflanzen, die auf und bei den Färöern gefunden wurden.