Reue (Goethe)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Reue
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1799, S. 129 – 132
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1799
Verlag: J. G. Cotta
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[129]
Reue.

Altspanisch.


Jüngling.

     Nur fort, du braune Hexe, fort!
Aus meinem gereinigten Hause,
Daß ich dich, nach dem ersten Wort,
Nicht zause.

5
Was singst du hier für Heucheley,

Von Lieb’ und stiller Mädchentreu?
Wer mag das Mährchen hören!

Zigeunerinn.

     Ich singe von des Mädchens Reu,
Und langem heißem Sehnen,

10
Denn Leichtsinn wandelte sich in Treu

Und Thränen.
Sie fürchtet der Mutter Drohen nicht mehr,
Sie fürchtet des Bruders Faust nicht so sehr,
Als den Haß des herzlich Geliebten.

[130]
Jüngling.

15
     Von Eigennutz sing’ und von Verrath,

Von Mord und diebischem Rauben,
Man wird dir jede falsche That
Wohl glauben.
Wenn sie Beute vertheilt, Gewand und Gut,

20
Schlimmer als je ihr Zigeuner thut,

Das sind gewohnte Geschichten.

Zigeunerinn.

     „Ach weh! ach weh! was hab’ ich gethan!
Was hilft mich nun das Lauschen
Ich hör’ an meine Kammer heran,

25
Ihn rauschen.

Da klopfte mir doch das Herz, ich dacht:
O hättest du doch die Liebesnacht
Der Mutter nicht verrathen!“

Jüngling.

     Ach leider! trat ich auch einst hinein,

30
Und ging verführt im stillen:

Ach Süßchen laß mich zu dir ein,
Mit Willen.
Doch gleich entstand ein Lärm und Geschrey,
Es rannten die tollen Verwandten herbey,

35
Noch siedet das Blut mir im Leibe.
[131]
Zigeunerinn.

     „Kommt nun dieselbige Stunde zurück,
Wie still michs kränket und schmerzet!
Ich habe das nahe, das einzige Glück
Verscherzet.

40
Ich armes Mädchen ich war zu jung,

Es war mein Bruder verrucht genung
So schlecht an dem Liebsten zu handeln.“

Der Dichter.

     So ging das schwarze Weib in das Haus,
In den Hof zur springenden Quelle,

45
Sie wusch sich heftig die Augen aus,

Und helle
Ward Aug’ und Gesicht, und, weiß und klar,
Stellt sich die schöne Müllerinn dar,
Dem erstaunt, erzürnten Knaben.

Müllerinn.

50
     Ich fürchte fürwahr dein erzürnt Gesicht,

Du Süßer, Schöner und Trauter!
Und Schläg’ und Messerstiche nicht,
Nur lauter
Sag ich von Schmerz und Liebe dir,

55
Und will zu deinen Füßen hier,

Nun leben oder auch sterben.

[132]
Jüngling.

     O Neigung sage wie hast du so tief
Im Herzen dich verstecket?
Wer hat dich, die verborgen schlief,

60
Gewecket?

Ach Liebe du wohl unsterblich bist!
Nicht kann Verrath und hämische List
Dein göttlich Leben tödten.

Müllerinn.

     Liebst du mich noch so hoch und sehr,

65
Wie du mir sonst geschworen,

So ist uns beyden auch nichts mehr
Verlohren.
Nimm hin das vielgeliebte Weib!
Den jungen, unberührten Leib,

70
Es ist nun alles dein eigen!


Jüngling.

     Nun Sonne geh hinab und hinauf,
Ihr Sterne leuchtet und dunkelt!
Es geht ein Liebesgestirn mir auf
Und funkelt.

75
Solange die Quelle springt und rinnt,

Solange bleiben wir gleichgesinnt,
Eins an des anderen Herzen.

GOETHE.