Ritter Ochsenlende

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Ludwig Storch
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ritteer Ochsenlende
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 17, S. 221-222
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[221]
Ritter Ochsenlende.
Von Ludwig Storch.


Die Gartenlaube (1855) b 221.jpg

Von einem König in Engelland
Vernehmt eine schöne Geschichte!
Auf seiner prächtigen Tafel fand
Er immer die besten Gerichte.

5
Sein liebster Freund auf der ganzen Welt

Das war sein Küchenmeister,
Er hat ihn höher in Ehren gestellt
Als alle die größten Geister.

Rehbraten genoß er täglich schier,

10
Doch Rindfleisch war ihm noch lieber,

Am liebsten Lendenbraten vom Stier;
Es ging ihm nichts darüber.

Der Küchenmeister einstens briet
Das saftigste aller Stücken;

15
Beim ersten Bissen der König gerieth

In schnalzendes Hochentzücken.

In Wonnethränen glänzte sein Aug’
Auf’s Fleisch der trefflichen Lenden.
Den Mund voll Wasser strich er den Bauch

20
Sich mit höchsteigenen Händen.


Und öffnete dann den weisen Mund:
„Ihr Ritter und Ihr Vasallen,
Es hat auf dem weiten Erdenrund
Mir wahrlich nichts besser gefallen,

25
Als solch ein köstliches Lendenstück

In Euerm Kreis zu verspeisen;
Drum ist es billig, für solches Glück
Es zu ehren und hoch zu preisen.

Die edelste sei von aller Speis’

30
Vom Könige heute geadelt!

Dem König gebeut’s, und der König weiß,
Daß Keiner darum ihn tadelt.“

Der Herrscher erhebt sich und zieht sein Schwert
Und redet mit Wohlbehagen.

35
„Wir wollen, o Lendenbraten werth,

Dich heute zum Ritter schlagen!

Der König will, daß von dieser Stund’
Du sollst „Herr Ritter“ heißen.
Dich schlägt mein Schwert, ernennt mein Mund

40
Zum Edelmann der Speisen.“


Und Alle sehn auf das Lendenstück
Das Schwert den König strecken.
Dann sinkt er froh in den Stuhl zurück
Und läßt sich’s vortrefflich schmecken. –

45
So wurde das Ochsenlendenstück

Zum Ritter gemacht und geschlagen.
Es war ein erhabener Augenblick,
Als dieses sich zugetragen.

[222]

Und wo in England mit Geschick

50
Die Beefsteaks immer gerathen,

Heißt „Ritter Ochsenlendenstück“
Noch heut der herrliche Braten. –

Und seit dem weltgeschichtlichen Tag
Spielt auch in anderen Staaten

55
Bei manchem festlichen Ritterschlag

Oft mit ein Rinderbraten.[1]


  1. Sir Loin of beef. – Sir loin oder vielmehr sur loin heißt bekanntlich im Englischen das Lendenstück (vom Rinde), Sir aber ist das Ehrentitelwort der Ritter und Barone; es lag demnach nahe, das Lendenstück zu adeln, indem man aus sirloin Sir Loin machte. Den Scherz erzählt schon Swift.