Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Augustusburg

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Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Augustusburg
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aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 129–131
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 202.jpg
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Augustusburg.


Auf der höchsten Spitze des zwischen dem Zschopau- und Flöhastrome eingezwängten, gegen die Vereinigung dieser Flüsse hin unweit des Dorfes Flöha in eine reizende Thalebne sich abflachenden Felsenkegels, thronet in einer Höhe – von fast 1539 Pariser Fuss über der Nordsee – gar herrlich und prächtig das Schloss Augustusburg.

Die Aussicht von demselben gehört unstreitig zu den schönsten Panoramen des herrlichen Sachsenlandes.

Wer den an der nordöstlichen Ecke des Schlosses sich erhebenden Thurm besteigt, beschaut ein vor den Augen sich ausbreitendes Gemälde, welches von dem heiteren Glanze der Frühlingssonne beleuchtet, an Schönheit, Fülle und Abwechselungen nichts zu wünschen übrig lässt.

Gegen Südost begrenzen die Altenberger, Frauensteiner und Seydaer Gebirge den Horizont, weiter südwärts ragen der Fichtelberg und der böhmische Keilberg hervor, am näher liegenden Pöhlberg zeigt sich die Stadt Annaberg und mehr rechts der Greifenstein bei Ehrenfriedersdorf; gegen Westen erscheinen die Rabensteiner und Hohensteiner Höhen, weiter rechts die Rochlitzer Steinbrüche und die Berge bei Hartha, bis zuletzt tief im Norden der Colmberg bei Oschatz sein Haupt erhebt. Nordöstlich hemmen die Börnicher Gebirge, an deren Fusse die Stadt Oederan sich ausbreitet, die Aussicht. Aber auch der Anblick der nähern Umgebungen ist wegen seiner Mannigfaltigkeit nicht weniger angenehm. Unter lachenden Feldern und Wiesen mit Waldungen untermischt sieht man Oederan und Börnichen, und noch näher die Dörfer Grünberg, Hohenfichte, Metzdorf, Dorf Schellenberg und Teubsdorf[VL 1], so wie das Zschopauthal mit den Fabrikdörfern Plaue und Flöha und in der Waldung das Schloss Lichtenwalde.

In der allernächsten Umgebung des Schlosses zieht sich westlich und südlich nichts als dichter Wald, während nördlich und östlich sich am Berge herum das Städtchen Schellenberg ausbreitet, dessen Erbauung in die graue Vorzeit fällt.

Auf diesem Berge stand früher ein uraltes Schloss, welches mit dem Berge gleichen Namen führte und nach Einigen schon von Karl den Grossen, nach Anderen unter Kaiser Otto I. im zehnten Jahrhunderte, wahrscheinlich aber ein Jahrhundert später unter Heinrich IV. erbaut worden ist. Die alte Burg Schellenberg bildete den Centralpunkt der Pflege oder Herrschaft Schellenberg, die den grössten Theil des erzgebirgischen Amtes Augustusburg begriff bis in die Nähe von Zethau reichte, und meist den meissnischen Markgrafen gehörte. Doch gab Schellenberg auch einem adlichen Geschlechte den Namen; 1234 war Heinrich von Schellenberg an Heinrich des Erlauchten Hofe. Auch schon im Jahre 1206 kommen die Brüder Wolfram und Peter von Schellenberg, wahrscheinlich als dasige Burgmänner vor. Im Jahre 1292 wurde das alte Schloss, welches in jener Zeit in ein Raubnest ausgeartet war, von dem Markgrafen Friedrich belagert und erobert. Im Jahre 1332 wurde von Friedrich dem Ernsthaften der Ritter Friedrich von Honsberg damit beliehen. Zu Zeiten Georg des Bärtigen scheint es als Staatsgefängniss gedient zu haben.

Die Markgrafen von Meissen hielten sich der Jagd wegen hier oft auf. Im Jahre 1547 wurde dieses alte Schloss durch den Blitz völlig zerstört. Kurfürst August, liess die Ruine im Jahre 1567 völlig abtragen, legte am 31. März 1568 den Grundstein zu dem jetzigen Schlosse und vollendete dasselbe ins Jahre 1572 unter Leitung von 3 berühmten Architekten des Hieronymus Lotter (Erbauer des Leipziger Rathhauses) Günthers von der Mohr[VL 2] und des Grafen Rochus von Lynar; und unter Verwendung von täglich 100 Mann zu Handlangerdiensten und 1000 Mann zu Mauer und Zimmerarbeit.

Das Schloss bildet ein regelmässiges Viereck, ist genau nach den vier Himmelsgegenden gebaut und gewährt noch jetzt nach drittehalb Jahrhunderten einen wirklich majestätischen Anblick, obgleich es durch die Zeit vielfach gelitten hat und zu seiner Erhaltung noch in neuerer Zeit so manches ehemaligen Schmuckes beraubt werden musste. Ehemals war es vier Stockwerk hoch und es lief sowohl auf der innern Seite nach dem Schlosshofe zu, als auch auf der äusseren Seite rings herum eine mit Blei gedeckte Gallerie, welche jedoch, da man sie nicht mehr ohne Lebensgefahr betreten konnte, im Jahre 1776 abgetragen werden musste. Das Schloss zählte im Ganzen 5 grosse Säle, 76 Zimmer und 93 Kammern und die Sage geht, dass es so viel Fenster gehabt habe, als Tage im Jahre, so viel Feueressen, als Wochen, und so viel Wetterfahnen, als Monate. Noch jetzt unterscheidet man vier Flügel, Häuser genannt, nämlich das Lindenhaus gegen N. O., das Sommerhaus gegen N. W., das Hasenhaus gegen S. W. und das Küchenhaus gegen S. O. gelegen.

Im Lindenhaus war ein prächtiger Huldigungssaal und früher zeigte man auch das Zimmer, wo Kurfürst August zu drechseln pflegte. Im Sommerhause war der Fürstensaal mit den Bildnissen von 35 Sächsischen Fürsten, von Herzog Rudolph I. bis Kurfürst Johann Georg I. Im Hasenhause fand man im sogenannten Hasensaale an den Wänden lauter Hasen abgebildet in allen menschlichen Verrichtungen, als Kaufleute, Maler, Buchdrucker, ja sogar als Jäger.

Im Erdgeschoss befinden sich gut angelegte, geräumige und trockne Keller. Nur theilweise sind diese Räume zu den Wohnungen mehrer königlichen Officianten, so wie zu dem Locale eines geselligen Vereins eingerichtet.

Das mit einem schönen Portal verzierte, an der Nordseite befindliche Schlossthor, zu welchem man auf einer steinernen Brücke gelangt, führet in den innern Schlosshof ein, und stehet mittels einer Lindenallee [130] in Verbindung mit dem gegenüber an der Mittagsseite angebrachten Hinterthor. Durch letzteres tritt man in einen zweiten Hof ein, welcher links die ehemaligen Gebäude des Königl. Justiz- und Rentamtes, rechts ein grosses Stallgebäude, in der Mitte aber das Brunnenhaus enthält. Die Mittagsseite dieses Hofes umschliesst, den auf einer Terrasse angelegten, einen Belvedere tragenden Garten des Rentamtmanns.

In dem an dem Schlosshof stossenden Stallhofe befindet sich der 700 Ellen tiefe Brunnen, ein Meisterstück bergmännischer Baukunst, welcher theils gemauert, theils 286 Ellen tief in Felsen gehauen ist. Er ist zugleich mit dem Schlosse angelegt worden und die Kosten seines Baues schätzt man über 40,000 Thlr., eine für das 16. Jahrhundert ungeheure Summe. Das Wasser steht darinnen gewöhnlich 12 bis 16 Ellen hoch und hat daher erst einmal, in dem trocknen Sommer des Jahres 1800, wirklich versagt, wo der Brunnenwärter hinabsteigen musste. Binnen 8 Tagen wurden mehre alte Kübel und andere Geräthschaften herausgefördert, der Brunnen von allen Unrath befreit, und derselbe gab sein Wasser wie zuvor. Wenn Fremde den Brunnen besehen, wird gewöhnlich ein Kreuzholz mit 4 Lichtern hinuntergelassen, und man sieht das klare Wasser in seiner fürchterlichen Tiefe. Ein Pistol in den Brunnen geschossen, giebt ein Donner ähnliches Getöse. Ganz ausgeschöpft wurde dieser Brunnen ein Mal im Jahre 1651, wo Johann Georg mit grossem Gefolge zur Hirschjagd sich hier aufhielt. Ausser dem Bedarf für den Menschen mussten für 1000 Pferde täglich 150 Eimer Wasser geschafft werden, eine Quantität, welche der Brunnen 22 Tage beschaffte.

In dem Schlossgarten steht eine sehr grosse alte Linde, welche im Jahre 1421 gepflanzt wurde. Die Höhe derselben ist nicht beträchtlich, allein der Umfang des Stammes beträgt 19 Fuss und ihre Aeste breiteten sich sonst gegen 350 Fuss in der Runde, und ruheten auf einem eichnen Roste, den 77 steinerne Pfeiler trugen. Die Zeit und viele harte Winter haben dieser ehrwürdigen Linde manchen kräftigen Ast genommen und so hat sie jetzt nur 18 bis 20 Stützen nöthig.

In dem am westlichen Abhange des Schlosses angelegt gewesenen Bärengarten wurden noch zu den Zeiten August II. Bären gehalten, die zu den Jagden nach Dresden gebracht und nach deren Beendigung hier wieder aufbewahrt wurden. Obgleich die diesen Garten umgebende Mauer 12 Ellen hoch war, so statteten diese ungeleckten Thiere doch zu wiederholten Malen den ehrsamen Bürgern Schellenbergs ihre Besuche ab und betrugen sich dabei so unmanirlich, dass man im Jahre 1757 sich genöthigt sah, den letzten Sprössling der Bewohner dieses Gartens zu erschiessen. Der frühere Bärengarten ist an einen Privatmann vererbt. Die „dem Herrn Jesu Christo“ gewidmete Schlosskirche, unstreitig das erste nach Einführung der Reformation erbauete evangelische Gotteshaus, ist am 30. Januar, 1. und 2. Februar 1572 in Gegenwart Churfürst Augusts von dessen Hofprediger M. Philipp Wagner eingeweihet worden. Sie befindet sich an der Morgenseite, zwischen dem Linden- und Küchenhause, hat aber ihre Eingänge auf dem Schlosshofe und ist 28 Ellen hoch, 45 Ellen lang und 30 Ellen breit. Die Decke bestehet aus einem halbrunden, getieften, durchbrochenen Gewölbe, und die an den innern Wänden auf der Morgen-, Mitternacht- und Abendseite angebrachten, theils grösseren, theils kleineren Schwibbögen dienen zu Emporkirchen. Der Altar, an der Mittagsseite befindlich und um 3 Stufen gegen das Schiff der Kirche erhöhet, ist von Werkstücken zusammengesetzt und trägt zunächst der horizontalen Altartafel ein von hölzener Bildschnitzarbeit eingefasstes, in verticaler Richtung stehendes Postament, auf dessen blauen Grunde 3 Reihen mit vergoldeten Buchstaben eingeätzter lateinischer, von Dr. Georg Major, ehemaligen Professor der Theologie zu Wittenberg (von 1502–1574) verfasster Distiichen zu lesen sind, deren Inhalt das auf dem Postament ruhende Altargemälde erläutert. Dieses stellt den Erlöser am Kreuze in Lebensgrösse dar; zur Rechten ist Churfürst August mit seinen 8 Prinzen, zur Linken die Mutter Anna mit 6 Prinzessinnen, alle knieend mit zum Kreuz emporgehobenen Händen abgebildet. Tiefer im Hintergrunde rechts erscheint der leidende Christus im Garten von Gethsemane, links der von den Todten Auferstehende. Alle einzelne Parthieen dieses von Lucas Cranach verfertigten Gemäldes sind so vortrefflich, dass man nicht weiss, was man zu erst darin bewundern soll. Namentlich gilt dies von den churfürstlichen Eltern und Kindern; die allen gemeinsame Familienphysiognomie erhält durch die feinen, in den Gesichtszügen der Einzelnen angebrachten Nüancen ein besonderes Gepräge und einen unbeschreiblich lieblichen Ausdruck. Ueber diesem Gemälde, welches von zwei nach Alabaster-Art verzierten Säulen eingefasst wird, grenzen die in Holz geschnizten Churfürstl. Sächs. und Königl. Dänischen Wappen; dazwischen befindet sich das Bild der heil. Dreieinigkeit, auf dessen oberem Rahmen ein ebenfalls aus Holz geschnitzter Engel mit der Posaune ruht. Die an einem mittleren Pfeiler befestigte Kanzel, zeigt in 6 Feldern die Verkündigung, Geburt, Taufe, Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Christi auf Holz herrlich gemalt und mit vortrefflicher Schnitzarbeit eingefasst. Auf der innern Seite der Kanzeldecke erblickt man eine Abbildung Gottes des Vaters und des Sohnes Jesu Christi, der in jenes Schoosse ruht. Erwähnung verdient noch das prächtige von der Churfürstin Anna gestickte Messgewand. Es ist eine Stola von carmoisinrothem Sammet, mit kostbarer Stickerei in Seide, Gold und Perlen.

An dieser Kirche, in welcher jetzt noch alle Sonn- und Festtage Gottesdienst gehalten wird, ist der Pfarrer zu Schellenberg Schlossprediger und beziehet als solcher eine Besoldung vom Rentamte Augustusburg.

Augustusburg war der Lieblingsaufenthalt vom Churfürst August, welcher öfters zu sagen pflegte:

„Ich bin nirgends gesünder als auf meiner Augustusburg.“

Auch die Nachfolger Augusts haben hier sehr häufig Hof gehalten, z. B. Johann Georg I. im Juli 1617, ferner 1628, 1650. Unter diesen Fürsten trafen die Drangsale des 30jährigen Krieges auch Augustusburg: Es wurde am 22. Aug. 1632 von den Kaiserlichen Soldaten ausgeplündert.

Der Blitz hat in das Schloss eingeschlagen 1678 den 4. Juli, und den 19. Juni 1713 am ersten Pfingstfeiertag während des Vespergottesdienstes.

Im Jahre 1721 beabsichtigte man im Schlosse ein Fräuleinstift nach [131] der Weise des Altenburgischen anzulegen, und stellte zu dessen Förderung allhier, unter des bekannten Generals von. Kyau Direction die erste sächsiche Lotterie an: doch kam das Stift nicht zu Stande.

Im Kriegsjahr 1813 diente das Schloss zum Lazareth für die Franzosen.

Die Localien des sogenannten Stallhofs werden von den Behörden, die hier ihren Sitz haben, benutzt. Es befindet sich ein aus dem früheren Justizamt verwandeltes Gerichtsamt, ein Bezirksgericht, ein Rent- und Steueramt und eine Bezirkssteuereinnahme hier.

Das Gerichtsamt Augustusburg umfasst jetzt nur noch eine Stadt und 22 Landgemeinden mit 20931 Gerichtsbefohlenen.

Die einzige zum Gerichtsamte Augustusburg gehörige Stadt ist Schellenberg, welche sich um die Morgen- und Mitternachtsseite des Berges gleiches Namens ziehet, worauf die Augustusburg steht.

Schellenberg liegt 3 Stunden östlich von Chemnitz, 1¾ südwestlich von Oederan, 2½ Stunden nördlich von Zschopau, ¼ Stunde von dem rechten Ufer der Zschopau, ½ Stunde vom linken der Flöha, seine Lage ist eine der höckerigsten, die ein Ort haben kann, und beweiset allein schon, dass der Ort keinen andern Ursprung hat, als von Dienstleuten, welche sich unterm Schlosse Augustusburg ansiedelten, weshalb man annehmen kann, dass Schellenberg zugleich mit dem Schlosse im Jahre 968 entstanden ist. Jetzt zählt solcher 120 Häuser mit 1454 Einwohnern, welche letztre sich meist von der Weberei nähren. Die zur Stadt gehörigen Felder und Fluren betragen 536 Scheffel 14½ Metzen. Seit dem 11. Mai 1833 wird die Verwaltung der städtischen Angelegenheiten von einem Stadtrath besorgt, welcher auch das Besetzungsrecht über eine Freistelle auf der Landesschule Grimma ausübt. Die mehrfachen Brände, die Schellenberg betroffen haben, sind schon bei der Beschreibung vom Rittergute Höhenlichte erwähnt worden, so dass also hier eine Wiederholung für überflüssig erscheint.

Es bestehet hier, ausser einem Königl. Unter-Steueramte, eine Sparkasse, ein Gewerbeverein und eine Sonntagsschule, nicht minder auch eine sehr ansehnliche Cantoreigesellschaft.

Unter den Häusern zeichnen sich die Kindermannschen, Gottschaldschen und Thümerschen aus. Auch ist hier ein Erbgericht.

Die Nahrungszweige des Orts sind nicht bedeutend. Die Landwirthschaft wirft wegen des rauhen Klimas und wegen der ohnedies nicht starken, steinigten Flur wenig ab.

Er nährt sich daher nur theils mit Spinnerei von Flachs, Wolle und besonders Baumwolle, theils mit Cattun und andrer Weberei für die Handelshäuser zu Chemnitz und Oederan, auch Zschopau.

Das evangelische Jungfrauenstift, welches die Königin Christiane Eberhardine, Augusts II. Gemahlin, einige Jahre vor ihrem Tode stiftete, kam bei ihren Lebzeiten nicht völlig zu Stande, und unterblieb nach ihrem Tode gänzlich. Früher hies der Augustusburger Amtsbezirk das Amt Schellenberg und reichte bis Brand- und Purschenstein.

Eine Stunde von Schellenberg und Augustusburg liegt ein zu dem Letzteren ehedem gehöriges Fischhaus an der Flöha.

Dieses Lust-Fischhaus lies Christian II. in den Jahren 1608 bis 1610 anlegen; es hatte 5 Fischbehälter oder Teiche mit Ständern und Gerinnen. Im grossen Kreuzbehälter standen noch im Jahre 1770 Goldforellen. Sie wurden oft sehr gross und wogen 5 bis 6 Pfund. Die Fleischhauer zu Zschopau und Oederan mussten zur Fütterung dieser Fische eine bestimmte Zahl von Rindslebern liefern. Dieses Fischhaus ist in späteren Zeiten in Privatbesitz übergegangen.

M. G.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Leubsdorf
  2. handschriftliche Korrektur: Erhard van der Meer