Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Drebach

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Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Drebach
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aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 131–133
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 205.jpg
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Drebach


in Urkunden Tretebag, Dratbach, Trebach geschrieben, erstreckt sich über 1 Stunde lang in südwestlicher Richtung auf eine hochliegende Niederung hinauf und wird nur am niederen Ende von bedeutenden Höhen eingeschlossen, die ein freundliches Thal bilden. Es wird von einem kleinen Bache durchflossen, der mit seinen Krümmungen vielleicht dem Orte seinen Namen gegeben hat, wiewohl eigentlich in den frühern Urkunden Drebach nicht vorkommt. Der Ort selbst liegt 3 Stunden von Annaberg; 1¼ Stunde von Thum und 1¼ Stunde von Wolkenstein. Die Gründung des Ortes ist unbekannt: Er wird wegen seiner Lage und Grösse in Ober- und Nieder-Drebach getheilt und gehörte vor Einführung der neuen Gerichtsorganisation unter 5 verschiedene Obrigkeiten. Ein Theil, und zwar der grösste, gehörte zum dasigen Rittergute; der andere zu dem Rittergute Venusberg; der dritte zu dem Rittergute Thum, das letzte Bauergut im Oberdorfe zu dem Justizamte Wolkenstein und das demselben zunächst liegende Gut zu der Gerichtsbarkeit von Ehrenfriedersdorf. 11 Häuser, die in einer kleinen Entfernung vom Dorfe an dem Fusssteige liegen, der von Nieder-Drebach nach Herold führt, und erst in neurer Zeit angebaut worden [132] sind, werden die neuen Häuser genannt. Der Gesammtflächenraum des Dorfes beträgt 3107 Acker und 239 Q.-R. mit einem Boden, welchem immer ein bedeutender Ertrag abgewonnen wird, da die rauhen Nordwestwinde, welche die Gegend um Annaberg und Freiberg häufig treffen, nur theilweise die Ober-Drebacher Fluren berühren, welche 200 Fuss höher liegen und auf denen in der Regel auch 14 Tage später geerndtet wird. Die Zahl der Steuereinheiten beläuft sich auf 40,811.

Das hiesige neuschriftsässige Rittergut, zu welchem auch der obere Hof, der nur als Vorwerk betrachtet wird, gehört, zeichnet sich durch seine Gebäude, wie die Abbildung besagt, höchst vortheilhaft aus, da das alte Schloss am 12. Mai 1823 gänzlich abbrannte. Zum Rittergute gehören ausser der Schäferei und dem Jägerhause, eine Mahlmühle mit 2 Gängen, ein Brau- und Malzhaus, eine Schmiede, ein Kalkbruch und eine Kalk- und Ziegelbrennerei.

Als die frühesten bekannten Besitzer erscheinen die Herren von Wiedebach, welche vom 12. bis zum 14. Jahrhundert dasselbe behaupteten. Dann kam es an die Herren von Stange und bei diesen blieb es bis zum Jahre 1604[VL 1], wo der letzte, Christoph Heinrich von Stange, als Erbherr auf Venusberg, Drebach, Hilmersdorf, Naundorf, Streckewalde und Haselbach starb. Schon am 12. August 1602 hatte Churfürst Christian dem Hofrathe Gödelmann und dem geheimen Kammersecretair Moser wegen ihrer treugeleisteten Dienste das Versprechen gegeben: dass, wenn Hans Christoph von Stange ohne Lehnserben verstürbe, ihnen diese Güter zufallen sollten. Da nun mit Hans Christophs von Stange Tode das Geschlecht erlosch, so fiel Drebach mit den übrigen Gütern an die obengenannten Gödelmann und Moser. Diese theilten am 3. September 1647 die Güter unter sich durch’s Loos, wo die beiden Brüder Rudolph und David Gödelmann Ober- und Nieder-Drebach erhielten. Durch eine zweite Theilung fielen Ober- und Nieder-Drebach und Haselbach an David Gödelmann, der 1657 starb. Von diesem kamen die Güter an seine hinterlassenen Töchter, von denen die eine sich mit Hans Heinrich von Spielhausen vermählte. Im Jahre 1665 fiel das Gut dessen einzigem Sohne Heinrich Sigismund von Spielhausen zu. Von diesem kam es an Sigismund von Spielhausen, der 1741 starb. Nach dem Tode seiner Gemahlin fiel es im Jahre 1766 an August Sigismund von Zeutzsch, welcher im Jahre 1771 starb und das Gut seiner Gemahlin hinterliess, welche es im Jahre 1783 an Amalie Sophie von Schönberg verkaufte. Im Jahre 1790 brachte Christiane Christliebe Knechtel das Gut durch Kauf an sich und trat die Hälfte desselben an ihre Schwägerin Christiane Concordie Dietze ab. Nach dem Tode der letztgenannten fiel diese Hälfte an ihren Ehemann, den Bürgermeister Dietze in Annaberg. Dieser kaufte im Jahre 1802 auch die andere Hälfte und verkaufte das Gut im Jahre 1804 an Carl Heinrich von Elterlein. Der nachfolgende Besitzer war der Königl. Sächs. Hauptmann Freiherr Ferdinand von Hausen, zugleich Erbherr auf Lorch im Rheingau. Jetzt ist Herr K. W. Huschke damit beliehen.

In früherer Zeit zeichnete sich Drebach, vorzüglich durch Klöppelzwirnfabrikation aus und dieser Erwerbszweig erhob es zu einem blühenden Orte. Alt und Jung beschäftigte sich mit dem Zurichten des Flachses, mit dem Spinnen und Bleichen des Zwirns.

Beiderlei Geschlechts sponn vom 4. Jahre an, und besonders im Winter den selbst erbauten oder fremden Flachs. Der hierzu nöthige feine Flachs wurde theils hier erbaut und zugerichtet, theils auch von andern benachbarten Dörfern, z. B. Schönbrunn, Falkenbach, Wildenau, Gehringswalde und Hilmersdorf und die feinste Sorte von Grossrückerswalde bezogen. Die Vorrichtung geschah nicht allein durch die Garnhändler, sondern auch durch jene, welche mit dem Flachshandel sich beschäftigten.

Die Zurichtung des Strähnelzwirns erfolgte in Drebach auf holländische Art.

Der Strähnelzwirn wurde 1. von einigen auf einer kleinen Winde, die sich aufrecht um eine hölzerne Spindel drehte, ab, und in eine Schüssel geweift, oder 2. von andern sogleich an Zwirnspulrädchen von 2 Personen auf Papierspulen einfach geweifet, wo er durch einige Drähte, die an der Stubendecke angebracht waren, durchging, ehe er an die Spule kam, damit er wieder auseinander gemacht werden konnte, wenn er sich durch das Aufwinden aus der Schüssel durch die Drähte verfitzt hatte. Hierauf wurde er 3. auf dem grossen 12spindeligen Zwirnrade nochmals gezwirnt; war dieses geschehen, so wurden 4. auf der holländischen Weife, die im Umfange 40 Zoll haben sollte, 100 Fäden, jeder zu 40 Zollen, zu einem Strähn (Strähnel) geweift. Sodann wurde derselbe 5. in Seite ausgewaschen, rein ausgespühlt, damit keine Seite darinnen zurück blieb, geblauet, von der blauen Farbe durch starkes Auswinden gereinigt, zum Trocknen an Ellenlangen runden Stäben von 1 und einem halben Zoll im Durchmesser aufgehängt und durch Gewichte oder Steine, die an den unten durchgezogenen Stäben befindlich waren, ausgestreckt und straff gemacht. War derselbe nun völlig an der Sonne oder der Luft getrocknet, so wurde er 6. nach Strähneln ausgewogen und in die Nummer gesetzt.

In der neuern Zeit liegt dieser Nahrungszweig ganz darnieder, da die Spitzen von Baumwolle die von Zwirn ganz verdrängt haben.

Mit dem Bergbau, der früher sehr ergiebig gewesen sein soll, sind in der neuern Zeit verschiedene Versuche, aber ohne sonderlichen Erfolg gemacht worden. Jetzt gehören Fabrikarbeit, Klöppeln und Strumpffabrikation zu den reichlicheren Erwerbsquellen.

Unter der Zahl der hiesigen Einwohner befinden sich ein praktischer Arzt und Geburtshelfer, 4 concessionirte Krämer, 5 Fleischhauer, 4 Schmiede, 2 Wagner, 2 Seiler, 2 Tischler, 3 Korbmacher, 1 Brauer, 1 Sattler, 1 Glaser, mehrere Schneider, Schuhmacher, viele Strumpfwirker, Zimmerleute und 135 Maurer, von denen Viele während des Sommers in entfernten Gegenden Arbeit finden.

Ferner sind hier 5 Mahlmühlen, 2 Oelmühlen, 1 Schneidemühle und 1 Gasthof.

Die Kirche ist seit dem Jahre 1825 neu, geräumig und schön. In der Nacht von 11. zum 12. Mai 1823 brach nämlich in der von der Kirche gegen 500 Schritte entfernt liegenden sogenannten Bretmühle Feuer [133] aus, welches zuerst 2 nahgelegene Häuser, dann fast zu gleicher Zeit die Rittergutsscheune und das Schulhaus durch Flugfeuer entzündete und zuletzt die Kirche ergriff. Der wüthende Sturm, der sich, nach dem die Mühle fast niedergebrannt war, erhob, das Schrecken der Nacht und die Höhe des Feuers machten das Löschen der Glut unmöglich und sämmtliche Gebäude nebst Kirche und Thurm wurden in wenigen Stunden ein Raub der Flammen.

Die jetzige Kirche liegt mit ihrem schönen 96 Ellen hohen Thurme am Ende des Niederdorfes, 1500 Pariser Fuss über der Meeresfläche, auf einer kleinen Anhöhe und ist 53 Ellen lang, 29 Ellen tief, 20 Ellen hoch und hat 17 Fenster.

Das Innere der Kirche ist geräumig, hell und einfach, den Altar, über dem die Kanzel erbaut ist, ziert ein Oelgemälde, die Stiftung des heiligen Abendmahls vorstellend, und 2 Kronleuchter von Glas tragen zum Schmucke des Ganzen bei. Es kostet Kirche und Thurm, mit Ausschluss der Fuhren, welche die Begüterten unentgeldlich zu leisten hatten 20,612 Thlr. – gr.

An milden Gebern zur innern Ausschmückung der neuen Kirche fehlte es ebenfalls nicht.

Die Kirchengemeinde schenkte der Kirche eine silberne Hostienschachtel mit Luthers Brustbild; die Frau Stadtrichter Walther in Annaberg einen silbernen, inwendig vergoldeten Sieblöffel; der Kaufmann Schubert daselbst ein zinnernes Taufbecken; der Königl. Bettmeister Treuwitz in Pillnitz 2 zinnerne Vasen mit künstlichen Blumen; der Mühlenbesitzer Helbig in Wiltzsch eine vollständige Altarbekleidung von blauem Sammtmanchester mit gelben, seidenen Franzen. Die 2 Kronleuchter von Glas sind ein Geschenk des Mauermeister Drechsel in Drebach und Ellor in Venusberg und dem Hufschmiedemeister Schenk in Drebach.

Nach Drebach sind eingepfarrt, Dorf und Rittergut Venusberg, Griesbach, Herold und das Dörfchen Wiltzsch.

Die Pfarrwohnung ist zum Theil alt, aber sehr geräumig. Zur Pfarre gehören 2 Güter, welche mit Einschluss der Wiesen und Gärten, 39 Acker und 10 Q.-R. enthalten.

Der hiesige Pfarrer ist zugleich mit dem Pfarrer in Wolkenstein Verwalter eines von dem Forstl. Anhaltischen Amtmanne Friedrich Graube zu Zerbst gestifteten Legats, welches 564 Thlr. beträgt und dessen Zinsen als Stipendium (jährlich 10 Thlr.) an einen Geschlechtsverwandten, und in dessen Ermangelung als Lehrgeld und Ehesteuer an Vettern und Muhmen verwendet werden.

Die Kirch-Schule zu Drebach besuchen 190 Kinder. Zur Schule gehört ein Garten, welcher 48 Q.-R. und ein Stück Feld, welches 2 Acker und 15 Q.-R. enthält.

Die Schule zu Ober-Drebach wird von 166 Kindern besucht.

Collator über Kirche und Schulen ist der jedesmalige Besitzer des Rittergutes von Venusberg. Drebach mit seinen 230 bewohnten Gebäuden und 441 Familienhaushaltungen zählt 2442 Einwohner und ist dem Gerichtsamte Wolkenstein und dem Bezirksgerichte Annaberg zugetheilt und der Amtshauptmannschaft Niederforchheim im Regierungsbezirke Zwickau unterworfen.

M. G.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: 1604