Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Bischheim

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Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Bischheim
Untertitel:
aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 49–52
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Bischheim


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Bischheim.


Das Dorf Bischheim, in früherer Zeit Bischofsheim genannt, liegt eine Viertelstunde von Camenz und eine starke Stunde von Pulsnitz in einem freundlichen Thale, welches von hohen Bergen umschlossen ist, von denen namentlich der Heiligenberg, dessen Gipfel sonst der Todtenstein hiess, sich auszeichnet. Der Ort wird von der Haselbach durchflossen, die urkundlich im dreizehnten Jahrhundert unter dem Namen der kleinen Pulsnitz vorkommt und im unteren Theile des Dorfes sich mit der Weissbach vereinigt. Die Einwohnerschaft des schönen grossen fast eine halbe Stunde langen Dorfes, das hundertzehn Nummern zählt, beläuft sich auf mehr als sechshundert Köpfe und nährt sich hauptsächlich von erlernten Handwerken, Leinenfabrikation und Bandweberei. Bischheim enthält eine Kirche mit Pfarre und Schule, ein Gemeindehaus, ein Wirthshaus, eine Mühle, zwei Schmieden, neunzehn Bauergüter, einen Grosshäusler, zwölf Gärtner, siebenzehn Häuslernahrungen und sechszig Häuser ohne Feld. Ausser diesen Gehöften und Häusern befindet sich am oberen Ende des Dorfes noch eine zweite, hierher gepfarrte, aber nach Hennersdorf gehörige Mühle, im Mitteldorfe aber steht das Rittergut mit einer dritten 1838 erbauten Mühle und einem trefflichen Lustgarten mit Gewächshaus und Park, hübschen Teichen und Cascaden. Das zum Rittergute gehörige Beigut oder Niedergut liegt am Ende des Unterdorfes. Uebrigens gehören zum Rittergute noch eine etwas entlegene Ziegelscheune, ein Sommerstall von dessen hohem Standpunkte man eine vorzüglich schöne Aussicht geniesst, sowie ein Vorwerk, Weidigt genannt, auf dessen Stelle sich von 1489 bis 1542 eine der heiligen Walpurgis geweihte Capelle befand. Seit dem Jahre 1632 besitzt das Rittergut Bischheim auch die Luchsenburg mit einigen Scheffeln Feld und Wiesenland nebst einer Försterei, welche zwei Stunden von hier am südwestlichen Abhange des geognostisch und geschichtlich merkwürdigen Hochsteines, oder Sibinnensteines, nach Siwa der Göttin des Lebens und der Liebe so genannt, gelegen ist. Die „Luchsenburg“ heisst ein Theil des grossen zwischen Obersteina, Rehnsdorf, Rammenau und Hauswalde gelegenen, namentlich mit Rothbuchen und Tannen bestandenen vortrefflichen Forstes, der seinen Namen wohl von den vielen Luchsen erhielt, welche in den Felsenklüften des Hochsteins wohnten, wie er denn auch wegen der vielen vormals hier gefundenen wilden Schweine oft der Schweinsgrund genannt wird.

Es ist nicht genau bekannt zu welcher Zeit die Aue, welche sich von diesem Hochwalde aus durch Mehrsdorf und Gersdorf nach Bischheim hinabzieht und unterhalb Häslichs immer mehr erweitert und verflacht, angebaut wurde. Höchst wahrscheinlich gründeten Bischheim die Sorben denn nicht nur dass alle umliegenden Ortschaften von ihnen herrühren berichtet auch eine Consignation von 1723 dass damals in hiesiger Kirche noch in wendischer Sprache gepredigt wurde, so dass man wohl annehmen kann, der Ort habe den deutschen Namen erst längere Zeit nach seiner Entstehung erhalten. Die Volkssage berichtet, der fromme später heilig gesprochene Bischof Benno von Meissen, der von 1060 bis 1106 lebte, habe hier ein Lustschloss besessen, worin er auf seinen häufigen Reisen von Meissen nach Budissin zu wohnen pflegte. Damals war indessen die Landstrecke zwischen Camenz und Pulsnitz noch dürftig angebaut und bevölkert, so dass die wenigen Edelhöfe mit den elenden Hütten der Leibeigenen kaum die Namen von Dörfern verdienten, denn in der bekannten Urkunde über die 1213 stattgefundenen Grenzberichtigungen zwischen Böhmen und Meissen wird diese Gegend als reich an Bergen, Flüssen und Steigen genannt, während in anderen Distrikten nicht nur die Namen der Dörfer aufgezeichnet, sondern auch „alte Aecker so vor alten Zeiten angebaut“ erwähnt sind. Uebrigens konnten die Burggrafen nicht daran denken für die Bevölkerung des platten Landes zu sorgen so lange die bedeutenderen Orte ihres Gebietes noch klein und unansehnlich waren; Camenz selbst war damals nur ein Marktflecken und Pulsnitz ein Dorf, bis jenes nach einem 1255 stattgefundenen Brande, der es gänzlich einäscherte und dieses 1375 zur Stadt erhoben wurde.

Obgleich die Sage behauptet dass Bischof Benno von Meissen oft in Bischheim gewohnt und dadurch dem Orte einen deutschen Namen verschafft habe, ist es doch wahrscheinlicher dass Bischof Witigo I. zu Meissen, der von 1266 bis 1293 regierte, dazu Veranlassung gab. Dieser stolze, ritterliche Prälat war ein Sohn des Burggrafen Bernhard von Camenz, der hier das Lehnrecht ausübte. Als ältester Sohn des Burggrafen besass Witigo in hiesiger Gegend mehere Erbgüter und da er sein Geburtsland [50] liebte und sich oft hier aufhielt, vielleicht auch gerade zu Bischheim sich heimisch fühlte, so nannte man den Ort Bischofsheim.

Die älteste urkundliche Nachricht über Bischheim nennt als Herren des Ortes Heinrich und Witigo von Camenz (1302) dem Burggraf Bernhard, Gemahl der Gräfin Catharina von Donyn folgte. Dieser Bernhard belehnte einen Edlen, Reinhard, mit Bischheim, nach dessen Tode aber gab der Burggraf die Lehn an dessen Wittwe, Frau Ilse, und da diese dem Seelhause zu Camenz, welches Frau Kune Noske gegründet, zwanzig Groschen ewigen Zinses, vier Hühner, ein Schock Eier, einen Groschen von einer Sichel, drei Groschen von drei Pflügen, sowie drei Scheffel Korn und drei Scheffel Hafer von Seiferts Gute zuschreiben wollte, gab der Burggraf dazu seine Bestätigung (1362). Burggraf Bernhard starb in hohem Alter gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts und sein einziger Sohn, Borso, vermählt mit Anna von Heynitz wurde Lehnsherr auf Bischheim; der Grundbesitz aber war damals schon der vom Burggrafen Witzmann gestifteten Hauptlinie der Familie Camenz zuständig. Witzmann, der auf dem Schlosse Camenz sass, starb 1415, zu welcher Zeit ein Theil der Stadt Pulsnitz, Prietitz, Häslich und andere Ortschaften, vielleicht in Folge einer Theilung, dessen ältestem Sohne Heinrich gehörten, Bischheim aber scheint Witzmann diesem schon früher überlassen zu haben da er in einer vom Vater 1415 ausgestellten Urkunde Heinrich von Camenz-Bischheim genannt wird. Dieser Heinrich verkaufte Bischheim mit Bewilligung des Lehnsherrn Borso schon 1420 an einen Vetter, Caspar von Ziegelheim. Durch den Verkauf eines bedeutenden Landstrichs in der Nähe von Lückersdorf und Brauna, die Ohle genannt, kam das Rittergut so herab, dass es kaum die Bedeutung eines Vorwerks behielt, bis im siebzehnten Jahrhundert durch Arealankäufe es zu neuer Grösse heranwuchs. Ritter Caspar von Ziegelheim hatte 1420 die Hälfte der Ohle an die Freibauern oder Potzker zu Lückersdorf verkauft, die andere Hälfte überliess er 1423 drei Bürgern zu Camenz. Gleichwie Borso von Camenz den Käufern die Lehn über die Ohle ertheilte, legirte er auch 1421 unter andern zwei Schock Mariengroschen auf Bischheim zum Besten des Altars zum heiligen Kreuze in Camenz. Der Ritter von Ziegelheim scheint Bischheim an Nikol von Heynitz, einen Sohn der Burggräfin von Camenz aus erster Ehe, verkauft zu haben, denn als dessen Stiefvater Borso 1438 mit Tode abging hatte Nikol bereits die Lehn über das Gut empfangen.

Borso von Camenz war der letzte Burggraf seines Geschlechts, dessen ausgedehnte Afterlehnsherrlichkeit dadurch ihre Endschaft erreichte, indem das Lehnsrecht jetzt dem Landesherrn zufiel. Schon 1432 hatte Borso nicht nur die Burg Camenz nebst allem Zubehör, sondern auch die Anwartschaft auf das bis zu seinem Ableben ihm überlassene Freihaus in der Stadt und den Baumgarten vor derselben der Bürgerschaft zu Camenz für zweihundert Mark verkauft. Nach seinem Tode wurden Nikol von Heynitz nebst den übrigen Vasallen Borsos (am Sonnabend nach Martini 1438) vom Kaiser Albrecht II., als König von Böhmen, mit ihren Besitzungen aufs Neue belehnt, und zwar heisst es in Bezug auf Bischheim in der noch vorhandenen Urkunde „mit Bischofsheim und dem Kirchenlehn, unschädlich Hans Kunaten an seiner Gerechtigkeit die er da hat, mit dem was er in Gelenau besass und mit der Hälfte des langen Holzes“ – Nikol von Heynitz verkaufte 1443 alle seine Gerechtigkeit in Bernbruch an die Stadt Camenz, es ist jedoch nicht zu ermitteln wenn er starb und ob Bischheim sich auf seinen Sohn forterbte. Vielleicht kam das Gut in Besitz seines Sohnes oder Enkels Johann von Heynitz, der 1510 Dorf und Vorwerk Lückersdorf für 780 Gulden kaufte, aber nur kurze Zeit besass. Die einzige noch vorhandene Urkunde aus jener Zeit ist vom Jahre 1459 und behandelt den Verkauf des Weidigts, welches Kunat in Gelenau an Hans Richter in Bischheim veräusserte. Dieses Weidigt, auch Erlicht genannt, gab im Jahr 1508 Veranlassung zu einer langwierigen Streitigkeit, durch welche der Besitzer des Rittergutes Bischheim wiederum gedacht wird.

Im Jahre 1476 erbten die Gebrüder Hans, Nikol, Georg, und Heinrich von Ponikau, nebst ihrem Vetter Jakob von Ponikau, die Städte Pulsnitz und Elstra sammt einundzwanzig Rittergütern. Die Söhne des ältesten dieser Brüder, Hans und Nikol von Ponikau, besassen zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts Elstra, Prietitz, Wohla, Rehnsdorf, Mehrsdorf, Gersdorf und viele andere Güter, darunter auch Bischheim, wegen dessen sie Ansprüche auf das Gelenauer Weidigt erhoben. Der Rath zu Camenz behauptete dagegen das Weidigt sei Eigenthum der Stadt und liess ohne Zögern den Wald niederschlagen und das Holz wegbringen. Längst schon war die wachsende Macht der Städte der Ritterschaft ein Aergerniss und so liess der Landvoigt Sigismund von Wartenberg auf die Klage der Ponikaus sich leicht bestimmen mit einem Reiterhaufen vor die Stadt zu ziehen und Auslieferung der Rathsherren zu verlangen welche die erwähnte Selbsthülfe gefordert hatten. Der Zorn des Landvoigts wurde jedoch bald durch Vermittelung der mächtigen Sechsstadt Budissin besänftigt, Camenz musste dreihundert Gulden zahlen und am Sonnabend nach Oculi 1513 kam ein Vergleich zu Stande der beide streitenden Partheien zufrieden stellte.

Hans von Ponikau, der auf Elstra wohnte war von 1504 bis 1509 Landesältester des Budissiner Kreises, gehörte zu den Edelleuten, welche [51] 1504 sich weigerten den Polnischen Prinzen Sigismund als Landvoigt der Oberlausitz anzuerkennen, weil er kein Böhmischer Herr sei, und wurde später Amtshauptmann. Er starb ohne Nachkommen und ruht in der Klosterkirche zu Camenz vor dem Altar. Sein Bruder Nikol, 1516 Landesältester des Budissiner Kreises, war zuerst mit einem Fräulein von Kalkreuth, dann mit einem Fräulein von Ende vermählt und starb 1540. Durch seine beiden Söhne wurde Nikol von Ponikau Stifter der Oberlausitzischen Linie dieser Familie, während Hans von Ponikau, ein Enkel des obenerwähnten, mit Anna Pflugk aus dem Hause Strehla vermählten Vetters Jakob, die Meissner Linie gründete. Der älteste Sohn Nikols von Ponikau, Wolf, wurde ebenfalls Landesältester des Budissiner Kreises, vermählte sich mit Magdalena von Schönberg aus dem Hause Reichenau und starb am 1. December 1580. Von seinen Kindern besass Hans Fabian die Hälfte von Elstra, Tobias Rammenau, Wolf Frankenthal, und Abraham Kriepitz; Magdalena vermählte sich mit einem Herrn von Nostiz. Der zweite Sohn Nikols, Hans von Ponikau, 1572 Amtshauptmann und Herr auf Königswartha, Bruckwitz, Neschwitz und Döbra hatte zur Gemahlin Barbara von Gablenz aus dem Hause Wendischluppa und starb 1578 zu Prietitz. Die Vormundschaft über die hinterlassenen sechs Kinder führte bis zu deren 1591 erfolgten Mündigkeit die Wittwe mit zwei Beiständen, in welchem Jahre die Güter durch das Loos in Theilung kamen. Der älteste Sohn, Hans Wolf von Ponikau erhielt Prietitz, die Hälfte von Elstra, Baselitz, Hennersdorf, Rehnsdorf, Gersdorf und Bischheim, vermählte sich mit Anna von Bünau aus dem Hause Liebstadt und starb 1617 zu Dresden, wurde aber in Camenz beerdigt, wo sein schönes steinernes Epitaphium noch in der Kirche vorhanden ist. Ein Jahr vor seinem Tode hatte dieser Herr seine Güter, bis auf Baselitz und Hennersdorf für 72000 Thaler an seinen Vetter, Hans Fabian verkauft, einen sehr reichen Mann, dem Elstra mit Rauschwitz, Kindisch, Taschendorf und Bocka, Prietitz mit Mehrsdorf, Rehnsdorf, mit Gersdorf, Wohla, mit Welka, Boderitz, Ossel, Talpenberg und Dohrig, Bischheim und seit 1617 auch Baselitz gehörte. Er war Landesältester des Budissiner Kreises und hat als solcher sich grosse Verdienste erworben. Von 1602 bis 1620 wurde er nicht weniger als elf Mal von den Ständen der Oberlausitz zu wichtigen Sendungen verwendet, und als er von der Deputation, welche beim Friedensschlusse Kaiser Rudolphs II. mit der Türkei und Ungarn (1605) zu Wien anwesend war, zurückkehrte überreichten ihm die Stände eine goldene Halskette mit anhängender Ehrenmedaille. Im Jahre 1608 gehörte Hans Fabian von Ponikau zu der Deputation welche nach Prag gesendet wurde um daselbst Religionsfreiheit für die Oberlausitz zu erbitten; 1611 war er daselbst bei der Kaiserkrönung und 1619 verhandelte er zu Prag mit den Directoren der evangelischen Stände. Später wurde er zum Defensor der Religionsfreiheit ernannt, half an Ferdinands Stelle den Churfürsten Friedrich von der Pfalz zum Böhmischen König wählen, und wohnte 1620 dem Landtage zu Prag als Abgeordneter bei, wo er den König Friedrich zur persönlichen Huldigung nach Budissin einlud. Hiermit hatte Hans Fabian von Ponikaus politische Wirksamkeit ein Ende, denn nach dem Bündnisse Churfürst Johann Georgs I. mit dem Kaiser Ferdinand besetzte Ersterer die Lausitz und nahm auch von Elstra Besitz. Der erbitterte Churfürst hatte nebst zehn andern Ständen der Provinz auch Fabian von Ponikau von der erlassenen Amnestie ausgeschlossen und so musste dieser nach Cottbus flüchten, seinen Amts- und Glaubenseifer mit 20000 Gulden büssen und seine Güter zwei Jahre lang von Carl von Krahe administriren lassen. Nur mit Mühe gelang es seinen Freunden, zwei Herren von Schönberg, ihm Begnadigung zu verschaffen. Seine erste Gemahlin, Magdalena von Lichtenhain, beschenkte ihn mit zehn, seine zweite, Ursula von Klix mit vier Kindern. Fabian von Ponikau starb, zweiundsiebzig Jahre alt am 18. Juni 1632 und bei der Gütertheilung empfing Bischheim sein sechster Sohn, Hans Otto.

Bei des Vaters Tode war Hans Otto von Ponikau noch unmündig, deshalb wurde Bischheim von 1633 bis 1642 von seinem Stiefbrüder Hans Wolf und von 1643 bis 1647 von seinem Bruder Caspar verwaltet. Kaum aber hatte Hans Otto von Ponikau die Mündigkeit erlangt, so verkaufte er Bischheim an Hans Friedrich von Ponikau, einen seiner Brüder, und zog auf Niederneukirch am Hochwalde, wo er sich mit Sabine von Grünrod vermählte und 1695 als churfürstlich Sächsischer Kammerherr mit Tode abging. Der neue Besitzer von Bischheim, Hans Friedrich von Ponikau, vermählt mit Maria Anna von Schleinitz aus dem Hause Heyda und Schmölen, erlebte auf dem Gute viel Unglück und Verluste. Im Jahre 1633 bestand nach noch vorhandenen Verzeichnissen das Rittergut Bischheim aus einem Herrenhause mit Zubehör, einer Mahl- und Bretmühle, fünfundzwanzig Maltern Feldland, zweihundertsiebzehn Ackern Holzung, einer Wiese bei Gersdorf, dem Kirchenlehn, Ober- und Untergerichten, Jagdgerechtigkeit, Bach- und Teichnutzung. Zur Oekonomie gehörten fünfundzwanzig Stücken Rindvieh, sechshundert Schafe und neunundzwanzig Pflüge der Bauern, dazu die Frohndienste von zehn Gärtnern und fünf Häuslern, ausserdem mussten die Unterthanen jährlich dreiunddreissig Stück Garn spinnen und beträchtliche Erbzinsen entrichten. Der dreissigjährige Krieg hatte durch Noth und Seuchen den Wohlstand und die Zahl der Einwohner Bischheims dergestalt reduzirt, dass der Rittergutsgutsbesitzer durch unaufhörliche Verluste sich endlich gezwungen sah Bischheim zu verkaufen. Im Jahre 1678 zog Hans Friedrich von Ponikau [52] mit seinen drei Töchtern und dem einzigen Sohne, Caspar Rudolph, nach Liebenau.

Der Käufer Bischheims war Nikolaus von Maxen, churfürstlich Sächsischer Stallmeister, Kammerherr und Herr auf Ober- und Niederjehser, Hennersdorf, Pulsnitz und Ohorn, vermählt mit Justine Eleonore von Werthern und gestorben zu Pulsnitz am 22. Jan. 1712. Von seinen sechs Kindern übernahm Jehser und Bischheim der Königl. Polnische und Churfürstl. Sächsische Kammerherr Friedrich Gottlob von Maxen, der seinen Brüdern durch Vergleich 26000 Thaler herauszahlte. Er hat ungemein viel für die hiesige Kirche und Pfarre gethan, und überhaupt ein gesegnetes Andenken hinterlassen. Seine Gemahlin war Charlotte Sophie Pflugk aus dem Hause Strehla, die Wittwe eines Herrn von Schleinitz auf Zottewitz, Blattersleben und Golsche, die ihm jedoch keine Kinder gebar. Nach seinem 1751 zu Dresden erfolgten Tode wurde die Leiche nach Bischheim gebracht und vor dem Altare beigesetzt. In dem Testamente hatte der sel. Kammerherr seiner Gemahlin für ihre sämmtlichen Anforderungen aus der 1749 abgeschlossenen Ehesliftung dreitausend Thaler ausgesetzt, seine beiden Stieftöchter aber mit Legaten bedacht. Die männlichen Descendenten seines Bruders Johann Georg auf Pulsnitz erhielten das festgesetzte Lehnsquantum von funfzehnhundert Thalern, Bischheim aber seine Vettern Johann Georg und Johann Niklas von Maxen, die es jedoeh schon 1752 an ihre Muhme Charlotte Sophie von Schleinitz, des Erblassers Stieftochter, verkauften, die sich ein Jahr darauf mit dem Obersten der Garde du Corps Balthasar Erdmann von der Heydte vermählte. Sie starb vier Jahre nach ihrem Gemahl am 28. Juni 1784, und hinterliess den Ruf einer frommen wohlthätigen Dame, deren Testamentsbestimmungen noch heute manche Dankesthräne erwecken. Das Gut hatte sie bald nach dem Tode des Gemahls einem Neffen, Wilhelm Sigismund Julius Pflugk auf Strehla, Trebnitz und Zschepa, Churfürstl. Sächsischen Kammerherrn zugeeignet der 1802 im vierundsechszigsten Jahre zu Strehla verschied, nachdem Bischheim bereits am 29. November 1797 durch Kauf an seine zweite Gemahlin Justine Luise Henriette geborene von Carlowitz gekommen war, die sich 1806 mit Herrn Wilhelm Eberhard Ferdinand Pflugk auf Strehla, Grossherzogl. Sächsischen Kammerherrn und Senior des Pflugk’schen Geschlechts vermählte.

Die Kirche zu Bischheim, in die auch das angrenzende Dorf Häslich eingepfarrt ist, wurde auf Bischof Witigos Veranlassung auf dem höchstgelegenen Punkte des Ortes erbaut, wo man wahrscheinlich ein dort befindliches Bauerngut abtrug und dessen Areal zur Pfarre schlug, ein nahes Gehöfte aber zur Wohnung des Geistlichen aquirirte. Die älteste Kirche erlag der Wuth des hussitischen Gesindels bei der Erstürmung und Vernichtung der unglücklichen Stadt Camenz und erst gegen Ende des funfzehnten Jahrhunderts baute man das zerstörte Gotteshaus mit Benutzung der stehengebliehenen alten festen Mauern wieder auf. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war jedoch nicht nur die Kirche, sondern auch der Thurm so schadhaft geworden, dass man zu einer Hauptreparatur schreiten musste, wozu ein Theil der Kosten durch eine Collecte herbeigeschafft wurde. Als nun aber im Jahre 1803 Bauverständige eine zweite Reparatur der Kirche für unmöglich erklärten, musste ein Neubau vorgenommen werden, der im nächsten Jahre soweit gediehen war, dass am 18. November 1804 das neue Gotteshaus eingeweiht werden konnte. Sämmtliche Baukosten betrugen 3775 Thaler 22 Gr. 8 Pf.

O. Moser.