Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Crimmitzschau

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Titel: Crimmitzschau
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aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 209–210
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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[209]
Crimmitzschau


auch Crematschowe, Cremaschowe, Crimescowe, Krymptzschowe, Krymptzschow, Krumzou, Crimptschow, Crimpschou, Crimetzau, Crimetzschau, Crimptschau, Crimetschow, Crimmetschau, Crimmtzschau, Crimmitz, Crimmitzsch, Crimmritz, Krymitzschau und endlich erst Crimmitzschau oder Crimmitschau gennant. Das letztere ist wohl das richtige; man wirft nämlich das z aus dem Grunde heraus, weil es ursprünglich ohne z geschrieben wurde, weil tzsch kein deutscher Laut ist, und weil man eben deshalb in der neuere Zeit das z nicht nur in allen deutschen Wörtern, die sonst mit tzsch geschrieben wurden, sondern auch namentlich in den Ortsnamen weglässt.

Was der Name Crimmitschau oder ursprünglich Crematschowe bedeutet, ist wohl nicht genau zu bestimmen; man sagt, es heisse so viel wie krumme Aue, weil sich das Pleissenthal in dieser Gegend merklich krümmt.

Ein besonderes Schloss war bei Begründung der sehr alten Stadt nicht vorhanden, sondern der Sitz der Herren von Crimmitzschau war in Schweinsburg, welches in den ältesten Zeiten das Schloss Crimmitzschau benannt wurde. Schweinsburg war eine förmliche Festung. Die um das Schloss herumwohnenden Männer, so wie einige in Neukirchen, mussten es vertheidigen helfen und hatten den Namen Schlosserer. Für die Vertheidiger war auf dem Schlosse eine Capelle, worin sie sich durch den Genuss des heil. Abendmahls, von einem Mönche aus dem Kloster Crimmitzschau vorbereiten liessen.

Die Stadt, so wie das Kloster von Crimmitzschau, die Carthause genannt, und andere Häuser, hatten das jus praesidii darauf, oder das Recht, dass sie in gefährlichen Zeiten ihre besten Habseligkeiten ins Schloss schaffen und daselbst in Sicherheit bringen durften.

Für dieses Recht zahlte der Crimmitzschauer Rath 1 Tonne Heringe und 1 Stück graues Tuch. Andere gaben Schlosshafer. Den Namen Schweinsburg erhielt das Schloss im 16. Jahrhundert, wahrscheinlich von den wilden Schweinen, die damals in dem dazugehörigen Walde gehegt wurden.

Kaiser Heinrich I. ist der Erbauer des Schlosses Crimmitzschau, so wie auch der Stadt Crimmitzschau. Doch bleibt die übrige Geschichte der Stadt in Dunkel gehüllt. Erst mit Anfang des 13. Jahrhunderts beginnt es wieder lichter zu werden und ein gewisser Heinrich von Cremetschowe ist zu dieser Zeit Besitzer der Stadt und des Schlosses, aller Wahrscheinlichkeit ein Herr aus dem Hause Schönburg.

Die Nachkommen desselben haben bis 1403 die Stadt besessen. Der letzte war Siegismund; er starb ohne Erben, und nun kam Crimmitzschau an den Markgrafen von Meissen, Wilhelm den Reichen.

Im Jahre 1436 erhielt es der Herzog Wilhelm der Tapfere und 1443 Churfürst Friedrich der Sanftmüthige.

Von dem Jahre 1456 waren die Besitzer Heinrich Reuss; 1462 Hans Metzsch; 1474 Hans Federnagel, welcher das Carthäuserkloster in Carthause stiftete und von den alten Reglerherren, die zuvor das Kloster inne hatten, einen Capellan auf dem Schlosse annehmen musste; im Jahre 1487 folgte Kilian Schicker; 1519 Ehrenfried von Ende; 1528 Johannes Weissbach, dieser und seine Nachkommen besassen die Stadt bis zum Jahre 1582; im Jahre 1583 Hildebrand von Einsiedel; 1605 Bernhardt von Starschedel; 1647 Carl Bose; 1657 die Söhne des Letzteren, Carl Christian und Friedrich Carl; 1689 Appellationsrath Carl Gottfried Bose, Sohn des zuletzt Genannten, bald darauf Carl Friedrich Bose, Bruder des Letztern; 1715 Frau Christiane Sophie verw. von Schleunitz; 1719 Gebrüder von Bose, Carl Gottlob und Hans Abel und Gebrüder von Görne, Hans Christoph und Carl Samuel; 1721 Hans August von Berbisdorf; 1735 die Söhne desselben, Caspar Siegismund und Adolph August; 1764 die Mutter des letzteren, Frau Christiane Dorothea, geb. Edle von der Planitz; diese verkaufte 1765 die Stadt nebst Zubehör an Herrn Johann Christian Seyfferth, einem Mann, dem Crimmitzschau das Aufblühen seines Handels und seiner Industrie zu verdanken hat.

Ihm folgten als Besitzer im Jahre 1798 seine drei Söhne: Adolph Ludwig und Heinrich, von denen namentlich der Erstere das angefangene Werk seines Vaters, die Hebung der Industrie Crimmitzschau’s fortsetzte.

Nach dem Tode von Adolph und Heinrich Seyfferth, wurde im Jahre 1813 Ludwig Seyfferth, Advocat in Weissenfels, allein Gerichtsherr von Crimmitzschau. Dieser trat aber die Gerichtsherrschaft im Jahre 1819 an seinen Sohn, Dr. Woldemar Seyfferth ab, und nach der Subhastirung derselben, im Jahre 1842, kaufte sie die Commun zu Crimmitzschau, welche ein Stadtgericht errichtete, welches jetzt in ein Gerichtsamt verwandelt worden ist.

Seit 1765 wurde Crimmitzschau von Schweinsburg getrennt, ohne jedoch nun ein besonderes Schloss oder besondere Grundstücke zu haben. Die Einnahmen des Gutes bestanden blos in trocknen Zinsen und Gefällen; der Besitzer des Gutes hat aber das Besetzungsrecht der Stellen des Pastors, Diaconus, Organisten und Kirchners, während der Stadtrath [210] das Rectorat, der Pastor das Cantorat vergiebt. Die neuen Lehrer an der Bürgerschule wurden ohne Unterschied vom Stadtrath eingesetzt.

Crimmitzschau ist berühmt geworden durch seine Fabriken, und sein schnelles Emporblühen, seine grosse Zunahme an Bevölkerung hat es seinen wollenen Waaren zu verdanken.

Crimmitzschau zählt jetzt in 600 Häusern über 8000 Einwohner. Es liegt am linken Pleissenufer, 800 bis 850 par. Fuss überm Meere, in anmuthiger und belebter Hügelgegend, ½ Stunde von der Altenburger Grenze, an der Sächs.-Bayer. Eisenbahn, die dem Orte selbst, ausser den Fabriken, noch mehr Leben und Nahrung verschafft hat.