Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Naundorf bei Oschatz

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Titel: Naundorf bei Oschatz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 227–228
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 340.jpg
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Naundorf bei Oschatz.


Wenn man nicht annehmen will, dass dieser alte Ort, welcher eine Stunde südlich von Oschatz entfernt liegt, schon von den Sorben-Wenden erbaut worden ist, so steht so viel fest, dass solche sofort nach Vertreibung der Heiden und nach Einführung der christlichen Religion entstanden ist, und mag anfänglich dem Kloster vor Döbeln mit deren Erbgerichten im Dorfe und Felde, jedoch „ohne Mittel“ und wahrscheinlich noch zum Theil, gehörig gewesen sein, wobei die Collatur über die Kirche dem Kloster zu Sornzig zustand.

Das Rittergut finden wir aber sehr bald und sehr frühe in den Händen der Familie von Truchsess, welche auch mit Bornzig schon im 12. und 13. Jahrhundert beliehen war.

Elias von Truchsess lebte hier 1520. Mit Christoph von Truchses verglich sich im Jahre 1521 der Rath zu Oschatz über Abzugsfreiheit.

Im Jahre 1535 besass das Gut Heinrich von Truchsess, gegen das Jahr 1586 Hans von Truchsess und nach ihm Dietrich von Truchsess, welcher auch Wellerswalde besass.

Im Jahre 1608 folgte Georg von Truchsess und dann kamen 1614 Elias und Georg von Truchsess.

Im Jahre 1630 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Hans Rudolph von Truchsess, dem Christian von Truchsess bis 1642 succedirte.

In den Drangsalen des 30jährigen Krieges verarmte dieses berühmte Geschlecht und war gezwungen, Naundorf zu verkaufen.

Jetzt ging es auf den Rittmeister Johann von Schrodt[VL 1] über, dessen Erben es noch 1691 besassen, die es aber um diese Zeit an Johann Daniel von Coseritz, Stiftsrath zu Wurzen, der ein Schwiegersohn des von Schrodt war, verkaufte.

Um das Jahr 1731 wurde das Gut ein Eigenthum des Hofrath Hohmann Freiherrn von Hohenthal, von welchem es an Friederike Sophie verw. Rittmeisterin von Metzsch, geb. Schubert und später wieder vermählte Kammer Assistens-Räthin von Ernest kam.

Die Tochter derselben 2. Ehe vermählte sich mit dem Oberst-Lieutenannt Carl Gottlob Edler von der Planitz, deren Sohn Carl Ferdinand Leopold Edler von der Planitz, Grossherzog. Weimar. Kammerherr bis zu seinem Todte das Gut zugleich mit Tennschütz[VL 2] besass.

Der derzeitige Besitzer ist Herr Bernhardt Edler von der Planitz.

Das Erb-Allodial-Rittergut Naundorf wurde mit einem Ritterpferd verdient.

Es hat an Flächenraum 41/5 Acker Gärten, 329 Acker Feld, 30 Acker Wiesen, 60 Acker Holz, 2½ Acker Torfgrubenboden und besitzt ein herrschaftliches Bauergut von 58 Acker Landes.

Es gehören auch zu demselben 3 Halbhufengüter zu Niedergoseln und 7 Häusser zu Zeicha.

Die Gebäude des Ritterguts sind grösstentheils neu und massiv gebaut; [228] unter ihnen zeichnet sich das Herrenhaus durch Grösse und alterthümliche Bauart vor vielen hiesiger Gegend aus.

Die mitternächtliche Seite desselben umgiebt ein durch Anlage verschönerter ziemlich grosser Garten, von welchem früher eine, gegen ¼ Stunde lange Linden-Alle nach Zöschau zuführte, die später durch Ausgrabung von Torf unterbrochen worden ist.

Das Dorf Naundorf, welches in einer freundlichen und fruchtbaren Ebne liegt, gehört zu den grösseren und schöneren hiesiger Gegend.

Der Ort zählt 57 Feuerstätte excl. der geistlichen Gebäude und des Ritterguts mit 400 Einwohnern, welche in 5 Pferdner, 11½ Hufe, 1⅓ Hufen, 1¼ Hufen, 71/6 Hufengütern, 1 Gasthof, 1 Schmiede, 1 Windmühle und 24 Häussern bestehen.

Die Erbgerichtsbarkeit über dieselben, stand bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation dem hiesigen Rittergute zu, welches blos über den Gasthof und seine eignen Fluren auch die Obergerichte hatte.

Diese gehörten im Dorfe früher zum Theil unter das Kreisamt Meisen und das Amt Oschatz. Jetzt ist Naundorf ganz dem Gerichtsamte Oschatz zugetheilt.

Der Erwerb der Einwohner wird durch den beträchtlichen Feldbau und durch die Torfgräbereien erhöht, welche einen nicht unbedeutenden Theil des Brennmaterials für den Ort und die Umgegend liefern.

Die Kirche des Dorfes, in den Zeiten des Pabstthums der heil. Catharina geweiht, gehört gewiss zu den ältesten der Gegend. Beim Anfange der Reformation hatte sie, ihrer geringen Einkünfte wegen, keinen eignen Geistlichen, wahrscheinlich besorgte den Gottesdienst in derselben wie zu Merkwitz, Wellerswalde und in mehreren Kirchen in der Nähe von Oschatz, einer der zahlreichen Altaristen von St. Aegidius in dieser Stadt.

Auch nach den Zeiten der Kirchenvereinigung konnten die Visitatoren keinen Pfarrer nach Naundorf setzen , sondern sahen sich genöthigt, die Parochie mit Zöschau zu verbinden, in welchem Verhältniss sie blieb, bis 1555 der Pfarrer zu Jahna unter Begünstigung des Bischofs Johann von Haugwiz, sein zeitheriges Filial Hohenwussen abgab. Dadurch wurden die Visitatoren bewogen, Naundorf und Hohenwussen zu vereinigen und mit einem besondern Pfarrer zu versehen.

Kurze Zeit nach dieser Vereinigung im Jahre 1579, wurde nun auch die vielleicht zu kleine Kirche eingerissen und an ihre Stelle eine neue gebaut.

Aber 1714 wurde noch ein Mal eine Reparatur vorgenommen.

Die 3 eingepfarrten Gerichtsherrschaften zu Casabra, Naundorff und Leuben bauten sich ihre Emporkirchen in die Mauer nach Mitternacht, so dass sie von Altarplatze bis zum Chore die ganze Seite der Kirche einnehmen. Durch Anbringung mehrerer Fenster erhielt die Kirche ein schönes Licht und ist hell und geräumig.

Unter den Pastoren ist vorzüglich M. Friedrich Heinrich Starke berühmt als Schriftsteller, vorzüglich schrieb er mehrere Abhandlungen über das Kirchenrecht.

Die Schicksale des Orts anlangend, so hat Naundorf im 30jährigen Kriege vorzüglich viel gelitten und im 19. Jahrhundert ist es von vielen Feuersbrünsten heimgesucht worden. Der letzte Brand war im Jahre 1838, wo der Gasthof und mehrere Häuser ein Raub der Flammen wurde.

Möge der Himmel seine schützende Hand über Naundorf bewahren und solches vor neuen Unglücksfällen bewahren.

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Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Schardt
  2. handschriftliche Korrektur: Stennschütz