Sachsenspiegel (Auszug)

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Textdaten
Autor: Eike von Repgow
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Titel: Sachsenspiegel
Untertitel:
aus: Quellensammlung zur Geschichte der Deutschen Reichsverfassung in Mittelalter und Neuzeit / bearb. von Karl Zeumer, Seite 59ff.
Herausgeber: Karl Zeumer
Auflage: Zweite vermehrte Auflage
Entstehungsdatum: 1220—1235
Erscheinungsdatum: 1913
Verlag: Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Tübingen
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Quelle: Digitalisat des Deutschen Rechtswörterbuches
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[59]
Nr. 57. (63) Eikes von Repgow Sachsenspiegel (Auszug). – 1220—1235.

Zu Grunde gelegt ist der Text der von späteren Zusätzen freien Quedlinburger Handschrift nach A. v. Daniels, Land- und Lehenrechtsbuch I. II (Berlin 1863) unter Berücksichtigung der Ausgabe des Landrechtes von O. Goeschen, Das Sächsische Landrecht nach der Ouedlinburger Pergament-Handschrift, Halle 1853, und der des Lehenrechts jener Handschrift bei Homeyer, Des Sachsenspiegels zweiter Teil I, (Berlin 1842) S. 141 ff. unter dem Haupttexte. Einzelne Stellen sind nach anderen Texten verbessert. Die Kapitelzählung, welche durch Land- und Lehenrecht ohne weitere Büchereinteilung durchgeht, ist die der Handschrift. Den Kapitelzahlen sind im Landrecht die Buch- und Artikelzahlen der Vulgatzählung und im Lehenrecht die Artikelzahlen nach Homeyers Haupttext, a. a. O. S. 141 ff. oben, in Klammern hinzugefügt.

1 (I, 1). Zwei swert liet Got in ertriche zu beschirmende die kristenheit; deme pavese ist gesazt daz geistliche, deme keisere das werliche. Deme pavese is och gesazt zu ridene [zu] bescbeidenir zit uph eyneme blanken pherde, unde die keiser sol ime den stegerip halden, durch das die sadel nicht ne wike. Diz ist die bezeichenisse: swaz deme pavese wedersazich si, daz her mit geistlicheme rechte nicht dwingen ne mach, daz ez der keiser mit werltlikeme rechte dwinge, deme pavese horsam zu wesende. So sal ouch diu geistliche walt helphen deme werltlichem gerichte, ob it iz bedarf.

3 (I, 3). Zu der selven wis sint die hereschilde uzgelegit; den der koning den ersten hat; die bischopphe unde die abbate und ebbedischen den anderen; die leyen vorsten den dritten, sint sie der bischopphe man worden sint; die vrien herren den vierden; die schepenbare lude unde der vrier herren man den funften; ire man vord den sesten. Alse diu cristenheit in der sevenden werlt nichene steticheit ne weiz, wie lange siu stan solle, also ne weiz men ouch an dem sevenden schilde, ob her lenrecht oder herschilt haben moge. Die leyenvorsten habint aber den sesten schild in den sevenden gebracht, sint sie worden der bischopphe man. —

22 (I, 35J. Al schat under der erde begraven diepher den eyn pluch geit horet zu der koninclichen gewalt.

Silver ne mut och niemant brechen uph eynes anderen mannes gude, ane des willen, des die stat is; gift her iz orlob, die vogedie is sin dar over. —

(I, 38). Die och jar unde tach in des riches achte sin, die teilet men rechtelos, unde men verteilet en eigen unde len, daz len den herren ledich, daz eigen in die koningcligen gewalt. Ne zut iz die erve nicht dar uz der koningcligen gewalt binnen jar unde tage mit irme eide, si virlusit iz mit samint jeneme, iz ne neme in echt not; daz sol men bewisen alse recht ist. —

23 (I, 40). Swer so truwelos beredet wirt oder herefluchtich [uz des riches dinsten][1] deme virdelit men sin ere unde sin lenrecht unde nicht sin liph.

38 (I, 59). — Bi koninges ban ne mut neman dingen, her ne habe den ban von deme koninge untfangen. Swer bi koninges banne dinget, die den ban nicht untfangen hat, der sol wedden sine zungen.

49 (I, 70). — Swene die gogreve virvestet, zuget her sine vestunge vor deme greven, her irwirft des greven vestunge uber jenen alzuhant; aldus irwirft ouch die greve mit siner vestunge des kuninges achte.

51 (II, 4). Swer sich uz der vestunge zien wil, deme sol die richtere vrede werken vor zu komene, ob men iz von sinenthalben geret. Swen her sich uph den heiligen uzziet, so sol ine der richtere und daz lantfolk uzlazen mit vingeren und mit zungen, alse men ene in die vestunge tede. So sol men och yme vrede werken, unde her sol bürgen setzen vor zu komene zu dren dingen, da sol her sich zu antworde bieden, ob yman uber ine clagen wolle. En claget neman uber ine binnen dren dingen, so sol men ine ledicb teilen von der clage.

[60] 57 (II, 12). Schilt men urtel, des mut men zen an den hogeren richtere, zu lestemal vor den küning. Da sol die richtere sine boden zu geben, de da horen, swe da vulcome vor deme coninge. Die boden sollen wesen schepenbare vri, ob iz in eyner graveschap geschit; schiet iz aber in eyner marke, so mogent wesen allirhande lude, swer se sin, vulcomen an irme rechte. Die sol die richtere becostegen; brod unde bier sol her in genuch geben, und dri gerichte zu deme ezzende, die des tagis zidech sin, unde eynen becher wines; zwei gerichte sol men den knechten geben, fünf garben jewelkem pherde under tage unde nacht, unde sol die pherde voren beslan; sesse sollen der knechte wesen, achte der pherde. Swenne se den küning erst ereschet binnen sessescher art, so sollen se zu hove varen, und darnach uber ses wochen daz urtel vinden.

58 (II, 12). Der daz urtel schilt, ne vulkumt her nicht, her mut da umme wetten deme richtere, unde jeneme sine bute geben, des urtel her beschulden hat. Nichenis geschuldenen urteles ne mut men zin uz eynir grafschaph in eyne marke, [al][2] habe die grafe de grafscaph von deme markgreven; da umme sol men iz vor daz riche zien. —

Schilt ouch eyn Sasse eyn urtel unde zuhts an sine vorderen hant unde an die merren menyen, her mut darumme vechten selbe sebende siner genoten weder andere sebene. Swar die merre menye sege vechtit, de behalt daz urtel.

59 (II, 12). Jewelk virsegit man weddet deme richtere unde gibt deme buze, die uph ene gevuchten hat. Um urtel ne mut nieman vechten, wan vor deme riche. —

60 (II, 12). — Schilt die Swaf des Sassen urtel, oder die Sasse des Suavis, daz muzen sie vor deme küninge bescheiden, alse hi vore geredet ist. —

Die aber zu den benken nicht geboren nis, die sol des stules beten mit urtelen, eyn ander urtel zu vindene. —

62 (II, 13). Alle[3] mordere unde die den pluch rouben oder molen oder kerken oder kerkhof, unde vorretere und mordbernere, unde die ir bodeschaph werben, die sol men alle rade stozen. Die den man sleit oder veit oder roubit, oder bernet sunder mordbrant, oder wip oder mayt nodegit, unde fredebrechere, unde die in overhure begriffen wirt, den sol men daz houbit abehowen. Die duve hegit oder roub oder se mit helphe sterket, werden se ouch des virwunnen, meji sol uber se richten alse uber jene. Swelk cristenman ungeloubich ist, oder mit zoubere ummegeit oder mit vorgiftnisse, unde des virwunnen wirt, den sol men uph der hurt burnen. —

71 (II, 26). Phenninge sol men virnyen, alse nye herren coment. Biedet die muntere eynen valschen phenning uz, so daz her da mede koufe, iz geit yme an den hals. Swer sin recht virworcht hat mit duve oder mit roube, vint men under yme vierdehalben phenning, iz gat yme an die hant, her ne moge ir gewere haben. Swer an syme gerechte vulcomen is, vint men bi yme eynen schillink valscher phenninge, die phenninge hat her virloren, unde nicht me; hat er aber me, iz geit yme an die hant, her ne moge ir gewere haben[4]. Velschet die muntere sine phenninge, unde ne halt her se nicht na irme rechte, die wile ne mach her niemande valsches tyen, daz her wandel umme dun durve.

72 (II, 26). Nemant ne mut nicheynen markit noch munte irhaben ane des richteres wille, binnen dez gerichte iz legit. Ouch sol der küning durch recht sinen hantschu dazu senden, zu bewisene, daz iz sin wille si[5]. Nemant ne mut ouch phenninge slan anderen phenningen glich, se ne haben sunderlich beschid[6]. Swen men die phenninge virbiedet, virzenacht danach mut men mit den alden phenningen gelden unde phant losen. Swer damede kouft boven rechte zit, die muntere mut se yme wol brechen; her sol se yme aber wedergeben. —

[61] 73 (II, 27). Swer bruckentoln oder wazzertoln untfurit, der sol ine virfolt gelden. Swer markittoln untfurit, der sol drizich schillinge geben. Diz ist die bruckentoln: vier vuzgengere geben eynen phenning, eyn ridene man eynen halben, eyn geladen wagen viere phenninge, vord und weder zu varene. Diz ist die wazzertoln: den hal- ben teil alse uber die brucken.

74 (II, 27). Phaphen unde riddere unde ir gesinde solen wesen toln vri. Jewelk man sol wesen toln vri, her vare oder her rite oder her ge, swar her schipphes oder brucken nicht ne darph, unde mit rechte si her geleydes vri, swar her sines gudes oder libes genenden wel. Swenne aber her geleyde gibt, so sol men ine schaden bewaren binnen deme geleide, oder men sol yme sinen schaden gelden. —

85 (II, 42). Swer claget uph eynen anderen, her neme yme sin gut, daz ir jeweder von sunderleken herren yme zu seget, ir jeweder sol sinen geweren zu dinge bringen. Swer gewert wirt, die behalt, unde des gewere nicht ne kumt, die virlusit; iz en beneme yme echte not, die her beschene. Doch mogen die vorsten geweren eynen man mit eyneme offenen brieve beingesegelit, deste se mede senden iren enbornen dienstman, die daz gut voresta an irer stat. —

100 (II, 61). Do got den menschen geschuph, do gab her yme de gewalt uber vische unde vogele unde alle wilde thyr. Da umme haben wir des orkunde von Gotte, daz niemant sinen liph noch sin gesunt an dissen dingen virwerken ne mach. Doch sind dre stete binnen Sassen, da den wilden thyren vrede gewarcht is bi küninges banne; diz heizit banvorste. Daz eyne is di heide zu Coyne, die andere die Hart; die dritte is die Magetheide. Swer durch den banvorsten ridit, sin boge unde sin armborst sol ungespannen sin, sin koker sol bedan sin, sine winde unde sine braken uphgevangen unde sine hunde gecoppelt sin. Jaget eyn man eyn wilt buten deme vorste unde volgen yme die hunde binnen den vorst, die man mut wol volgen, so daz her nicht ne blase noch die hunde gruze, und ne missedut da nicht ane, ob her daz wilt veht, sinen hunden mut her wol weder ruphen.

102 (II, 63). Jewelk man mut wol vorspreche sin ane binnen dem gerichte, da her inne virvestit is, oder ob her in achte getan is.

105 (II, 66). Nu[7] vernemet den alden vrede, den die keiserlike gewalt gestedegit hat deme lande zu Sassen mit der guden knechte willecore von deme lande.

Alle tage und alle zit sollen vrede haben phaphen unde geistliche lude, megede unde wiph an yrme libe und an yrme gude. Kerken unde kerkhove, unde jewelk dorph binnen siner gruve unde sime tune, pluge unde molen, unde des küninges strazen in wazzere und in velde, die sollen stete vrede haben, unde alliz [daz| da binnen kumt.

Heylige tage unde bundene zit sin allen luden zu vrede gesazt; dazu in jewelcher wochen vier tage: die donnertac und fridach, sunafunt und suntach. (Folgt theologische Begründung.) Da umme sin disse vier taghe gemeyne vredetage allen luden, ane den, die mit der hanthaften tad gevangen werden oder in des riches achte sin oder vervestit in dem gerichte.

106 (II, 67). Swer um ungerichte beclaget wirt, die ne mut nicht mer wan drizich man vuren vor gerichte, swen her vore kumt. Die ne sollen nicheinir hande waphen vuren oder tragen, sunder swert.

(II, 68). Irlegit deme wechferdigen manne sin pherd, her mut wol sniden korn unde deme pherde geben, alse verre alse her iz riechen mach, stande in deme wege mit eyneme vuze; her ne sol iz aber nicht dannen vuren.

107 (II, 69). Swer dodet oder wundet eynen vredebrechere, her blibit iz sunder wandel, ob her daz selbesebende gezugen mach, daz her ine wundede an der vlucht oder in der tad, da her den vrede breche.

[62] (II, 70). Men ne sol nemanne wisen von sime gude, daz her in geweren hat, yme ne werde die gewere mit rechte abegewunnen.

(II, 71). Swer den vrede bricht, daz sol men richten, alse davore gesagit is.

Binnen gesworeme vrede ne sol men nicheine waphene vuren, dan zu des riches dienste unde zu turneie, sunder swert. Alle die anders waphene vuret, uber die sol men richten, went se in des riches achte sin, ab se damete gevangen werden. Swert ne mut men ouch nicht tragen binnen burgen noch binnen steden noch binnen dorphen, alle die da binnen wonen oder herberge hebben.

Waphen mut men wol vuren, swenne men deme geruchte volget. Deme sollen durch recht volgen alle, die zu iren jaren comen sin, alse verre, daz se swert vuren mugen, iz ne neme ine echt not, sunder paphen unde wiph unde kerkenere unde herden.

Ob se volget vor eyn hus, dri tage sollen se da bliben, jowelk mit sines selbes spise binnen deme gerichte, die wile jene voregeit, die daz geruchte geschriet hat.

Is aber die gewunt, daz her nicht volgen ne mach, so sollen die lute volgen bi plicht, die wile se jenen sen, die den vrede gebrochen hat, ob her san in eyn ander gerichte vlud. Mogen se ine da vahen upphe deme velde, da daz volk von deme lande nicht ne come, se vuren ine weder. Vlud aber her zu dorphe oder zu steden oder zu burgen in eyn ander gerichte, men sol daz geruchte virnyen, unde laden dazu den burmeister unde die bure unde die guden knechte, die men zu der zit haben mach, und eschen jenen uz zu rechteme gerichte. Den sol men ine antworden, ob her in der hanthaften tad bestedegit is, deste se daz gezugen mugen mit seben mannen, daz se yme gevolget haben in der hanthaften tad von yrme gerichte wente da. So sollen se bürgen setzen vor des mannes wergelt, ob se nicht rechte über ine richten. So vuren se ine weder, unde dun da recht mede.

108 (II, 72). Upphe swelkeme hus men den vredebrechere halt weder recht, swen die richtere mit geruchte davor geladet wirt, unde men se vore eschet alse eyn recht is, daz men iz gehoren muge uph deme hus, ne geben sie se nicht abe zu rechte, men virvestit die burch unde alle die da upphe sin. Lezit men aber da uph des richteres boden sesse, unde den clegere, daz se suchen den vredebrechere und den roub, so ne sol men se nicht virvestin.

Schuldeget men daz hus umme den roub, daz her da abe unde da upphe gesehen si, daz mut wol untschuldegen des huses herre oder eyn sin burgere uphen heiligen. Swer selbe zu deme ungerichte beclaget wirt, der ne mach daz hus nicht untschuldegen, her ne habe sich selber allererst untschuldeget. Wel men aber daz hus virreden mit camphe, daz mut untrichten sin herre oder sin burgere weder sinen genoth, oder men virvestit iz unde richtet da uber.

110 (III, 2). Paphen oder Joden, de wafen vurent unde nicht geschoren ne sint nach yrme rechte, dut men ine gewalt, men sol ine bezzeren alse eynen leyen; went se ne sollen nicheine waphene vuren, die mit des küniges tagelekes vrede begriphen sin.

114 (III, 7). Sleit die Jode eynen kerstenen man oder dut her yme ungerichte, da her mede begriffen wirt, men richtet uber ine [als uber eynen kerstenen man]. Sleit ouch die kersten man eynen Joden oder dut her ym ungerichte, men richtet uber ine durch des küninges vrede, den her an ym gebrochen hat. Dissen vrede den irwarf one Josaphus weder den koning Vespasianum, do her sinen sone Tytus gesunt machede von der icht.

115 (III, 8). Men spricht, daz burge unde vorsten nichenen vrede sulln haben, den men an en brechen muge, durch de were, die de burge haben, unde durch werhafte lude, die de vorsten vuren sollen. Des nis doch nicht; wen swer den vorsten vrede lobit unde en truwen phlichtich is, brikt her den vrede an en, men sol uber en richten.

119 (III, 16). Des riches achteren unde virvesteden luden ne darph nemant antwarden, [63] ob se clagen. Claget men über se, sie muten antworden binnen deme gerichte, da si virvestit sin.

120 (III, 19). Vri lude unde des riches dienstman, die muzen [vor deme riche] wol thuch sin unde urdel vinden, durch daz se deme riche hulde tud, ir iewelk nach sime rechte. Doch ne mut des riches dienstmann über den schepenbaren vriman noch urtel vinden noch thuch wesen, daz yme an sin liph oder an sin ere oder an sin erbe gat.

122 (III, 22). — Swer herberget oder spiset wizene eynen virvestenen man, her mut da umme wedden. Ne weiz her iz aber nicht, her untredet daz gewedde mit siner unschult.

(III, 24) Men en mach niemande mit nicheinir vestunge virwinnen in eyneme anderen gerichte. Swer in deme hogesten gerichte virvestit wert, der is in alle den gerichten virvestit, die in daz gerichte horet. Swer aber in deme nederim gerichte virvestit wirt, der nis in deme hogeren nicht virvestit, her ne werde da redeleke ingebracht. Die nedere richtere ne mut nicht richten die vestunge, die der uberste [richtere] getan hat, sie ne si yme also wizzelich, daz her ir selbe getuch wolle sin in des hogesten richteres stad.

124 (III, 26). Der küning is gemeine richtere uber al.

128 (III, 33). — Jowelk man hat sin recht vor deme küninge. Jowelk man mut och antworden vor dem küninge in allen steden nach sime rechte, und nicht nach des clegeres. — Spricht men ouch sin eigen an, da ne darph her nicht vore antwarden, wen in deme lande, da iz binnen gelegen is. Der koning sol ouch richten um eigen nicht na des mannes rechte, wan des landes.

129 (III, 34). Swene eyn richtere virvestet, unde mit siner vestunge bringet in des küninges achte, zut sich jene uz der achte, her sol deme hove volgen ses wochen; so sol yme der küning vrede werken, unde her sol sweren vor zu komene vor den richtere, der ine vervestede und in achte gebracht hatte. Vor den sol her comen unde sech zu rechte bieden binnen vierzen nachten seder der zit, daz her quam zu lande. Des küninges brief sol her ouch mede bringen unde sin ingesigel, die deme richtere daz zu wizzene du, daz her der achte ledich si.

130 (III, 34). Swer in die achte wirt getan ane vestinge, zut her sich uz, her sol volgen deme hove ses wochen, unde is damede ledich. Swer sich uz der achte zut unde rechtes nicht ne pleget, wirt her des virwunnen, men dut ene in uberachte, alse ob her jar unde tach in der achte habe gewesen.

136 (III, 42). — Nu ne lazet uch nicht wunderen, daz diz buch so luzzel sagit von dienstlute rechte, went iz ist so manicvolt, daz iz nieman zu ende comen ne can. Under jewelcheme bischopphe unde ebbede unde ebdischen haben die dienstlute sunderlich recht. Da umme ne can ich iz nicht bescheiden.

143 (III, 52). Die Dudischen sullen durch recht den küning kiesen. Swen die gewihet[8] wirt von den bischopphen, die dazu gesazt sin, unde uph den stul zu Aken kumt, so hat her konincligen namen. Swen ine der babis wiet, so hat her keiserlichen namen. Den küning küset men zu richtere uber eigen unde lehen unde uber jewelchin mannis liph. Der keiser ne mach aber in allen steden nicht sin, unde al ungerichte nicht richten zu aller zit. Da umme liet her den vorsten graveschaph unde den greven schulteitdum. An die vierden hant ne sol nichen len comen, daz gerichte si uber hals unde uber hant, wen schulteitdum aleyne in der graveschaph, durch daz nichen richtere echt dinc haben ne mach ane schulteiten; wen clagit men uber den richtere, her sol antwerden vor deme schulteiten, went die schulteite is richtere uber die schult. Alse is die palanzgreve über den keiser, unde die borchgreve uber den markgreven.

144 (III, 53). Jewelk dudisch lant hat sinen palanzgreven: Sassen, Baiern, Swaven unde Franken. Diz waren alle küningriche. Seder wandelde men ine den namen unde [64] hiez se herzogen, seder so die Romere bedwungen. Doch behilden se die vorsten zu manne unde die vanlen under deme namen. Seder hat ine der keiser beide, vorsten unde vanlen, abegebrochen. —

145 (III, 53). Men ne mut och nichen richte teilen, noch ganz lien noch teil, die, deme iz da gelegen is, so daz da volge an si unde iz die lantlute liden durven; iz ne si eyn sunderlich gravescaf, die in eyn vanlen hore. Die ne mut men nicht ledich haben. Also ne mut der koning nichen vanlen, her ne virliet binnen jare unde tage.

(III, 54). Len an gerichte ne mut niemant haben, her ne si schepenbare vri, und daz her deme küninge hulde du na vries mannes rechte, und bi den hulden sech virplege, swen men thüges an ene zut.

Alse men den küning kieset, so sol her deme riche hulde dun, unde sweren: daz her recht sterke unde krenke unrecht, unde daz riche vorstâ an sime rechte, alse her allerbest kan unde mach. Seder ne sol her nymmer nichenen eid me thun, ez en si, daz ine der pabes schuldege, daz her an dem rechten gelouben zwivele. Da nach sol her thüch sin aller dinge, der men an ine zet, bi des riches hulden; unde sin gelobede sol her tun vor den eid, da men den vrede sweret.

146 a (III, 54). Lamen man unde miselsuchtigen man, noch den, der in des pabeses ban mit rechte komen is, den ne mut men nicht zu küninge kiesen. Der küning sol sin vri unde echt geborn, so daz her sin recht behalden habe.

Der küning sol haben frenkesch recht, swen her gecoren wirt, von welker bord daz her si; wen alse der Franke sin liph nicht virwerken nemach, her ne werde in der hanthaften tad gevanghen, oder yme si sin frenkisch recht virteilit, also ne mach deme küninge nieman an sin liph sprechen, yme ne si daz riche voren mit ordelen virteilit.

146 b (III, 55). Uber der vorsten liph unde ir gesunt ne mut neman richtere sin wan der küning. —

147 (III, 57). Den keyser ne mut der pabes noch neman bannen, seder der zit, daz her gewiet is, ane umme drie sache: ob her an deme rechten gelouben zwivelit, oder sin echte wiph lezt, oder gotteshus zustoret.

In[9] des keyseres kore sol die erste sin der biscoph von Trire; die andere die bischoph von Megenze, die dritte der bischoph von Colne. Under den leien is der erste in deme core der palanzgreve vonme Rine, des riches druzte; die andere die marschalk, der herzoge von Sassen; die dritte die kemerere, der markgreve von Brandenburch. Die schenke des riches, der küning von Beemen, der ne hat nichenen kore, durch daz her nich dudisch nis. Sint so kiesen des riches vorsten alle, pfaffen unde leien. Die zu deme ersten an deme kore benant sin, die ne sollen nicht kiesen nach irme mutwillen, wen swene die vorsten alle zu küninge irwelet, den sollen se allererst bi namen kiesen.

148 (III, 58). Des riches vorsten ne sollen nichenen leien zu herren haben, wen den coning. Iz nis nichen vanlen, da die man abe moge vorste wesen, her ne untfa iz von deme küninge. Swaz eyn ander man vor yme untfath, dar nis jene die vurderste an deme lene nicht, wan iz ein ander vor yme untfenk; unde ne mach des riches vorste da an nicht sin. [65] 149 (III, 59). Swen men kuset bischophe oder ebde oder ebdischen, die den herschilt habit, daz len sollen se untfan vore, unde die bisorge na. Swenne se daz len untfangen habent, so mogen se lenrecht thun, unde nicht ir. Swar men bischopphe oder abbete oder ebdischen nicht ne kieset binnen ses wochen, da de lenunge an den keiser gat, her liet iz sweme her wil, die sech redeliche gehandelit haben.

150 (III, 60). Die keiser liet alle geistliche vorstenlen mit deme ceptre, ai werltliche vanlen liet her mit vanen. Nichen vanlen ne mut her och haben jar unde tach ledich.

In swelke stat die küning kumt binnen deme riche, dar is yme ledich munte unde toln, unde in swelk lant her kumt, da is yme ledich daz gerichte, daz her wol richten mut alle de clage, de vor gerichte nicht begunt noch nicht gelent sin. Swen der koning och allererst in daz lant kumt, sollen yme ledich sin alle vangene upphe recht, unde men sol se vor ene bringen, unde mit rechte virwinnen oder mit rechte lazen, so men se erst besenden mach, seder der zit, daz se der koning eschet zu rechte oder sine boden, zu deme manne selben oder zu deme hove, oder zu me huse, da se gevangen sin; weigert men se vorzubringene, sint men se zu rechte geeschet hat, unde men des getuch hat an des küninges boden, men dut se zuhant in die achte, alle die se vengen, beide, hus unde lude, die se weder recht haldet.

151 (in, 61). Uber achzen wochen sol die greve sin ding uzlegen. —

152 (III, 62). Fumf stede, die palenze heizen, leghen inme lande zu Sassen, da die küning echte hove haben sol: die erste is Gruna, die andere Werla, die is zu Goslere geleget, die dritte is Walehusen, Alzstede is de virde, Merseburch is die fumfte.

Seben vanlen sint och in deme lande zu Sassen: daz herzochdum zu Sassen und de palanze, de marke zu Brandeburch, de lantgraveschaph zu Thuringen, de marke zu Misne, de marke zu Lusaz, die graveschaph zu Aschersleven.

153 (III, 62). Och sint zwei erzebischophdum inme lande zu Sassen, unde fumfzen andere. Die von Magdeburch deme ist undertan der bischoph von der Nuwenburch unde die von Merseburch unde die von Misne unde die von Brandeburch unde die von Havelberge. Die bischoph von Megenze hat vier undertane inme lande zu Sassen: den bischoph von Halberstad unde den von Hildensen, den von Verden unde den von Padeborne. Der bischoph von Osenbrucke unde von Minden unde von Münstere sint undertan deme von Colne. Der ercebischop [von Bremen] hat under yme den von Lubeke unde den von Swerin unde den von Raceborch.

154 (III, 63). — Die ban schadet der sele unde ne nymt doch nemande den liph, noch ne krenket nemande an lant rechte noch an lenrechte, da ne volge des küninges achte na.

155 (III, 64). Biedet der küning des riches dienst oder sinen hof mit urdelen unde lazet her ine kundegen den vorsten mit sinem brieve unde ingesigele ses wochen, ir her werden solle, den sollen se suchen binnen dudischer art, swa her is; lazent se [ez], sie wedden da umme. Die vorsten, die vanlen haben, wedden deme küninge hundert phunt; al andere lude weddent zen phunt, da men um ungerichte nicht ne weddet. Deme herzogen weddet och zen phunt jewelk edele man. — Sechzig schillinge weddet men deme greven unde och deme vogede, der unter koninges banne dinget, ob her den ban von dem küninge selben hat. Küninges ban ne mut neman lyen, wen der küning selben. Der küning ne mach mit rechte nicht weigeren den ban zu liene, deme daz gerichte gelegen is. Den ban liet men ane manschaph. Palanzgrevcn unde lantgreven dingen under küninges banne, alse die greve; deme weddet men ouch sechzich schillinge; jewelkeme markgreven drizich. —

(III, 65). Die markgreve dinget bi sinis selbes hulden über ses wochen. —

156 (III, 66). Men ne mut nichenen market buwen eynem anderen eynir mile na. Men ne mut och nichene burch buwen, noch stad vesten mit planken noch muren, noch berch noch werder buwen, noch torme binnen dorphe an des richteres

[66] orloph. Ane sin orloph mut men wol graben alse diph, alse eyn man mit deme spaden uphschezen mach de erde, so daz her nichene schemele gemache. Men mut och wol buwen an sin orloph mit holze oder mit steyne drier dele ho boben eynander, eyne binnen der erden, die andere zwo boben, deste men eyne thore habe inme nedersten gademe boben der erden knyes ho. Men mut och wol vesten eynen hof mit thunen oder mit staken oder muren also ho, alse men geriechen mach uph eyneme orse sitzene; thynnen unde borstwere ne sol da nicht ane sin.

157 (III, 66). Men ne mut nichene burch weder buwen an des richteres orloph, de um ungerichte mit ordelen gebrochen wirt[10]. Brikt men aber eyn hus weldichliken, oder let iz die herre zegan von mutwillen oder durch armmute, daz mut men wol weder buwen an des lichteres orloph.

(III, 67). Swer deme anderen sin hus abewint mit unrechte, claget jene da uph, als eyn recht is, unde halt men iz yme denne geweldichlichen vore, al die wile her iz unweldich ist, die da recht zu hat, so ne mach men upphe daz hus nichene clage thun. —

(III, 68). Die richtere sol zu deme ersten mit eyneme bile dri siege slan an eyne burch oder an eyn buwe, daz mit urtele virteilit is; da sollen die lantlute zu helphen mit slagen unde mit howen; nicht ne sol men iz bernen, noch holt noch steyne danne vuren, noch nicht des da upphe is, iz ne si da roufleke uph gevuret. Zut sich da jenich man zu mit rechte, der vurit dannen. Den graben unde den berch sol men ebenen mit spaden. Alle die binnen deme gerichte gesezzen sin, die sollen dazu helpen dri tage bi ires selbes spise, ob se dazu geladen werden mit geruchte.

163 (III, 78). Der koning unde jewelk richtere mut wol richten uber hals unde hant und über jewelkis mannis erbe unde sines mages, unde ne dut daran weder sinen truwen nicht. Die man mut och sime koninge[11] unde sime richtere unrechtes wederstan unde san helphen [weren] zu aller wis, al si her sin mach oder sin herre, unde ne dut daran weder sinen truwen nicht. —[WS 1]

165 (III, 80). Irstirft eyn eigen von eyneme birgelden erbelos, dri huven oder da beneden, daz horet in daz schulteidum; von sweme iz stirbt von drizich huven oder da beneden, daz horet in de graveschaf; is iz mer den drizich huven, so is iz deme coninge alliz ledig worden.

166 (III, 80). Lezit der koning oder eyn ander herre sinen dienstman oder sinen eigenen man vri, de behalt vrier lantzeten recht.

(III, 81). Zugeit aber der schepene binnen eynir graveschaph, der koning mut wol des riches dinstman mit urdelen vri lazen, unde zu schephene da machen, durch daz men rechtes become unde koninges ban da halden moge; her sol aber des riches gudes also vele zu eigene ene geben, daz se schepen da abe wesen mogen; ir jowelkeme dre huve oder me. Daz gut mut her nemen in der graveschaph, swar iz die greve ledic hat, durch daz der schepen eigen in der graveschaph irstorben ist.

Hir is gesprochen von dem lantrechte. Dit is daz lenrecht.

169 (1). Swer lenrecht künnen wille, die volge disses buches lere. Allererst solle wir merken, daz die herschilt an dem küninge begint, unde in deme sebenden lendet. Doch haben die leienvorsten den sesten schild in den sebinden bracht, sint si wurden der bischopphe man, des er nicht ne was.

174 (4, 1). Des riches dienst, daz deme manne geboten wirt mit urtelen ses wochen vor deme tage, ir her varen solle, unde ime dar gekundegit wirt, da iz zwene man des herren horen, da sol her dienen bi plicht binnen dudischer art, die deme [67] Romischen küninge unde deme riche undertan sin. Alle die aber in osterhalph der Sale belehent sin, die sollen dienen zu Wenden, zu Polenen, zu Boemen.

Ses wochen sol der man dienen sime herren mit sinis selbes kost, unde ses wochen vore unde ses wochen na sol her des riches vrede haben unde schachtrowe, so daz yme nichen sin herre zu lenrechte degedingen ne mach, noch des riches dienst gebieden.

175 (4, 2. 3). Swenne aber die Dudischen eynen küning kiesen, unde her zu Rome varet zu der wiunge, so sint plichtich ses vorsten mit yme zu varene, die die ersten in des riches core sin: der bischoph von Triere unde von Megenze unde von Colne unde [der] palanzgreve von dem Rine, der herzoge von Sassen unde der markgreve von Brandeburch, durch daz deme pabese wizzelich si des küninges redeliche core. Och sol da varen jewelk man mit sime herren, die des riches gut zu lene hat, oder her sol die vart losen mit deme zehenden phunde daz her jarlekes von yme hat. Disse hervart sol men ouch bieden vore ses wochen unde ein jar unde dri tage ir der samnunge. Unde de hervart lent den Dudischen, alse der küning gewiet is.

186 (12). Des virbannen mannes oder virachten mannes unde virvesteden mannis tzuch mach men wol virlecgen binnen deme gerichte, da her gebannen is oder in achte getan is oder virvestit is. Vorsprechen ne mogen se nicht wesen. Claget se uph ymande, her ne darf ine nicht antworden, ob her den ban oder achte oder vestinge getzugen mach. Doch muzen se antworden hibinnen alle den, de uphe se claget.

198 (20, 5). Bischopphe gut unde vanlen sol der coning ganz lien unde nicht zwein. Swer ouch von eyneme vorsten belenit is, der vanlen hat, her ne darf daz len von nemanne untfan, de vanlenes darvet, al si her eyn boren vorste. —

250 (65, 4). Hat die man des riches gut von eyneme herren, her sol yme degedingen uph des riches gut; hat aber die man gut von sineme herren, al si iz eigen, daz sinis herren leen is, da umme mut yme die herre wol degedingen upphe jewelk sin rechte leen.

261 (69, 8). Wirt eyn ordel beschulden umme leen, daz des herren eigen is, men sol damede uph iz leste vor daz riche zen; wente die koning zu richtere gekoren is uber jewelkes hals, unde uber eigen unde uber leen. Da umme so hat al lantrecht unde lenrecht begin an yme, wen die herschilt an yme begint. Daz selbe dienst is ouch die man plichtich von sineme eigen sime herren zu dunde, ob her iz zu leene von yme hat, daz her yme plichtich is zu dunde von des riches gude. Ne solde man vor deme koninge len an eigen nicht bescheiden, so ne müste her nichen urtel vinden, die mit eigene beleent is, uber den, die des riches gut zu leene hat, noch jene uber dissen.

267 (71, 3). Iz ne mach och nieman nichen gerichte lien, daz yme gelegen is, iz ne si eyn sunderlich gerichte, daz in sin gerichte hore, alse graveschaph dut in de marke unde in andere vanlen. Daz mut her wol virlien, unde ne muz iz san mit rechte nicht ledich behalden uber eyn jar. Also ne mut die koning nichen vanlen. —

268 (71, 5). Swene die koning in achte getan hat, der ne mach nicht richten mit rechte, noch sweme sin gerichte verdielt is, die wile her iz nicht uzgezogen ne hat, noch nieman, upphe den daz gerichte irstirft, die wile her iz nicht untfangen ne hat.

(71, 6). Swer eigen zu lene hat, da nis nichen volge an. Doch get de lenunge biz an de sebeden hant, alse ander len, daz des riches gut is. Der nichen mach deme anderen volge versagen noch lenrechtes weigeren an deme gude, wan die uberste herre, des eigen iz ist. Die selbe herre, die daz gut liet, die mut iz och wol weder nemen, ob her des bedarph, deste her iz deme manne irstade mit glicher wisle an des riches gude.

269 (71, 7). Ob eigen des riches gut wirt, so daz iz in das riche irstirft, oder daz men iz in eyn goddeshus gift, den man, der iz zu lene hat, ne mach men von der volge nicht wisen.

[68] (71, 8). An borchlene is gedinge alse an anderme lene. —

271 (71, 17). Von des riches gude mut men wol burchlen lien, al si die burch eigen. —

(71, 18). Van burchlene nis her nicht plichtich zu dienen, neweder hofvart noch hervart; mer uph der burch sol her wonen unde sol se weren, ob se iz bedarf, unde sol sime herren urtel vinden zu burchrechte. —

Von jewelkeme anderen lene ane burchlen mut eyn man urtel vinden uber den anderen unde zuch wesen, de an deme herschilde vulcomen is, ane upphe vorsten vanlen. Die vorste mach aber wol urtel vinden unde gezug wesen uber jewelken man des riches.

272 (71, 21). Vorste heizit da umme vorste des riches, daz sin vanlen, da her vorste von wesen wel, nieman vor yme untfan ne sol. Swen iz eyn ander vor yme untfeid, der iz yme liet, so nis her die vorderste an der lenunge nicht; da umme ne mach her von deme lene nichen vorste wesen. Swer so vanlen hat unde vorste is, der ne sol nichenen leien zu herren haben, an die koning.

Upphe jewelkes vorsten leen ane vanlen mut jewelk man, die von sime herren beleent is, zuch wesen unde urtel vinden, ob her an deme herschilde vulcomen is. —

273 (72, 1). Die koning mut wol degedingen zu lenrechte eynen vorsten uber ses wochen mit sime ingesegele unde mit sime brieve in eyne bescheidene stad. Nicheyne wort ne darf her benumen an sinen degedingen, wen swar die koning offenbare degedinget, da is die hof[12]. Binnen bundenen tagen unde in allen steden, ane in kerken, mut die koning sin lenrecht wol halden. —

Anmerkungen der Vorlage

  1. Statt dieser aus anderen Texten ergänzten Worte hat die Handschrift: von sime rechten herren.
  2. iz ne die Handschrift.
  3. Vgl. Nr. 42, c. 5. 7. 9.
  4. Vgl. Nr. 46.
  5. Vgl. Nr. 36.
  6. Vgl. Nr. 46 und Nr. 58 A, c. 23.
  7. Vgl. zu 105—107 Nr. 42, c. 1-4. 8. 11. 14. 15. 20. 21.
  8. Die Handschrift bietet die schlechte Lesart: coren.
  9. Vgl. hierzu Annales Stadenses (MG., SS. XVI, S. 367) zum Jahre 1240: Papa Gregorius insolentias imperatoris contra ecclesiam metuens, principes super electione alterius sollicitavit, sed nichil profecit, quia quidam principum ei rescripserunt: Non esse sui iuris, imperatorem substituere, sed tantum electum a prineipibus coronare. Electio enim ad istos dinoscitur pertinere. Ex praetaxatione principum et consensu eligunt imperatorem Treverensis, Moguntinus et Coloniensis. Trevirensis enim licet de Alemannia non sit, ratione antiquitatis eligit ....... Palatinus eligit, quia dapifer est, dux Saxoniae, quia marscalcus, et margravius de Brandenburg, quia camerarius. Rex Boemiae, qui pincerna est, non eligit, quia Teutonicus non est. Vermutlich ist diese Darstellung des Königswahlrechts dem verlorenen lateinischen Urtext des Ssp. entlehnt. Siehe hierzu meine Ausführungen in der Festschrift zu O. Gierkes 70. Geburtstag S. 464 ff.
  10. Vgl. unten Nr. 110.
  11. hierzu irrtümlich die Glosse: darmede meinet he sunderlike koninge alse den van Bemen eder den van Denemarken. Aver deme Romeschen koninge ne mut niman wederstan, he ne Vorwerke denne dat rike.
  12. Vgl. Friedrichs II. Urk. v. Juni 1226, Huillard-Breholles, Hist. dipl. Friderici II. II, S. 629: cum ibi sit Alemannie curia, ubi persona nostra et principes imperii consistunt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Siehe hierzu auch den Aufsatz von Karl Zeumer: Das vermeintliche Widerstandsrecht gegen Unrecht des Königs und Richters im Sachsenspiegel. In Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung. Bd. 35 = 48 , 1914, S. 68-74