Sagen von der Burg Falkenstein

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Textdaten
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Autor: Heinrich Schreiber
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Titel: Sagen von der Burg Falkenstein
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 409–424
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
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[409]
Sagen von der Burg Falkenstein.

Wenn der Wanderer von Freiburg aus die Landstraße nach Schwaben einschlägt, führt sie ihn zuerst die ganze Länge des freundlichen Kirchzartner Thales hinauf und dann, sich einer von Ferne kaum bemerkbaren Oeffnung des Gebirges zuwendend, ostwärts weiter in das sogenannte Himmelreich. Hier freut er sich, noch von der etwas erhöhteren Straße herabblickend, der frischen Wiesengründe, die von den klarsten Bächen durchschnitten und mit zahlreichen Heerden bedeckt sind, des jugendlich dahinbrausenden Waldbaches und der unter malerischen Baumgruppen halb versteckten, zerstreut liegenden Höfe. Aber bald ändert sich die Ansicht, das Thal wird enger und wilder, tobender schäumt der Waldbach um die Granitblöcke, welche sich seinem Lauf entgegenstämmen. Von beiden Seiten drängen sich gewaltige Felsenmassen, oder steile, mit haltlosem Geröll bedeckte Abhänge hervor, die mit Nadelholz bekränzt sind. Nur links des Weges ziehen sich noch einzelne, zum Theil sehr ärmliche Hütten hin, über welchen auf einer Anhöhe weithin sichtbare Trümmer eines viereckigen Thurmes hervorragen. Der Umwohner hält sie mit Unrecht für die noch übrigen Reste der Burg Falkenstein; es stand hier nur ein Vorwerk mit geringem Umfange, vielleicht ein Wartthurm, um weiter hinab die Windung des Thales übersehen zu können. Des Gemäuers Dicke beträgt zwischen sechs und sieben Fuß, der innere Raum hat zwanzig Fuß in der Länge und vier und zwanzig in der Breite. Der Eingang ist an der westlichen Wand auf der Seite angebracht und im Gesteine noch unversehrt. Die wenigen Kreuzstöcke sind ausgebrochen, die Wände selbst ragen noch über das zweite Stockwerk hinauf. Der Graben zieht in unbeträchtlicher Tiefe auf drei Seiten um den Thurm; auf der vordersten Seite [410] gegen die Straße ist der Fels sehr abschüssig und nur mit Moos und aus den Ritzen hervordringendem niedern Gesträuche bekleidet.

Setzt man von hier den Weg weiter fort, so verdüstert sich die Ansicht des Thales immer mehr; die Hütten hören auf, die letzte Spur von Anbau verschwindet, und die Straße scheint in den zusammengeschobenen Bergabhängen aufhören zu müssen. Aber jetzt erwartet den Wanderer erst das großartigste Schauspiel. Er steht am sogenannten Höllenthore, aus welchem der Waldbach (die Rota oder der Höllenbach genannt) wilder und schäumender als irgendwo daherbraust. Kalter Schauer befällt den Ueberraschten, wenn er zum erstenmale in diese tiefe Schlucht (die eigentliche Hölle) eintritt; schneidender Wind weht ihm entgegen, das Licht des Tages verläßt ihn, und wenn rings schon Alles grünt und blüht, findet er diese Abgründe noch mit tiefem Schnee gefüllt. Mühsam windet sich links die Straße an haushohen, senkrechten, oft überhängenden Felswänden hin: sie wurde erst im vorigen Jahrhunderte für Fahrwerke breiter gebrochen, früher zogen nur Fußgänger oder einzelne Saumrosse hier durch. Aber auch jetzt noch lösen sich bisweilen unerwartet Steinblöcke ab und versperren oder erschweren auf einige Zeit den Durchgang. Rechts treten die nicht minder gewaltigen Felsen etwas mehr zurück, und fallen dadurch zwar weniger schreckend, aber um so großartiger in die Augen. Sie laufen meist in thurmartige, mit einzelnen Tannen gekrönte Spitzen aus, wovon die zwei merkwürdigsten den Namen des Hirschsprunges führen. Fichten und düsterer Wachholder umgrünen das schwarze Gestein, in dessen Vertiefungen da und dort gesammeltes Wasser in langen Milchfäden zum Bache hinabstäubt, der hier, gewaltsam eingeengt, unter wildem Getöse ein immer tieferes Bett wühlt, und seine Oberfläche mit dicken Schaumwirbeln bedeckt. Einsamkeit herrscht ringsum, nur bisweilen flattert ein Raubvogel, der in diesen Klüften nistet, lautkrächzend vorüber.

Mit Staunen und nicht ohne Beengung zieht der Wanderer an diesem erhabenen Naturgemälde dahin, und wenn er es zurückgelegt hat, wendet er seinen Blick nochmals, um es auch von jenseits zu genießen. Jetzt erst kann er den Bau der linken [411] Felsenwand, in welche die Straße gebrochen ist, vollkommen überschauen. Sie steigt anfänglich breiter, dann schmaler längs des ganzen Bergrückens terrassenförmig hinauf, bis sie endlich zu oberst die schwindelndste Höhe erreicht. Ueberall steil und unbekleidet, hat sie den Abgrund neben sich; und selbst gegen oben, wo eine andere Felsenwand sich an sie anschließen will, steht sie frei und unberührt, hier nicht von der Natur, sondern von Menschenhänden durchbrochen. Jetzt bemerkt der Wanderer auch da und dort über sie aufregendes, aber mit ihr gleichförmiges und ganz in sie verwachsenes Gemäuer, dem er es ansieht, wie sich der glühendste Haß vergeblich bemüht haben mag, es zu überwältigen. Hier stand nun die Burg Falkenstein über den Abgründen der Höllenschlucht, selbst die Wächterin und Beherrscherin derselben. Fast auf jedem Punkte durch die Natur unzugänglich gemacht, wurde sie noch überdies auf der Nordostseite, wo sie ihren Eingang gehabt zu haben scheint, durch eine weithin laufende, zwölf Fuß dicke Mauer, die schon für sich ein Riesenwerk ausmacht, vertheidigt. Sie hatte auf ihren verschiedenen Abstufungen mehrere zum Theil beträchtliche Gebäude, von denen aber jetzt kaum mehr die Grundmauern zu erkennen sind. Die Aussicht war sehr beschränkt; vor- und rückwerts durch das Gebirg gehindert, thalaufwerts umfaßte sie eine Strecke der Höllenschlucht, thalabwerts fielen der Wartthurm, von welchem schon die Rede war, und die zunächst liegenden Hütten in die Augen der Bewohner. Jetzt stehen die Trümmer sehr öde und schauererregend, der gemeine Mann kennt sie nur unter dem Namen des alten Raubschlosses.

Wie fast um jedes merkwürdigere Denkmal der Vorzeit hat die Sage auch um dieses ihr zauberhaftes Gewebe verbreitet. Hier hat sie den Erbauer der Burg selbst, den sie Kuno von Falkenstein nennt und mit allen ritterlichen Tugenden ausschmückt, zu ihrem Helden und Liebling gewählt.

Nur Eines, erzählt sie mit zuversichtlicher Gutmüthigkeit, fehlte zu seiner Beglückung: eine Nachkommenschaft, auf die er Namen und Thaten und Güter hätte übertragen können. Darob ging er tagelang in düstere Gedanken versunken umher, und begegnete nicht selten dem verkappten bösen Feinde, der des Ritters trübe Gemüthsstimmung zu benützen und ihn um das Heil [412] seiner Seele zu bringen versuchte. Aber Kuno blieb standhaft und beschloß endlich, um dieser Lockung und seines Grames los zu werden, die gefahrvolle Reise in das gelobte Land und zum heiligen Grabe. Doch bevor er hinzog, brach er noch seinen Trauring und hinterließ seiner Gattin die eine Hälfte mit dem Bedeuten, daß sie, wenn er im Verlaufe von sieben Jahren nicht wiederkehre, und den Ring aufs Neue vereinige, ihn für todt, und daher ihr Eheband als für immer aufgelöst erachten solle. Durch viele Schlachten wurde bald im gelobten Lande das Schwert des Falkensteiners berühmt, der nun am heiligen Grabe seinem Gebete und seinen Thränen freien Lauf ließ, aber zuletzt auch in die Gewalt des Sultans gerieth und jahrelang in tiefem Kerker schmachtete. Endlich, durch göttliche Fügung befreit, will er nach Hause eilen, verirrt sich aber in ungeheuern Wäldern, aus denen er keinen Ausweg mehr finden kann. Da sinkt er erschöpft nieder und aufs Neue tritt der böse Feind zu ihm, und versichert ihn hohnlachend, daß so eben das siebente Jahr zu Ende laufe und seine Gattin, des mit ihm geschlossenen Ehebandes ledig, morgen ihre Hand einem benachbarten Ritter reichen werde. Jetzt geräth der niedergedrückte Kuno außer Fassung, und gibt dem Vorschlag des Verführers, ihn bis Morgen in die Heimath zu bringen, unter der Bedingung Gehör, daß seine Seele ungefährdet bleibe, wenn es ihm gelänge, auf der ganzen unermeßlichen Reise sich des Schlafes zu enthalten. Sogleich verwandelt sich der Satan in einen Löwen, dessen Rücken der Ritter besteigt und auf dem er nun durch die Lüfte dahin fährt. Tief unter ihnen lassen sie Länder und Meere zurück, aber bald vermag es die durch die ungeheuersten Anstrengungen erschöpfte Kraft des Ritters nicht länger dem, andringenden Schlafe Widerstand zu leisten. Schon wollen die Augenlider sich schließen, und der wackerste Mann soll des bösen Feindes Beute werden; sieh! da fliegt unversehens ein Falke herbei, setzt sich auf das Haupt des Ritters und hält den Schlaftrunkenen mit seinem Schnabel und dem Schwunge seiner Flügel wach. So gelangt er unversehrt und neu gekräftigt in dem Augenblicke in der Nähe seines Schlosses an, als eben der Brautzug aus der Kirche dahin zurückkehrt und sich Kuno ungekannt in denselben mischen kann. Er nimmt Theil an dem [413] festlichen Mahle und läßt, der Braut seinen Becher zubringend, die zurückbehaltene Hälfte des Ringes in denselben fallen. Sie bemerkt es mit freudigem Erstaunen, wirft auch ihre Hälfte in die goldene Schaale und der Ring vereinigt sich wieder zum ungetrennten Ganzen. Jetzt wird Kuno erkannt, und tritt wieder als Herr und Gemahl in die ihm gebührenden Rechte ein. Auch ist von nun an seine Ehe gesegnet; durch Jahrhunderte erblüht ihm eine zahlreiche Nachkommenschaft, die mit dankbarer Anerkennung ihres Ahnherrn Retter, den Falken mit geschwungenen Flügeln, in ihrem Wappen führt.[1]

So Lieblichschauerliches weiß die Sage vom Gründer der Burg Falkenstein dem gutwillig zuhörenden Wanderer da und dort in einer der einsamen Hütten mitzutheilen: fragt er aber nach den spätern Bewohnern des Schlosses und nach den Ursachen seiner Zerstörung, so zieht sie sich verstummend zurück und weiset den Fragenden in diesem späteren Gebiete an ihre jüngere Schwester, die Geschichte, die so gerne sinnend und forschend an ihrer Seite geht, und nun auch, wenn gleich in einfacherem und ernsterem Tone, dafür aber um so bestimmter und sicherer, das Wort übernimmt.

In den achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts hatten an der Burg Falkenstein mehrere Familienglieder Antheil, von denen sich nur Thoman von Falkenstein, eines Edelknechtes Sohn, zu Freiburg, wo er Bürger war, niedergelassen zu haben scheint. Die Uebrigen, Ritter Hans und Künlin, Herrn Künlins seligen[2] Sohn, nebst seinen drei Söhnen, dem Ritter Dietrich und den Edelknechten Werner und Klein-Künlin, hatten auf der Burg selbst ihre Häuser und Knechte.

Hier war schon seit Jahren die schöne Zeit ritterlicher Tugenden vorüber, und man benutzte ungescheut die allgemeine Gesetzlosigkeit des unter Wenzeslaus der größten Verwirrung preisgegebenen Reiches, um Vorüberziehende jeder Art anzufallen [414] und sich ihres Guts zu bemächtigen. Ohne Zweifel trug anfänglich die ganz abgeschiedene Lage der Burg, die fortwährende Einsamkeit und die Zuversicht, mit der man auf der unzugänglichen Felsenwand jedem Angriffe trotzen konnte, nicht wenig dazu bei, die übermüthigen Herren, welche überdieß noch schwere Schuldenlast drückte, in so schändliches Leben zu verlocken. Wie leicht mochte in ihnen, wenn sie von ihrem Adlersitze auf den tief in der Schlucht dahinziehenden Wanderer herabsahen, der Gedanke aufsteigen: der Fremdling, der hier in den Abgrund eingegangen, habe sich selbst muthwillig in ihr Gefängniß, in ihre Hände geliefert und sie zu Herren über sein Leben und Gut gemacht; sie dürfen nur wollen, so sey ihnen Beides verfallen, denn wer vermöge wohl, sie hier oben deßhalb zur Rede zu stellen?

Jede noch aus den Verhören aufbewahrte Aeußerung der Burgbesitzer zeugt von diesem gränzenlosen Uebermuthe und zugleich von einem sittlichen Verderben, welches nur der eigenen Frechheit Gehör gibt und jedem menschlichen und göttlichen Gesetze Hohn spricht. Als Werner einst vier ehrbare Männer aus den Landen des Herzogs von Geldern oder Jülich niederwarf, ihnen ihr Geld (bei 46 fl. oder mehr[3]) abnahm und sie selbst gefangen auf die Veste legte, mußten sie ihm bei ihrer Loslassung nicht nur schwören, Niemanden zu warnen, sondern auch sich selbst auf eine bestimmte Zeit wieder auf Falkenstein einzustellen. Zwar, bemerkt die Verhörurkunde, war es Wernern lieber, sie stellten sich nicht wieder ein; doch erwiederte er, als einige Knechte selbst sein Verfahren mißbilligten und ihm ins Gesicht sagten, er habe kein Recht zu diesen Leuten und zu ihrem Gute, wörtlich: „er wolle ihr Gut haben, würde er aber dazu gebracht, daß er es wiedergeben müßte, so hätte er es doch eine Weile unter Händen gehabt; und beriethe ihn Gott inzwischen andern Gutes, dazu er Recht habe, damit wolle er dieß Gut wiedererstatten.“

Noch weit unverholener sprach er sich bei einer anderen Gelegenheit aus und bewies zugleich, daß er sich nicht etwa selbst über sein Gewerbe täusche, sondern dasselbe vollkommen [415] zu würdigen und mit dem gehörigen Namen zu belegen wisse. Ein wandernder Walker, der zu Freiburg gedient hatte, wurde angehalten. Man nahm ihm sein Geld (5 Schillinge Straßburger) und fand unter Anderm noch zehn oder zwölf Steine bei ihm, welche Werner für Saphire, und darum den Gefangenen für einen Kaufmann hielt. Vergebens machte ihm ein Knecht neuerdings Vorstellungen. Werner bricht darüber voll Zorn in die Worte aus: „Schweig, daß dich …, was geht es dich an? verzagter Minner und barmherziger Räuber thun nie gut.“

Selbst das schöne Geschlecht, das doch allerwerts durch seine Milde sich auszeichnet und gewöhnlich mit Erbarmung die Wunden wieder heilt, welche ein schonungsloser Mann schlägt, scheint hier über den Schluchten des Höllenthales seiner Natur untreu geworden zu seyn und sich in der starren wilden Umgebung ganz verloren zu haben. Spähend sah zu jeder Zeit Werners Frau aus den Fenstern umher, und gewahrte sie dann unglückliche Wanderer, rief sie selbst den Ihrigen mit Lust zu: „Sie kommen, sie kommen, laufet abhin!“ Wie hoch steht neben ihr der gemeine Knecht, der ihr einst zu entgegnen wagte: „ich will nicht abhin laufen; soll ich Einem das Seinige nehmen, wozu ich kein Recht habe? Wie wohl gefiel’ es Euch, wenn ich Euch Euern Pelz nähme?“ Und doch vermochte sie es noch, ihm zu erwidern: „er wolle, schein’ es, ein Junker seyn!“

Nebst der Burgfrau besorgten noch besondere Knechte das Geschäft des Ausspähers. Sie sind namentlich in den Verhören aufgeführt: Dietrich Gipper, Hanmann Dietrich, Heintz Keller, der Niggel, der Wenk und Wernli Stock von Breitnau. Bisweilen stand auch einer der Burgherren selbst unter der Veste und angelte; kamen dann Reisende, so blies er in ein Hörnlein und alsbald stürzten die Knechte herbei. Klein-Künlin lief oft drei- und viermal von der Veste herab und war bei sämmtlichen Angriffen.

Auf Stand und Gewerbe wurde keine Rücksicht genommen; wer heran kam und überwältiget werden konnte, zog nur seines Gutes ledig weiter. Zu Rom führten acht Pilger, (wovon drei Geistliche) zwei aus Holland, zwei aus Flandern und vier aus England bittere Klage, wie ihnen 700 Gulden baar bei Falkenstein [416] abgenommen und sie noch überdieß gezwungen worden, ihren Weg fortzusetzen und Niemanden bis nach Rom zu klagen. Sieben Andere wurden auf der Burg in einen Keller geworfen und durchgesucht, da man aber nichts bei ihnen fand, ließ Werner sie wieder ledig, „aber“ sagen die Verhöre, „der Gipper und der Wenk nahmen ihnen ihre Kleider wider Werners Willen.“ Ein fremder Mönch verlor unter Falkenstein seine ganze Baarschaft, einen Gulden; und noch vor dem Herbste 1389 wurden sogar drei Schüler, deren einer des Vogtes Sohn von Burgheim war, auf die Veste geführt und durchgesucht und jedem so viel Schürlitz-Tuch abgenommen, als zu einem Wamms gehört.

Einen reicheren Fang machten die Räuber an einem Lombarden, der von Köln nach Como reiste und dem sie gegen seinen Geleitsbrief die gesponnenen Gold- und Silberfäden, die er bei sich trug, im Werthe zu 60 Gulden, abnahmen. Werner selbst bekannte, das Gut zu haben, und der Kaufmann richtete von Como aus an Freiburg eine Klagschrift in lateinischer Sprache. Herr Georg von Pala aus Flandern verlor 140 Gulden, wie des Grafen von Kirchberg Brief ausweist. Dem Peter, des von Mailand Boten, nahmen sie 70 Gulden Werth und 11 Franken, wie aus des Wehingers und Derer von Konstanz Briefen ersichtlich ist. Ein Brief aus Waldshut versichert, mit den Verhören übereinstimmend, daß einem zu dieser Stadt gehörigen Knechte 16 Pfund Heller und 6 Pfund neuer Pfennige abgenommen worden. Ulgker, ein Söldner von Freiburg, klagte, seine Baarschaft von 3 Gulden und 30 Schilling Pfennigen, Brüchlein, ein Kürschner, Hintersaß daselbst, 18 Pfennige verloren zu haben. Munderchingern, die des Weges zogen, wurden ihre Pferde und ihre Baarschaft abgenommen und sie noch überdieß um anderthalbhundert Gulden geschätzt, wovon sie fünfzig bezahlten. Einen andern Munderchinger erledigten die Freiburger. Ein Knecht von Ehingen mußte den Wein, den er führte, auf Falkenstein lassen; einem andern Knechte füllte man noch zum Spotte das geleerte Faß mit Wasser und den geleerten Sack mit Mist. Einem aus Mainz nahm man in Ermanglung von Anderem Briefe und Messer ab und ließ die Briefe durch Herrn Bernhart, einen Priester, lesen. Selbst [417] zum verächtlichsten Taschendiebstahle scheinen sich die Burgherren, wo es geschehen mochte, erniedriget zu haben. Von Wernern erzählte man, er habe des Vestenwirths Schwester eine silberne Schaale und einer Klosterfrau von Rothenmünster zwei Leilachen und ein Berwer-Mäntelein gestohlen.

Auch des nächtlichen Einbruches scheuten sie sich nicht. So befahl eins Klein-Künlin fünf Knechten, den zwei Brüdern Hennin und Klewin Hase, dem Pforrer und noch zwei Andern, nächtlicher Weile mit ihm zu Zarten in Horants Hof einzusteigen, wo sie einem fremden Händler aus Schwaben heimlich sechs Schafe nahmen, und Jeder, Klein-Künlin selbst auch, eines auf ihren Schultern in die Burg trugen. Dort wurden die Schafe geschunden und die Felle zu kleinen Stücken zerhackt und auf einen benachbarten Berg getragen, damit die That nicht auskommen möchte. Auf gleiche Weise wurde auch nächtlicher Weile von zwei Knechten ein Ochs zu Horben gestohlen und auf die Burg getrieben.

Bei weitem nicht alle von den Falkensteinern näher oder ferner verübte Diebstähle, Räubereien und Einbrüche sind erhoben und ausgezeichnet worden. Die niedergeschriebenen Verhöre umfassen nur einen kurzen Zeitraum vor der Zerstörung der Burg und deuten überdieß Manches nur an. Dabei beweisen verschiedene Stellen, wie unangenehm den Raubgenossen bei ihren Unternehmungen die Nähe der Stadt Freiburg war. Der Eine wünschte sie in Flammen aufgehen zu sehen, der Andere, die Freiburger auf’s Rad setzen zu können, ein Dritter brach in offene Drohungen gegen sie aus.

Es ist leicht zu erachten, daß es bei einem so schändlichen, gesetzlosen Leben zu noch weit empörenderen Greuelthaten kommen mußte. Man entsetzt sich, wenn man Klein-Künlins Verfahren gegen einen seiner Knechte, Weltin von Witenthal liest. Er hatte schon seit einiger Zeit mit dessen Frau sträflichen Umgang gepflogen und dafür den Unterhändler, Klewin Hase, mit einem neuen Wamms beschenkt. Der unglückliche Knecht merkte bald das Verhältniß, in dem seine Frau stand und machte ihr deßhalb Vorwürfe. Darüber entzündete sich in Klein-Künlin der heftigste Haß, und er schwur dem Knechte den Tod. Er ließ deßhalb eines Abends die beiden Hase zu sich kommen, gab dem [418] Klewin seinen eigenen Panzer, machte sich mit seinem Vorhaben bekannt und befahl ihnen, wenn er anfinge, ihm zu helfen, wogegen er auch, wenn sie anfingen, ihnen helfen wolle. Dann nahm er noch den Pforrer und Andere mit sich und ging mit ihnen und noch einem besonders hinzu bestellten Pfeiffer in des Knechtes Haus. Hier ließ er Allen Essen und Trinken auftragen und befahl endlich dem Pfeiffer zu spielen. Unglücklicher Weise nahm ein gerade anwesender Freund des Weltin das Wort: man möge nicht pfeiffen, es sey schon spät, sie wollten schlafen. Da rief Einer der Hase: man müsse es doch thun, und in gleichem Augenblicke zuckte Klein-Künlin sein Schwert und gab unversehens dem Weltin den ersten Streich; worauf auch die Hase ihre Schwerter zogen und, wie der städtische Bericht sagt, den armen Knecht erschlugen in seinem eigenen Haus, zudem, daß sie ihn an seinem ehlichen Weibe entehrt und das Seinige gegessen und getrunken hatten und über seinen Willen in sein Haus gegangen waren. Pforrer und die Uebrigen wagten es wegen ihres Herrn nicht, etwas gegen diese Mordthat zu thun; alle bekannten einstimmig: „Klein-Künlin hätte den Todschlag mit einem Worte gewendet, wenn er nur gewollt hätte.“ Die beiden blutdürstigen Hase, welche so bereitwillig den armen Weltin hatten morden helfen, entgingen, wie sich bald ergeben wird, der gerechten Strafe nicht.

Natürlich fand bei solchen Vorfällen ein steter Wechsel der Knechte auf Falkenstein statt. Den, der nur noch einiges Gefühl für Recht und Sittlichkeit hatte, trieb der Abscheu fort und sein Herr sah sich beim Abschiede genöthigt, ihn zu bitten: „daß er ihm, wenn er ihm auch nicht gut seyn wolle, doch nicht zu Schaden sey.“ Der Bösewicht aber suchte seinen schmählich zusammengerafften Erwerb in Sicherheit zu bringen, und benützte bisweilen die erste Gelegenheit, sich mit einer Summe zu entfernen, die den Besitzern der Burg selbst „unbillig“ däuchte. Wenige, des wüsten Lebens gewohnte, eben so feige und unzuverläßige, als raubsüchtige und grausame Menschen blieben zurück, mochten aber wohl wenig zur gehörigen Vertheidigung der Burg beitragen, bis endlich durch eine der schreiendsten Gewaltthaten, die im Spätherbste des Jahres 1389 auf der Burg vorfiel, [419] die Gerechtigkeit geweckt wurde und die schon längst verschuldete Strafe vollzog.

Der Untergang der Falkenburg ist an höchst unscheinbare Veranlassungen geknüpft. Ein Mädchen aus dem Kirchzartner Thale, die Tochter Künin Henselers, der Herrn Dietrich von Falkenstein leibeigen war; liebte Hans Schneider, einen Hintersaßen von Freiburg und ehelichte ihn gegen ihres Vaters und ihrer Freunde Willen. Ihr Mann war sehr arm und da auch sie nichts zur Mitgift erhielt, gerieth sie nach und nach in eine so bedrängte Lage, daß sie es doch nach einigen Jahren, als sie schon ein Kind hatte und das andere trug, wagte, mit ihrem Manne zu ihrem Vater und ihren Geschwistern zu gehen und sie um eine Unterstützung zu bitten. Die Bitte war vergebens und hatte die Folge, daß der alte Groll wieder aufgefrischt wurde. Nur ein Bruder war auf eine unkluge Weise mitleidiger; er sagte der armen Frau, sie möge einen Rock nehmen, der in ihres Vaters Hause lag und ihrer Schwester angehörte, um doch etwas für ihre Nothdurft zu haben. Aber eben dieser Rock wurde nachmals die Ursache ihres Unglücks. Der Vater und die übrigen Geschwister nämlich erklärten ihn für gestohlen, und ließen ihren Mann als muthmaßlichen Dieb zu Ebnet vor Gericht laden, wo er jedoch durch richterliches Urtheil sogleich losgesprochen wurde.

Von nun an kochte die unversöhnlichste Rache in den Herzen dieser elenden Menschen, die unabläßig darauf ausgingen, den Gegenstand ihres Hasses aus dem Wege zu räumen. Künin Henseler, der Vater selbst, beredete sich mit seinem Herren, der ihm erlaubte, und ihn sogar aufforderte, den Hans Schneider zu fangen und ihn auf die Veste Falkenstein zu führen, wobei er ihm ein Wortzeichen an Henni Frasselin, den Thorwächter zu Falkenstein, gab, damit ihn dieser mit dem Gefangenen einließe. Das Wortzeichen bestand darin, daß Herrn Dieterichs Kellner zu Baldenweg dem Frässelin vor Kurzem Brod und Fleisch in einem Sack gegeben habe.

Nun wurde dem Hans Schneider von allen Seiten aufgelauert, und es gelang auch dem Schlupf von Kappel, seinem Schwestersohne Hanmann Schlupf von Lütenweiler und Küni Weinmann von Kappel, ihn mit seiner Frau bei Freiburg [420] ob der Kapelle am obern Werde aufzufangen. Die Frau, als sie sah, daß man ihren Mann schlug und stach, fing ein lautes Geschrei an, da erhielt auch sie einen Schlag mit einem Spieß über den Rücken, daß sie bewußtlos niedersank. Indessen wurde ihr Mann das Kirchzartner Thal hinauf, zu den Birken in ihres Vaters Haus, fortgeschleppt, wohin auch sie, sobald sie der Sinne wieder mächtig wurde, nachfolgte. Hier blieb er einen Freitag und Samstag gefangen; Sonntag Morgens führte man ihn weiter auf die Burg Falkenstein, wo sie gleichfalls mit ihm einzudringen wußte. Nun legte man sie aber in eine Stube in Eisen, in der sie des folgendes Tages, von den Schlägen und dem Schrecken entkräftet, ein todtes Kind gebar. „Und war,“ erzählte sie nachher im Verhöre selbst, „Niemand bei ihr von Frauen noch Mannen, der ihr in diesen Sachen zu Statten käme. Und dasselbe ihr todtes Kind wand sie in ihren Darphart und Morndes (künftigen Tages) auf Dienstag zu Mittag ward sie aus dem Gefängniß gelassen und trug ihr todtes Kind bis nach Kirchzarten in das Dorf und begrub es da.“

Indessen hatte man sich über ihren Mann aufs Neue berathschlagt und Ritter Dietrich ihrem Vater erlaubt, mit demselben zu leben, wie er wolle. „Denn,“ sagte er zu ihm: „es ist besser, du verdirbst den Gefangenen, als daß er dich verdirbt.“ So war der Unglückliche ganz in die Hände seines rachedurstigsten Feindes gegeben, der nur noch schwankte, ob man ihn aufs freie Feld vor die Veste führen und dort erstechen, oder in ein Bergloch werfen, oder von der Veste selbst herabstürzen solle, sich aber bald für das Letztere entschied. Somit nahm Künin Henseler noch einen seiner Söhne, ferner Hanmann Schlupf, Künin Weinmann und noch zwei Andere zu sich und kündete dem unglücklichen Gefangenen das Todesurtheil an, wobei man ihn fragte, ob er in den Kleidern hinausfallen oder sie zum Heil seiner Seele in eine Kirche vergraben wolle. Hans Schneiders Antwort war: er wolle sie seinem Kinde geben, und somit zog er sich in Künlins Hause, wo er gefangen gelegen hatte, bis auf sein Niedergewand und sein Hemd aus, und wurde auf den höchsten Punkt der Veste in Herrn Dietrichs Haus an ein Fenster geführt, unter dem sich der Abgrund auf anderthalbhundert Klafter vertiefte, wo man ihm das Haupt zu dem Fensterlein [421] hinausdrückte und ihn Hanmann Schlupf vollends hinabstieß. Alle hatten Hand an ihn gelegt, nur Künin Henseler nicht, der Haupturheber seines Todes.

Am achten Tage, seit sie die Burg verlassen hatte, bekam endlich die Frau Nachricht von dem, was mit ihrem Manne zu Falkenstein vorgegangen war. „Da ging sie,“ fahren die Verhöracten fort, „mit ihrem kranken Leibe von Freiburg wieder gen Falkenstein unter die Burg an die Halde und suchte da ihren Mann, und fand ihn auch zerschmettert und modernd, und zog ihn herab an den Weg, und schuf, daß er ward begraben im Falkensteinerthal zu St. Oswalds Kirchen.“

Wohl mag noch jetzt kaum ein Herz ohne Rührung, kaum ein Aug’ ohne Thräne des Mitleids bleiben, wenn diese Ereignisse längst verschwundener Tage an ihm vorüberziehen; diese Gräuel, diese Unmenschlichkeit auf der einen, diese zärtliche, ehliche, väterliche und mütterliche Liebe auf der andern Seite; diese heilige Sorgfalt, die des Kindes in der schweren Todesstunde nicht vergißt und sein Wohl sogar dem eingebildeten Heil der eigenen Seele voranstellt; diese unverbrüchliche Treue, die der Erschöpfung und Kraftlosigkeit des eigenen Körpers nicht achtet, den zerschmetterten, modernden Gatten in ihren Schooß nimmt und ihm den einzigen Dienst erweist, den sie ihm noch erweisen kann: ihm ein Grab an geweihter Stätte zu bereiten.

Ergreifen solche Ereignisse noch jetzt nach mehr als vierhundert Jahren mit fortreißender Gewalt jede fühlende Seele, um wie viel mächtiger, ja wie unwiderstehlich muß nicht damals ihr Eindruck gewesen seyn, als sie so eben vor sich gingen und die neue Kunde lebendig von Mund zu Mund erscholl; als noch bei den frischen Gräbern des Vaters und Kindes sich die Haufen des tief empörten Volkes versammelten, und Frau und Mutter, in ihren Schmerz zerflossen, unter sie und vor den Rath und die Gemeinde zu Freiburg trat, um sie zur gerechtesten Rache aufzurufen.

Freiburg zögerte nicht. Sogleich wurden von allen Seiten her Erkundigungen über die Burg Falkenstein eingezogen, die Beraubten mündlich und schriftlich vernommen, und schon unterm 15. Jänner des folgenden Jahres (1390) ging ein eigener [422] Abgeordneter an das königliche Hofgericht zu Rotweil ab, dort Wernern von Falkenstein und die Seinigen und die Veste Falkenstein in die Acht zu verklagen. –

Es ist höchst wohlthuend, bei dieser Gelegenheit die Namen so vieler wahrhaft Edeln aufgeführt zu finden, die voll Abscheu gegen die Gräuelthaten einiger ihres Standes, und weit entfernt, denselben Vorschub zu thun, mit dem rächenden Freiburg sich verbanden, um die verdiente Strafe rücksichtslos und furchtbar über die Schuldigen ergehen zu lassen.

Der Angriff scheint noch in diesem Monate (Jänner) oder doch in den ersten Tagen des folgenden ausgeführt worden zu seyn; die Burg fiel im Sturme und wurde sogleich verbrannt und bis auf den Grund niedergerissen.

Merkwürdig ist es, daß die Sage auch hier wieder das Wort nimmt und den plötzlichen, wenn man ihre Lage betrachtet, kaum erklärlichen Fall der Burg, durch eine neue ihrer kleinen Erfindungen wahrscheinlicher zu machen und zugleich auszuschmücken sucht. Sie erzählt nämlich: unter den Gewaltthaten, welche die hier wohnenden Räuber (der gemeine Mann kennt, wie gesagt, diese Burg nur als Räubersitz) verübt hätten, sey auch die Entführung einer wunderschönen Frau nicht zu vergessen, welche bestimmt war, hier den Lüsten dieser schändlichen Menschen preis gegeben zu werden. Da sie die Unmöglichkeit, von der Veste zu kommen, eingesehen, habe sie sich scheinbar gutwillig in ihr Loos gefügt und dadurch bei den Räubern den Wahn erregt, als sey sie nun mit voller Seele die Ihrige. Endlich habe sie es gewagt, um Erlaubniß zu bitte, einen Markt in Freiburg zu besuchen, um dort Allerlei einzukaufen. Diese sei ihr auch geworden, und so habe sie dieselbe benützt, um bei dem Rate zu Freiburg die nöthigen Anzeigen zu machen. Darauf habe sie unter Anderm einen Schurz voll Erbsen gekauft und dieselben durch das Thal bis zum Eingange in die Burg verstreut. Die Freiburger seyen sodann diesen Spuren nachgegangen und hätten, auf ein weiteres Zeichen, – ein ausgehängtes weißes Tuch, – das Thor gesprengt und die überraschten Räuber in ihrem Trunke niedergemacht oder gefangen genommen. – Sollte nicht in diesem Märchen wenigstens einige Spur von Wahrheit und vielleicht unter der wunderschönen [423] Frau die Wittwe des unglücklichen Weltin und Witenthal verborgen seyn? Wunderbar wäre auf diese Weise wirklich das Walten der geheimnißvollen Wiedervergebung.

Die Zerstörung der Burg war übrigens nicht die einzige Strafe, welche die Falkensteiner traf. Freiburg hielt den Ritter Dietrich und später Klein-Künlin sammt mehreren Helfer in schweren Banden und erst nach langer Zeit ließ man jenen eine Sühne angedeihen. –

Ohne Zweifel mußte es den Falkensteinern sehr empfindlich fallen, die fast unbezwingliche Veste ihrer Ahnen schon so früh in Trümmern zu sehen. Sie siedelten sich wahrscheinlich alle, nach dem Sturze derselben, in Freiburg an und ihre Nachkommen versuchten es nun zu Anfange des folgenden Jahrhunderts, von der Stadt Freiburg die Erlaubniß zur Wiedererbauung ihrer Burg zu erhalten. Aber die Rathsbücher aus dieser Zeit melden: „Als vor unsern Rath gekommen sind Kaspar, Hans Jacob und Heinrich von Falkenstein von ihrer selbst und anderer ihrer Freunde wegen, und da erklärt haben, daß sie meinen, Falkenstein die Veste wieder zu bauen: da haben alte und neue Räthe die Briefe und bösen Geschichten, so vor Zeiten auf Falkenstein geschehen sind, darum die Veste gebrochen ward, zu Hand genommen, angehört und darauf erkannt, daß man die Veste nie wieder baue nach den bösen räublichen und schädlichen Thaten, so da geschehen sind. Und ist darauf den Obgenannten von Falkenstein, da sie die Unsern sind, bei ihren Eiden geboten worden, die Veste nicht zu bauen und die Sache fernerhin an Niemanden zu werben noch zu treiben; käme der Rath darüber in Kosten oder Schaden, so werde er sich an sie halten. Und hat der Rath geboten, es in dieß Buch zu schreiben zur ewigen Gedächtnuß.“ (6. Juni 1414.)

Mit dem Schicksale der Burg Falkenstein scheint auch das des Geschlechtes verknüpft gewesen zu seyn. Noch war jene nicht viel über ein Jahrhundert untergegangen, so sah man auch dieses, wenigstens in unsern Gegenden, verblüht.

Und so sind denn seit Jahrhunderten diese Trümmer in dem Zustande geblieben, in welchem die rächende Hand sie einst verlassen hat. Nur bisweilen wagt es ein Anwohner, vermeinten Schatzgewölben nachspürend, die ungeheueren Mauern da [424] und dort anzubohren; wenn er aber dann unerwartet, statt der gehofften Schätze, auf einen Haufen modernder Knochen stößt, laßt er mit Entsetzen von seinem Unternehmen ab und versichert den Wanderer treuherzig, es seyen dieß noch Ueberreste von Reisenden, die einst in diesem Raubschloß erwürgt und verscharrt worden.

Dr. Heinrich Schreiber.
(Vergl. auch „Taschenbuch für Geschichte und Alterthum in Südteutschland.“ IV. Bd. 1844. „Die Freiherren von Falkenstein.“ S. 149.)

  1. Freier erzählt und mit einigen Zusätzen bereichert, findet sich diese Sage bereits in Jakobis „Iris,“ Jahrgang 1805 Seite 210 u. ff. Hermann v. Rotteck, wie auch der Herausgeber, haben sie metrisch behandelt.
  2. Zuverläßig ist dieser Herr Kunlin selig derselbe, dessen abgehobener Grabstein noch in der rechten Seitenwand der Kirche zu Kirchzarten eingemauert zu sehen ist. Der Ritter ist auf demselben in voller Rüstung mit gefalteten Händen abgebildet, seine Füße ruhen auf einem Löwen. Die Rundschrift lautet: „Anno Domini MCCCXLIII. IV. Idus Maji obiit Dominus Cuno de Valkenstein Miles.“
  3. Man vergesse nicht, daß in diesen Zeiten das Geld einen weit höheren Werth hatte.