Sagen von der Burg Windeck

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Textdaten
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Autor: August Schnezler
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Titel: Sagen von der Burg Windeck
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 144–146
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
Themenseite: Bühl (Baden)
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[144]
Sagen von der Burg Windeck.

[145] Die Burgruine Altwindeck liegt eine Stunde südöstlich von der Amtsstadt Bühl auf einem westlichen Bergvorsprunge des Rheinthals; Neuwindeck aber im Neusatzer Thälchen. Der besuchteste Spaziergang von dem Bade Hub aus führt nach der Ruine von Altwindeck, gewöhnlich kurzweg die Windeck[1] genannt, die man in einer halben Stunde, gemächlich den Berg, an dem Dörfchen Waldmatt vorbei, hinansteigend, erreicht. Von Bühl aus führt der Weg zur Burg durch das schone Dorf Kappel-Windeck.

Die Gegend gehörte zur Zeit der Karolingischen Herrschaft zur Ortenau, als deren reichster Adel die Freiherren von Geroldseck aufgeführt werden, sowohl mächtig durch ihre Besitzungen, als auch durch die Vogtei über die reichen Stifte Ettenheim-Münster und Schuttern. Neben diesen scheinen auch die uralten Häuser der Dynasten von Windeck und Schauenburg bestanden zu haben, obwohl erst im 13. Jahrhundert der Name Windeck, aber schon sehr verbreitet, vorkommt; ein Name, der zwar schon seit ziemlich langer Zeit erloschen ist, dessen Andenken aber noch in den Stammtafeln mehrerer Häuser fortlebt, und von dem auch die Herrn von Reinach ihren Ursprung ableiten.

Die Windecker hatten große Besitzthümer: Schlösser, Dörfer und Städte; so gehörte ihnen u. A. die Stadt Stollhofen, sie waren auch Schirmvögte der berühmten Abtei Schwarzach. Der Hauptstamm theilte sich in drei Zweige, die auf Altwindeck, auf Burg Lauf oder Neu-Windeck, und im Bühlerthal saßen. Der bekannteste Name des Geschlechtes ist Reinhard von Windeck, dessen in Königshovens Straßburger Chronik gedacht wird. – Dieser Reinhard war einer der Martinsvögel, (Schleglerbund) die im Jahr 1367 unter Wolfs von Eberstein Anführung den Grafen Eberhard von Würtemberg und seinen Sohn Ulrich im Wildbad fangen wollten.[2] Drei Jahre darauf verwickelte sich Reinhard in argen Zwist mit der Stadt Straßburg; denn als der Domdechant, Hans von Ochsenstein, mit dem Dompropst, einem von Kyburg, in Streit gerieth, verschwor sich Letzterer mit dem Windecker, und sie führten den Dechant, den sie in seinem eigenen Haus überfallen und gefangen, mit Gewalt auf die Windeck, worauf die Straßburger den Probst alsbald in den Thurm warfen und mit reisigem Zeug ausrückten, um den Dechant zu befreien. Doch vermochten sie nicht, die starke, von tapfern Männern vertheidigte Burg zu brechen, und mußten [146] sich mit der Verheerung des offenen Landes begnügen. Endlich ward ein Waffenstillstand geschlossen, nach dessen Ablauf die vergebliche Belagerung und die Verwüstung sich wiederholten, und die gegenseitigen Feindseligkeiten noch ein ganzes Jahr lang dauerten.

Der Mannsstamm von Windeck erlosch im Jahr 1592 mit Jakob, der im Oesterreichischen Dienste starb.

Jetzt stehen von der Burg noch zwei wohlerhaltene, meilenweit kennbare Thürme da, in deren einem sich eine Art Rüstkammer befindet. An den Felsen lehnt sich ein Gebäude, das schon seit Menschengedenken den landesherrlichen Förstern zur Wohnung dient, und von dem eine Sage geht, welche Spindler in der Erzählung: „Die Freileute von der Herrenwiese“ (Vergißmeinnicht, 1834), wiedergegeben hat.

(Vergl. W. v. Chézy’s „Rundgemälde von Baden etc.“ S. 109 ff.)

  1. Nicht zu verwechseln mit Burg Windeck bei Weinheim.
  2. Näheres über diesen Gegenstand enthält u. A. auch Wilhelm von Chézy’s Roman: „Die Martinsvögel.“ Karlsruhe, 1847. Verlag von Creuzbauer. Vergl. auch Uhlands’ „Der Ueberfall im Wildbad.“