Schlage deine Mutter nicht!

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Schlage deine Mutter nicht!
Untertitel: {{{SUBTITEL}}}
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 216–217
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[216]
Schlage deine Mutter nicht!

Auf dem Kirchhofe zu Sinzheim bei Baden spukte früher der Geist eines Bürgermeisters in einem weißen Mantel. Damals kam an einem Winterabend ein Bauernbursch in die Spinnstube und fragte, wer wohl Muth genug habe, jetzt auf den Kirchhof zu gehen und dem Gespenst den Mantel abzunehmen? Eine herzhafte Magd, in der Meinung, die Bursche hätten dort, um den Leuten Furcht einzujagen, einen Schneemann errichtet und ihm ein Bettuch umgehängt, erklärte sich zu dem Wagestück bereit, ergriff einen Stock und ging allein auf [217] den Kirchhof. Als sie mitten darin war, stand das Gespenst unbeweglich da; sie riß ihm aber den Mantel ab und schlug mit ihrem Knüttel so lange auf ihn los, bis er ausrief: „Halt ein, ich habe nun genug gebüßt! Gib mir jetzt meinen Mantel wieder!“ – Die Magd sprang aber mit dem Mantel davon, und brachte ihn in die Spinnstube, wo er beim Anfühlen wie dicker Nebel befunden wurde. Am nächsten Tage stund der Geist noch auf demselben Platze; worauf man dem Pfarrer Anzeige davon machte, welcher die Magd nun vergebens ermahnte, dem Gespenste den Mantel wieder umzuhängen. Erst auf Befehl des Richters verstand sie sich dazu, worauf der Geist augenblicklich verschwand und dann aus der Erde die Worte hören ließ: „Du hast mich erlöst; ich hatte einst meine Mutter geschlagen und mußte nun dafür eben so viele Streiche von einer Person erhalten, welcher ich keinen Anlaß dazu gegeben.“

(Siehe Mone’s „Anzeiger etc.“ Jahrg. 1838.)