Schutz den Krähen

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Textdaten
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Autor: Dr. W. S.
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Titel: Schutz den Krähen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 20
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[20] Schutz den Krähen. Der um die Hebung der Forstcultur des nördlichen Oberösterreichs so hochverdiente fürstlich Starhemberg’sche Oberförster, Karl Geyer zu Waxemberg, hat im Laufe des letzten Sommers eine Entdeckung gemacht, die wohl die Aufmerksamkeit der Forstleute verdient. Wie im südlichen Böhmen tritt auch in den weitgedehnten Wäldern des nördlichen Oberösterreichs der Borkenkäfer[WS 1] in verheerender Anzahl auf. Zu seiner möglichsten Vertilgung brachte nun der oben genannte Herr in den ihm unterstellten Forsten nebst andern Mitteln die sogenannte Rindenfalle in Anwendung.

Stücke von Rinde werden mit der Bastseite in der Nähe von käferbehafteten Bäumen auf die Erde gelegt und mit einem Steine beschwert. Die schwärmenden Rüsselkäfer kriechen vor Tagesanbruch unter diese Rindenstücke und können so leicht gesammelt und vertilgt werden. Die auf diese Weise gestellten Rindenfallen waren nun regelmäßig des Morgens umgekehrt, die Steine weggerollt und kein Käfer war zu finden. Anfangs glaubte man es mit einem einfachen Bosheitsacte zu thun zu haben und Herr Geyer befahl, auf den Thäter zu fahnden. Der wachhabende Forstadjunct sah zwar keinen Menschen, jedoch eine große Zahl Raben- und Saatkrähen sich geschäftig in der Nähe der Rindenstücke herumtreiben, dieselben von den Steinen befreien, umdrehen und hin- und herzerren. Unmuthig darüber, schoß er einen der Vögel und hing ihn als Scheuche auf. Aber schon am nächsten Morgen hatte sich dasselbe Spiel wiederholt.

Als Herr Geyer diesen Bericht vernahm, machte ihn das dreiste Verhalten der sonst so vorsichtigen Vögel stutzen und den wahren Sachverhalt ahnend, untersuchte er den Magen der geschossenen Krähe. Derselbe war mit gefressenen Borkenkäfern[WS 1] ganz angefüllt. Der Magen mehrerer anderer im Walde geschossener Krähen zeigte denselben Inhalt. Unzweifelhaft sind sonach die Krähen unsere besten Alliirten im Kampfe gegen die Borkenkäfer[WS 1]. Bei dem durch den gefräßigen „Borkwurm“ so arg bedrohten Bestande unserer Wälder ist daher die Schonung dieser nützlichen Vögel nothwendig. Erwägt man ferner, eine wie große Zahl von Mäusen, Schnecken und Würmern die Krähe unaufhörlich vertilgt, so wird man zugeben müssen, daß diese armen schwarzen Gesellen vollkommen mit Unrecht für „vogelfrei“ erklärt werden. Es wäre sehr wünschenswerth, daß die Jagdbesitzer in Zukunft das Schießen der Krähen zu jeder Zeit streng untersagten, statt für das Erlegen derselben, wie es jetzt üblich ist, Schußgeld zu zahlen. Fällt auch mitunter ein faustgroßes Häschen oder ein Rebhuhn der Krähe als Beute – der große der Land- und besonders der Forstwirthschaft durch Schonung dieses Vogels gebrachte Nutzen wiegt gewiß diesen doch nur winzigen Verlust des Jägers auf.

Dr. W. S.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. a b c gemeint ist der Fichten-Rüssel-Käfer; vergl. Kleiner Briefkasten in Heft 8