Schwäbische Tafelrunde

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Schwäbische Tafelrunde
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 71–73
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Siehe auch Die Sieben Schwaben
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[71]
Schwäbische Tafelrunde.[1]

Neun Schwaben gingen über Land
Zu einer Dornenhecken,
Allda der Jockel stille stand,
That Abenteuer schmecken.

5
Es schlief ein Haas’ ganz starr im Gras,

Die Ohren that er recken,
Die Augen offen, hart wie Glas,
Es war ein rechter Schrecken.

Hätt’ Jeder ein Gewehr, gewiß

10
Er wollt’s für’n Andern strecken;

So hatten’s all Neun nur ein Spieß,
Wer darf den Haas’ mit wecken?

Drum hielten’s einen Kriegesrath,
All Neun ganz einig schiere,

15
Sie wollten thun ein kühne That

An dem grausamen Thiere.

All Neun an ihrem Schwabenspieß
Stehn mannlich hintreinander:
„Du Jockel, bist der vorderst gwiß!“

20
Sprach Einer zu dem Ander.
[72]

„Du Ragenohr, geh du voran!“
Der Vorderst thät auch sprechen:
„Ich muß dahinten vorne stahn
Ich schieb, du mußt nur stechen.“

25
Der Vorderst sprach: „Wärst du vorn dran,

Du sprächst nit, mein Geselle:
Du Ragenohr, geh du voran!
Hier ist ein’ harte Stelle.

Der Haas’ erwacht ob ihrem Streit,

30
Ging in den Wald hinschweifen,

Der schwäbisch Bund thät’ als ein Beut
Des Haasen Panner ergreifen.

Sie wollten auch dem Feind zur Flucht
Ein goldne Brücken schlagen,

35
Und han da lang ein Fluß gesucht,

Und kunnten kein erfragen.

Da stand ih’n auch ein See im Weg,
Der bracht’ ihn’n große Sorgen,
Weil in dem Gras, nit weit vom Steg,

40
Ein Frosch saß unverborgen;


Der immerdar geschrieen hat
Mit der qnakenten Stimme,
Wadwad, wadwad, wadwad, wadwad,
Da giengs dem Ragenohr schlimme.

45
Glaubt’, daß der Spiritus ihm rief:

Wad, wad! er könnt durchwaden,
Da thät er in dem Wasser tief
Ersaufen ohn zu baden.

Sein Schaubhut auf dem Wasser schwamm,

50
Da lobten ihn die Andern:

„Seht bis an’n Hut, der gut Landsmann,
Durch’ Wasser that er wandern!“

Der Frosch schrie wieder: Wad, wad, wad!
Der Jockel sprach: „Uns Allen

[73]
55
Der Landsmann ruft auf seinem Pfad,

Wir sollen nit lang kallen.

Wir sollen wahrlich jetzt vielmeh
Alsbald ohn Kriegesrathe
Wohl Alle springen in den See,

60
Weil wir noch sehn den Pfade.“ –


So richt’ ein Frosch neun Schwaben hin,
Die schier besiegt ein’ Haasen:
Drum hassen Schwaben immerhin
Die Frösch und auch die Haasen.

Altes Lied.

  1. [73] Um einen richtigen Begriff von den Schwabenstreichen zu bekommen, muß man die „Abenteuer der sieben Schwaben“ lesen im „Volksbüchlein“ von L. Auerbacher, (München 1832) Seite 105–156 des 1. Theiles.