Seemannstreue

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Textdaten
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Autor: Joachim Ringelnatz
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Titel: Seemannstreue
Untertitel:
aus: Kuttel-Daddeldu, S. 12 und 15
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1924
Verlag: Kurt Wolff Verlag
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Erscheinungsort: München
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Quelle: UB Bielefeld und Commons
Kurzbeschreibung:
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Seemannstreue


Nafikare necesse est.
Meine längste Braut war Alwine.
Ihrer blauen Augen Gelatine
Ist schon längst zerlaufen und verwest. –

5
Alwine sang so schön das Lied:

„Ein Jäger aus Kurpfalz“.

Wie Passatwind stand ihr der Humor.
– Sonntags morgens wurde sie bestattet
In der Heide, wo kein Bäumchen schattet,

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Und auch ihre Unschuld einst verlor.


Donnerstags grub ich sie wieder aus.
Da kamen mir schon ihre Ohrlappen
So sonderbar vor.

Freitags grub ich sie dann wieder ein.

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Niemand sah das in der stillen Heide. –

Montags wieder aus. Von ihrem Kleide,
Das man ihr ins Grab gegeben hatte,
Schnitt ich einer Handbreit gelber Seide,
Und die trägt mein Bruder als Krawatte. –

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Gruslig war’s: Bei dunklem oder feuchten

Wetter fing Alwine an zu leuchten.
Trotzdem parallel zu ihr verweilen
Wollt ich ewiglich und immerdar.
Bis sie schließlich an den weichen Teilen

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Schon ganz anders und ganz flüssig war.


[15]
Aus. Ein. Aus; so grub ich viele Wochen.

Doch es hat zuletzt zu schlecht gerochen.
Und die Nase wurde blauer Saft,
Wodrin lange Fadenwürmer krochen. –

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Nichts für ungut: das war ekelhaft. –

Und zuletzt sind mir die schlüpfrigen Knochen
Ausgeglitten und in lauter Stücke zerbrochen.

Und so nahm ich Abschied von die Stücke.
Ging mit einem Schoner nach Iquique,

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Ohne jemals wieder ihr Gebein

Auszugraben. Oder anzufassen.

Denn man soll die Toten schlafen lassen.