Seine Excellenz

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Titel: Ein altes Lied
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 35
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Gartenlaube (1892) b 017.jpg

Seine Excellenz.
Nach einer Zeichnung von Rob. Warthmüller.


[35] Seine Excellenz. (Zu dem Bilde S. 17.) Genau so sah der Freiherr Kilian von Dünkelwitz-Blasenheim aus, als sein allergnädigster Fürst ihm am Morgen des allerhöchsten Geburtstages in Anerkennung und zur Belohnung vierzigjähriger treuer und angestrengter Kammerherrndienste das Prädikat „Excellenz“ verlieh. – Excellenz! Wie wundervoll das klingt! Wie das emporhebt über den gemeinen Höflingsschwarm, zu welchem einst gehört zu haben der Freiherr Kilian sich nur noch dunkel erinnern kann! Wer will es ihm verdenken, daß er an jenem großen Tag eine ganz ungewöhnliche und für sein Podagra höchst gefährliche Promenade im Schloßgarten machte, den Kopf hochmüthig zurückgeworfen, die kurze Figur um einen Zoll höher gereckt, den Krückstock in der Rechten, die Linke majestätisch auf den Rücken gelegt, jeder Zoll eine Excellenz, welche die unterthänigen Grüße der Begegnenden als schuldigen Tribut gnädig hinnimmt. Die Haltung ist ganz königlich, es fehlt wahrhaftig nicht viel zum „alten Fritz“ – und dieses wenige bezieht sich ausschließlich auf den kleinen Zwischenraum vom oberen Kravatten- bis zum unteren Hutrande!

Bn.