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dieses Misstrauen lämend auf die kirchliche Tätigkeit, niederdrückend und verstimmend auf die Geistlichen gewirkt hat. Unrichtig aber ist, wenn der Verfasser „der einsamen Wege“ unter Mitteilung von Anekdoten schreibt: „Der Liberalismus warf die Arbeit der Behörde im Sturm über den Haufen (S. 392)“. Es ist einzelnes gefallen oder eigentlich nur zurückgestellt worden, und zwar nur solches, was nach unserer Überzeugung wenig Wert und nur ein zweifelhaftes Recht hatte. In Warheit ist unter Harleß das kirchlich lutherische Prinzip mehr und mehr im evangelischen Sinn und Geist nach allen Seiten zur Ausgestaltung gekommen, Dr. Böckh, im Oberkonsistorium der Erbe der liturgischen Studien und Intentionen Höflings, hat den „Agendenkern“ verfasst, der wärend der Bewegung vom Jare 1856 hart genug angegriffen wurde, sich aber immer mehr Ban brach und dann nach vielen Umarbeitungen und gepflogenen Beratungen im Jare 1879 definitiv in die „Agende für die evangelische lutherische Kirche in Bayern“ überging – nach gewichtigen liturgischen Autoritäten eine der trefflichsten Agenden Deutschlands. Auch die Katechismussache fand nach vielen Verhandlungen die erwünschteste Erledigung. Zwei Katechismuserklärungen, die eine mehr nach der älteren, die andere nach der neueren Methode verfasst, gelangten zur Einfürung. Die zweite: „Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus mit erklärenden Fragen und Antworten von D. Buchrucker“, wird von Harnack (Katechetik I, S. 104) zu den besten praktischen Arbeiten unserer Zeit gerechnet; von Zezschwitz urteilt über sie (Die Christenlehre im Zusammenhang I, S. 5): „Einzelne Meisterarbeiten auch nach methodischer Anlage liegen vor; wenn auch die wenigsten gleiche Meisterschaft in Maß und Wal des Stoffes, wie in knapper Präzision des Ausdrucks bewären, wie Buchrucker“. Sie ist bereits in 42 Auflagen verbreitet, hat in der bayerischen Landeskirche freudigste Aufnahme gefunden, wird aber auch weit über Bayern hinaus, besonders in Österreich und Rußland, immer mehr gebraucht. Hofmanns Theologie hat zu diesem und noch zu einem anderen Werke den Anstoß gegeben. Von Hofmanns heilsgeschichtlichen Grundanschauungen aus verfasste Buchrucker auch eine treffliche „biblische Geschichte, nach ihrem Zusammenhang

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 131. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/145&oldid=- (Version vom 31.7.2018)