Seite:Adolf von Stählin - Predigt über Evang. Lucä 21,33.pdf/7

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zu der hülf- und trostlosen Creatur, sie zurück zu tragen in ihren bergenden Schooß. Es enthüllt die heilige Schrift Gottes ewige Liebes- und Lebensgedanken, die höher sind denn der Himmel, tiefer denn das Meer. Denn wo ist solches in eines Menschen Herz gekommen, daß der Gott, den aller Himmel Himmel nicht fassen, vor dem auch die Sterne nicht rein sind, nichts als heilen, retten, erlösen will, was durch eigene Schuld ins Verderben gerathen; selber versöhnen und einen zu ewiger Gemeinschaft, was wider ihn ist in Gottentfremdung und Haß; beseligen und verherrlichen durch Mittheilung seiner Lebens- und Liebesfülle, was von Unfrieden und Elend geschlagen ist. Und die Gedanken Gottes sind ewige Wahrheit und es wandelt auf den Pfaden der Wahrheit allein, was den ewigen Gottesgedanken nachsinnet und nachgehet, und wird zur Lüge und trügerischem Irrlicht, was wider sie sich erhebt. Die Liebesgedanken Gottes sind aber geworden zu Liebesthaten. Thaten und Wunder der erlösenden Liebe verkündet uns die heilige Schrift, und ist die von ihr uns verkündete Geschichte nichts anderes als die Geschichte, die Gott selbst in wunderbarer Herablassung mit der sündigen Welt eingegangen, die ihre Vorbereitungen hat in den Zeiten des alten Bundes, ihren Vollzug in der Fülle der Zeiten, ihren Abschluß mit dem Schluß der Zeiten in der Siegesfeier der Ewigkeit. Es leuchten in unvergänglichem Glanze die Höhepunkte dieser heiligen Geschichte, hier der Sinai mit seiner Offenbarung göttlicher Heiligkeit, mit seinem rollenden Donner und seinen zuckenden Blitzen, dort Golgatha mit dem armen Kreuze, wo die weltversöhnende Liebe unter allen Schrecken der Sünde und Schauern des Todes erliegt und triumphirt zugleich, zuletzt der Thron des Weltheilands, der auch der Weltrichter ist, um den sich sammeln die Geschlechter der Erden, um den jubelt die Schaar der Erlösten. Um diese heilige Geschichte bewegt sich alles, was sonst auf Erden geschehen mag, sie ist das Meer, in welches die Ströme der Welt- und Völkergeschichte einmünden, oder auch der Fels,