Seite:Adolf von Stählin - Trost und Mahnung für die Kirche des Herrn.pdf/16

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Sie ist die Gemeinschaft des Glaubens und des christlichen Lebens. Religion und Glaube sind aber die tiefsten Mächte dieses Lebens überhaupt, sind der letzte Halt aller irdischen Verhältnisse. Je mehr diese Mächte unserm Volke entschwinden, je mehr Gottesfurcht und Scheu vor dem Heiligen aus seiner Mitte weichen würde, desto mehr würden auch alle Säulen sittlicher Ordnung und ächter Wohlfahrt wanken, desto mehr die Widerstandskraft gegen sittliche Auflösung dahinsinken. Seid ihr nun, in Christo geliebte Vertreter unserer Gemeinden, auf das Wohl der Kirche bedacht, wollt ihr mit aufrichtigem Sinne ihr Gedeihen und ihre Förderung, so baut ihr nicht allein sie, sondern in und mit ihr auch Ehe und Familie, Staat und Volk. Unser Volk würde in seinem Innersten geschädigt und nach allen Lehren der Geschichte unentrinnbar seinem Verfalle entgegen gehen, wollte es Ohr und Herz jenem Geiste öffnen, der seinen tausendjährigen Zusammenhang mit Kirche und Christenthum zerrissen und sein Leben deren Einflüssen möglichst entrückt sehen möchte. Auch die Liebe zu unserm Volke sollte jeden, der dem Geiste der Verneinung noch nicht völlig verfallen, antreiben, für die höchsten Güter desselben, für das wahre geschichtliche Christenthum, für den guten alten Glauben, für die Treue gegen Gott und sein Wort, für die Kirche als Wächterin derselben einzutreten. O möge diese Generalsynode dazu dienen, uns gegenseitig zu dem einem großen, hohen Liebesdienste zu verbinden, den wir der Kirche, den wir unserm Volke, den wir unsern Gemeinden schulden, Christi Reich und Christi Leben und damit wahre Sittlichkeit, ächte Liebe und Pietät, den Geist der Selbstverleugnung und Hingebung eines an das andere allenthalben zu fördern.

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 Und wie viel sagt uns Geistlichen die heutige Feier! Wir vor allem sollen das Siegel auf dem Herzen tragen: der Herr kennet die Seinen, in uns vor allem sollen die Lebenspulse Christi schlagen. In uns muß Wort und Bekenntniß lebendig geworden sein, wenn durch unsern Dienst wahres christliches und kirchliches Leben in unsern Gemeinden geweckt, gepflegt und erhalten werden soll. Doch will ich wahrlich heute nicht euch, ehrwürdige Väter in Christo, eine Predigt halten. Ich denke heute vielmehr mit dankbarem Herzen der zum Theil schweren, sauren Kämpfe, unter denen ihr den Boden des väterlichen Glaubens und Bekenntnisses habt erringen