Seite:Adolf von Stählin - Trost und Mahnung für die Kirche des Herrn.pdf/8

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freilich nicht immer verfolgt, aber eine Verfolgung ist über alle Zeiten verbreitet, eine Verfolgung mit geistigen Waffen. Sie begann schon damals, als die Kirche ganz auf sich selbst gestellt war und ist fortgegangen bis auf die Gegenwart. Wer zählt all die Bücher, die je und je von Juden und Heiden und abgefallenen Christen gegen Christenthum und Kirche, gegen den Herrn und seine ewige Majestät geschrieben worden sind? Was wäre es für ein Anblick, wenn all diese Erzeugnisse widerchristlichen Geistes zu Hauf vor uns lägen! Wie oft hatte man der Kirche schon den Todtenschein ausgestellt, die Grabtücher ihr gewoben in Schriften voll tödtlichen Hasses und giftigen Spottes – aber es ging ihr wie ihrem Herrn unter dem Kreuze. Die Feinde triumphirten, er aber rüstete sich zu dem wunderbarsten Lebenssiege, das Kreuz wurde ihm die Staffel zu ewiger Herrlichkeit. So waren gerade die Zeiten, wo die Fabel aufkam über den Untergang des Christenthums und der Kirche, Zeiten neuer Kräftigung, neuer Verjüngung, neuer Lebensoffenbarung für dieselbe. Die Lanzenstiche, womit Zweifelsucht und Unglaube ihren Leib zu verletzen suchten, dienten nur dazu, daß neue Lebensströme ihr entquollen.

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 Aber in unsern Tagen? Seht ihr denn nicht, rufen so manche, wie eure Kirche wankt und dem Falle bereits nahe ist? Freilich, was man in Kirche und kirchlichen Dingen auf den Sandgrund menschlicher Gedanken stellt, das wankt wie dieser selbst, und mancher ohnedieß lose Stein weicht völlig. Aber der feste Grund Gottes bestehet. Den Fels, den ein Meer von Verfolgung und Widerspruch bisher vergeblich umspült, wird auch der Zungen- und Federkrieg unserer Tage nicht umstoßen. Wohl weiß ich, und wisset ihr es, Geliebte, großenteils auch, daß kaum je so keck und vermessen, um gelinde zu reden, je mit so ausgesuchten Waffen, in so verschiedenartiger und denn doch wieder so geschlossener Weise, nicht gegen Neben- und Außenwerke, sondern gegen die Burg des Christenthums, gegen den Grund der Kirche, gegen den Herrn Jesum selbst, seine Person und sein Werk zu Felde gezogen wurde, als gegenwärtig. Aber es ist ein Wölklein und wird vorübergehen, hat ein großer Kirchenlehrer in großer Kirchennoth vor vielen Jahrhunderten nicht umsonst gesprochen. Man wird die Namen derer, die jetzt den Herrn offen oder versteckt lästern, vergessen.