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O köstlich Drei! Mein Blick erkennt

Auf wild empörtem Element
Im Königsgreis mit Silberhaar
Den Glauben, stolz und wunderbar,
Der mit des Schicksals Stürmen ringt,

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Bis er das Siegesbanner schwingt …


Mein Blick der – Liebe Gottgewalt
Erkennt in jener Huldgestalt,
Die, als verschlang das Kindlein zart
Die Woge, selbst zu Woge ward,

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Um es zu betten weich und warm

Am Blumenstrand im Mutterarm.
Mein Blick erkennt in jenem Kind
Mit Engelszügen, friedlich-lind,
Der – Hoffnung Bild, als um mich her

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Nur – Nebel wallt – auf weitem Meer



Konstantin Gaszynski.
Einsam.

Wer zu den Sternen rastlos lenkt den Geist,
Die Seele los von Welt und Menschen reißt,
Ob er in Wüsten, ob auf Klippen weile,
Ob mit dem Gießbach er zur Thalschlucht eile,
Ob ihn die Phantasie mit Adlerflug
Durch wolkenloses Blau zum Aether trug –
Nicht der ist einsam: scheinbar schweigt er nur
Im Zwiegespräch mit Gott und der Natur!
Nur wer, umringt von List and Heuchelei,
Verachtet still des Pöbels Narrethei,
Und hat kein Wesen, dem er sich vertrauen,
Mit dem er kann zum Paradiese schauen,
Kein Wesen, das ihn Freund und Bruder nennt,
Kein Herz, das nur für ihn in Liebe brennt,
und keinen Arm, der ihn umschlungen hält –
Nur der ist einsam – mitten in der Welt!

Empfohlene Zitierweise:
Albert Weiß: Polnische Dichtung in deutschem Gewande. Otto Hendel, Halle a. d. S. 1891, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Albert_Weiss_-_Polnische_Dichtung_in_deutschem_Gewande.pdf/58&oldid=- (Version vom 17.5.2022)