Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/130

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Wir richten nun unsere Aufmerksamkeit auf ein zweites, durch seine ausgezeichneten Leistungen rühmlich bekanntes Etablissement Dresdens,


Die chemisch-technische Fabrik von Thenius, Grahl und Comp. in Dresden.
(Mit Abbildung.)


Dieses Etablissement befindet sich in der Antonstadt und bildet ein Glied der Reihe von Fabriken, welche sich in der Nähe der sächsisch-schlesischen Eisenbahn, längs der Königsbrücker Straße der nahen Haide zuziehen und die sich durch die zahlreichen hohen Essen schon aus weiterer Entfernung dem Auge bemerklich machen. Es besteht aus sechs Gebäuden und zwar befinden sich in denselben

a) die Seifen-Fabrik, Paraffin- und Photogen-Fabrik, Fabrikation von caustischem Kali und Natron-Laugen; in
b) Soda- und Alaun-Fabrik, sowie die Apparate zur Amoniak-, Salmiakgeist-, Fluß- und Glaubersalz-Fabrikation, nebst Knochendarre und Raspelmühle für Farbehölzer; in
c) das Maschinenhaus, Retortenofen für Knochenkohle und Beinschwarz und verschiedene Destillir-Apparate; in
d) Knochenstampfwerk und Siebmaschine für Knochenmehl und pulverisirte Farbehölzer; in
e, die Niederlage für diverse Fabrikate; in
f, das Comptoir, Paraffinpresse, Stallung und verschiedene Lagerräume.

Hierzu gehören noch drei Scheffel Garten und Feld.

In Neustadt-Dresden hat die Fabrik ein Comptoir mit Niederlage. (Königstraße Nr. 19).

Als Branchen umfaßt das Etablissement die Fabrikation chemisch-technischer Producte und sind die Haupterzeugnisse Seifen in allen Sorten, calcinirte und cristallisirte Soda, Glaubersalz, caustische Kali- und Natron-Laugen, Alaun, Paraffin und Photogen, schwefel- und salzsaures Amoniak, Salmiakgeist, Knochenmehl, Knochenkohle und Beinschwarz, geraspelte und pulverisirte Farbehölzer, Fluß zur Wollwäsche u.s.w.

Da diese sämmtliche Produkte keine Luxusartikel umfassen, so können sie auch Alle als gangbar bezeichnet werden; vorzügliche Anerkennung findet aber

der Alaun, weil er gänzlich frei von Eisengehalt ist;
das Photogen, nächst dem Hamburger das erste durch seine vorzügliche Leuchtkraft bislang noch unübertroffene Produkt dieser Branche, welches überdies vor dem Hamburger Photogen noch den sehr beachtungswerthen Vorzug hat, daß es durchaus nicht feuergefährlich ist; und
die caustischen Kali- und Natron-Laugen wegen ihrer tadellosen chemischen Reinheit.

Ihren Absatz finden diese Produkte in allen Staaten des deutschen Zollvereins, sowie nach Böhmen. Ausgestellt waren die Fabrikate erst in Dresden im Jahre 1856, auf welcher Ausstellung keine Prämien zuerkannt wurden.

Das Etablissement besitzt eine Dampfmaschine von zehn Pferdekraft zum Betrieb eines Stampfwerkes,

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 122. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/130&oldid=- (Version vom 7.1.2019)