Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/15

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Auf allen größeren Industrie-Ausstellungen Deutschlands, sowie zu Paris (während London wegen zu überhäuften Aufträgen nicht beschickt werden konnte) haben sie die größte Anerkennung gefunden und sind mit den vorzüglichsten Prämien gekrönt worden, wie unter Andern z. B.:

1843 zu Dresden mit der großen goldenen Medaille für gangbare Dampf-Maschinen, durch welche sämmtliche ausgestellten Maschinen zum ersten Mal in einer Ausstellung in Betrieb waren, und den Webestuhl für Tuchfabrikation.

1844 zu Berlin die große silberne Medaille für Streichgarn-Spinn-Maschinen und baumwollene Selfacting-Mule-Maschine.

1850 zu Leipzig den Verdienst-Orden wegen Ausstellung einer Locomotive, Dampf- und Spinnerei-Maschine.

1854 zu München den Verdienst-Orden zum heiligen Michael für Maschinen zur Baumwoll-, Kamm- und Streichgarn-Spinnerei, sämmtlich in Betrieb, sowie für Meyer’sche, Woolf’sche transportable Dampfmaschinen.

Mit Staunen und Verwunderung stehen wir in diesen, von der Riesenhaftigkeit menschlicher Fähigkeiten überall Zeugniß gebenden Räumen; und wenn wir uns einerseits beinahe beängstigt fühlen, gegenüber den gewaltigen, Vernichtung drohenden Kräften des Dampfes und des Feuers, so stärkt uns andererseits doch nur um so mehr das Bewußtsein der Uebermacht des diese furchtbaren Naturkräfte mit Weisheit und gleichsam spielend und sorglos benutzenden Menschengeistes, wie wir auf jedem Schritte, bei jedem Blicke davon die deutlichsten Beweise finden.

Unwillkürlich wenden wir da unsere Aufmerksamkeit auf den Gründer, Lenker und Besitzer dieses großartigen Fabrik-Etablissements, Herrn Richard Hartmann, und wir finden in ihm einen Mann, noch in voller Manneskraft stehend, mit rastlos thätigem Geist, der in dem großen Kampfe unserer Industrie manche Schlacht geschlagen, manches Hinderniß bekämpft und manchen Sieg erfochten hat.

Geboren im Jahre 1809 zu Barr bei Straßburg, im Departement Niederrhein, begründete er 1837 sein jetzt über 1200 Personen zählendes Etablissement in Chemnitz mit nur drei Arbeitern und widmete anfänglich besonders der Baumwollspinnerei-Branche seine volle Aufmerksamkeit. Durch eine etwas später gemachte hochwichtige Erfindung „der Contumee“ (Vorspinnkrämpel zur Streichgarnspinnerei) schaffte er sich sehr bald einen ausgebreiteten Ruf, welcher durch eine Reihe anderer nützlicher Erfahrungen nur noch erweitert wurde, so daß nie Mangel an Aufträgen fühlbar worden ist. Die Zahl seiner Arbeiter mußte fort und fort vermehrt werden und seine Werkstätten breiteten sich mit unglaublicher Schnelligkeit nach allen Seiten aus. 1847/48 errichtete Richard Hartmann seine Locomotiven- und Tender-Bau-Anstalt, nachdem mehrere Jahre vorher der Dampfmaschinenbau mit Kesselschmiede begründet war. Im Frühjahr 1855 etablirte der nimmermüde Geist auch eine Werkstätte für den Turbinen- und Tengential-Räder-Bau, dem bald darauf eine gleiche für größere Bergwerks-Maschinen, Kunstzeuge, Erdbohrer etc, durch Dampfkraft in Bewegung gesetzt, folgte.

Er hat uns auf das Eindringlichste bewiesen, was der Geist eines Mannes und wieviel ein Mann vermag, der ganz das ist, was er sein will und soll, und unbeirrt durch Hindernisse einzig nur sein großes Ziel vor Augen hat!

Möge der verehrte Mann noch recht lange segensreich wirken in seinem Berufskreise, und uns sowie dem heranwachsenden Geschlechte voranleuchten als ein nachahmungswürdiges Muster und Vorbild!



Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/15&oldid=- (Version vom 7.1.2019)