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Die Maschinen-Fabrik von Richard Hartmann in Chemnitz.
(Hierzu eine Abbildung.)


Wandern wir von Chemnitz die Leipziger Chaussee entlang, so treffen wir südwestlich von der Stadt am Chemnitzflusse auf dieses weltberühmte Etablissement, das sich daselbst über einen Flächenraum von mehr als 160,000 □Ellen erstreckt.

Eine Menge ein-, zwei- und mehrstöckiger Gebäude, durchgängig massiv, mit vielen thurmhohen Schornsteinen, aus denen die Rauchwolken gleich Siegesfahnen des Dampfes lustig flattern, giebt uns das Bild der Fabrikstadt Chemnitz im Kleinen wieder, ja wir haben hier selbst eine kleine Fabrikstadt vor uns; denn es befinden sich allein diesseits der Leipziger Straße neun Gebäude mit herrschaftlichem Wohnhaus, während jenseits derselben noch acht größere und kleinere Gebäude in den letzten drei Jahren aufgeführt wurden, welche sämmtlich das Hartmann’sche Etablissement bilden. Um auch das Schöne und Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, umschließen ferner noch am Fuße des Katzberges neue große Parkanlagen mit mehreren herrlichen, in verschiedenem Styl erbauten Pavillons die jenseits der oben genannten Straße gelegenen Fabrikgebäude.

Sehen wir uns in den Gebäuden selbst um, wozu Herr Hartmann jederzeit auf das Zuvorkommendste und Bereitwilligste die Hand bietet, so finden wir im Parterre:

1) die Locomotiven-Bau-Anstalt,
2) den Dampfmaschinen-Bau mit Kesselschmiede,
3) den Turbinen-, Wasserräder- Transmissionen-Bau,
4) sämmtliche große Drehbänke, Bohr-, Hobel-, Nuth-Stoß- und Schraubenschneide-Maschinen, sowie Räderschneidemaschinen in größerer Dimension;
5) die Anstalt zum Bau größerer Werkzeugmaschinen;
6) den Bau von Appretur-Maschinen für Tuchfabrikation, als Rau-Maschinen, Walken, hydraulische Pressen;

in den oberen Stockwerken:

die kleinen Drehbänke, Modelltischlerei und eine große Anzahl anderer Hilfsmaschinen; den Bau von Maschinen für Baumwoll-, Kamm- und Streichgarn-Spinnerei, Scheer-Maschinen, ferner den Bau von Weberei-Maschinen, als mechanische Webstühle, Kettenscheer-Bäum- und Spul-Maschinen.

Welche Menge von Arbeitsfächern und Geschäftsbranchen, zu denen noch einige großartige Schmiede-Werkstätten mit Dampfhammer und Schweißöfen, bedeutende Eisen-, Kupfer-, Messing- und Roth-Gießerei hinzukommen.

Sämmtliche größere und kleinere (Hilfs-) Maschinen werden durch vier Dampfmaschinen von zusammen circa 100 Pferdekraft bewegt; letztere sind von verschiedener Größe, aber sämmtlich von den anerkannt besten Constructionen.

Hier in diesen Räumen herrscht stets ein äußerst reges Leben, was man sich leicht vorstellen kann, wenn man bedenkt, daß allein 1000 bis 1200 Fabrikarbeiter fortwährend darin beschäftigt sind, und außerdem noch ein Procurist (der rühmlichst bekannte Herr F. E. Hermsdorf), 27 Comptoiristen und Expedienten, 4 technische Oberbeamte und 19 diesen zugeordnete Techniker für die einzelnen Branchen, 18 Zeichner und 8 Reisende zu dem so reichlich besetzten Personal dieses Etablissements gehören.

Sämmtliche hier erwähnte Branchen stehen im größten Flor und die hieraus hervorgehenden Erzeugnisse sind ohne Ausnahme weithin berühmt und als vorzüglich anerkannt, weshalb denn auch Aufträge darauf fortwährend nicht nur aus ganz Europa, sondern sogar nicht selten auch aus den neueren Welttheilen eingehen.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/14&oldid=- (Version vom 7.1.2019)