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457 Karren und 610 Truhen bestimmt. Diesem Regulativ folgte 1760 eine neue Kohlentaxe, nach welcher das Fuder mit 4 Thalern, der Karren mit 1 Thaler 8 Groschen und die Truhe mit 20 Groschen zu bezahlen war.

Eine 1765 auf Veranlassung der Regierung unternommene Localrevision der Zwickauer Kohlenwerke fand im Ganzen dreizehn Schächte im Betrieb. Der Ertrag dieser Schächte war von Michaelis 1766 bis dahin 1767 37,721½ Dresdner Scheffel, ein Quantum, welches 1797 auf 42,918 Scheffel und 1798 auf 64,456 Scheffel stieg, ein Aufschwung, welcher hauptsächlich als das Verdienst des Kohlenaufseher in Planitz, Johann Heinrich Tittel, bezeichnet werden muß.

Der Betrieb der Kohlenwerke blieb aber doch sehr mangelhaft, auch die andern Verhältnisse ließen Vieles zu wünschen übrig und vorzüglich laut waren die Klagen über die drückenden Fesseln der Kohlenordnung, welches 1801 eine Revision der gesammten Kohlenwerke Zwickaus durch den Freiberger Bergrath von Oppel herbeiführte, deren einziger Erfolg war, daß dem Stollenbau wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Man nahm 1807 den Bockwa-Hohndorfer Hauptstollen wieder in Betrieb, mauerte den Bockwa-Planitzer Communstollen aus und begann den, aber nie beendigten Louisenstollen.

Die Franzosenkriege unterbrachen alle weitere Thätigkeit und erst 1815 dachte man an eine neue wirksamere Revision, an welcher sich auch der damalige Bergrath, spätere Ober-Berghauptmann Freiherr von Herder betheiligte, aber ebenfalls zu keinen weiteren Resultaten gelangte. Herder sprach sich dahin aus: „daß nur dann der Zwickauer Kohlenbau einen größeren Aufschwung erhalten könne, wenn die Reiheladung aufgehoben würde und eine Vereinigung sämmtlicher Bockwa-Hohndorfer Gewerke Behufs eines gemeinschaftlichen Betriebsplans der Kohlenwerke zu Stande käme.“ – Von diesem Allen geschah für jetzt nichts.

Das Wiederaufleben des seit länger als hundert Jahren ruhenden Kohlenbaus auf Reinsdorfer Revier im Jahr 1820 gab Veranlassung zur endlichen Aufhebung eines alten Uebelstandes. – Schon 1800 hatte der Lieutenant von Spiegel in Zwickau auf jenem Revier erfolglose Bohrversuche gemacht; glücklicher aber war zwanzig Jahre später der Gutsbesitzer Meier, welcher Kohlen fand, aber wegen des häufigen Wassers nicht selbst bauen wollte, sondern das Kohlengrundstück dem unterdessen zum Major avancirten Herrn von Spiegel verkaufte, welcher mit dem Hofrath Dr. Schaufuß in Greiz sich associrte und mit gutem Erfolg Kohlen förderte. Dieses glückliche Unternehmen veranlaßte die Bildung eines Vereins Reinsdorfer Grundbesitzer, welcher ebenfalls Bohrversuche machte, Kohlen fand und abbaute. – Versuche Anderer auf jenem Revier scheiterten.

Die Reinsdorfer Kohlenwerksbesitzer wurden nun aufgefordert, sich den alten Gewerkschaften anzuschließen, deren Statuten anzunehmen und sich mithin auch der Reiheladung und Kohlentaxe zu unterwerfen, verweigerten es aber geradezu und verkauften ihre Kohlen nach wie vorher frei. Dieses bewog den Gutsbesitzer Kästner in Bockwa, im Verein mit noch zehn andern Gewerken auf Aufhebung der Reiheladung und bisherigen gewerkschaftlichen Verfassung anzutragen, welches Gesuch aber erst nach dreijährigem Kampfe am 21. November 1823 bewilligt wurde, nachdem der Innungszwang in Folge stillschweigenden Uebereinkommens faktisch schon aufgehört hatte. – Die erste Folge war, daß die Kohlenpreise fast um die Hälfte sanken, denn während man 1822 noch für den Karren Feuerkohlen 2 Thaler 6 Groschen zahlen mußte, kam jetzt der Karren 1 Thaler 12 Groschen.

Einen wesentlichen Antheil an dem nun beginnenden Aufschwung des Kohlenbaues hatte auch das schon 1822 erlassene Steinkohlenmandat, welches unter Anderm auch das Ausfuhrverbot wieder aufhob.

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 199. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/207&oldid=- (Version vom 9.3.2019)