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Resultat war kein ungünstiges, trotzdem, daß das Etablissement gleich im Anfange die verhängnißvollen Jahre 1847, 1848 und 1849 zu überwinden hatte, welche so manchem schon blühenden Geschäft den Todesstoß versetzten. Bald aber fühlte sich der Besitzer wieder beengt, da das in der Stadt gelegene Grundstück eine Erweiterung ohne große Schwierigkeiten nicht gestattete. Es machte sich deshalb immer wünschenswerther, einen mehr Raum bietenden Platz zu finden. Ohne die Sache gerade ausgeboten zu haben, fand sich bald ein Käufer zu dem Grundstück incl. der Spinnerei und dieses gab die Veranlassung zu dem jetzigen Etablissement.

Um nicht sobald wieder in die frühere Verlegenheit zu kommen, wegen Mangel an Platz in der nöthig sich machenden Erweiterung des Etablissements behindert zu sein, wurde im Jahre 1853 das Grundstück unter dem Katzberge angekauft und bei Beginn der günstigen Witterung sofort zum Bau des Fabrikgebäudes geschritten, welches auch dasselbe Jahr trotz der großen Schwierigkeiten, die sich bei der Gründung herausstellten, so weit fertig wurde, daß der Ausbau den folgenden Winter vollendet und mit der Aufstellung der Maschinen begonnen werden konnte. Obgleich auch dieses Mal der größte Theil der Maschinen, hauptsächlich alle Vorbereitungsmaschinen, Krempeln und Fleyer in der eigenen Werkstatt gebaut und nur einige Sealfactors, um schneller zum Ziele zu kommen, von England bezogen worden sind, so wurde doch schon 1854 das erste Garn gesponnen.

Die durch Anwendung der Rundstühle sich immer mehr ausbreitende Strumpfmanufaktur in und um Chemnitz, und der dadurch gesteigerte Bedarf an guten Strumpfgarnen, die am liebsten in Cops von dem Sealfaktor genommen werden, gab Veranlassung, von den früher gelieferten Webergarnen auf die sogenannten Strumpf-Medios überzugehen. Die gehoffte Anerkennung des neuen Gespinnstes blieb auch nicht aus und so ist das Etablissement, sowohl Spinnerei als Maschinenbau bis jetzt immer in stetem Fortschreiten begriffen gewesen, so daß es nicht nur bald den im Anfang projektirten Umfang erreichen, sondern noch an größerer Ausdehnung gewinnen dürfte, wozu jetzt hinreichender Platz vorhanden ist.




Die Orleansfabrik von E. F. Könitzer in Zittau.
(Mit Abbildung.)


Dieses Etablissement befindet sich in der Stadt Zittau, an der Promenade zwischen dem böhmischen Thore und der mandauer Pforte gelegen und besitzt an Gebäuden

ein inclusive des Parterre drei Etagen hohes Webereigebäude von vierundzwanzig Ellen Tiefe, fünfundachtzig Ellen Straßenfront, und mit einem Seitenflügel von fünfzig Ellen Front, in dessen erstem Saal einhundertundfünfzig Dampfwebestühle und in dem zweiten Saal hundert Handwebestühle aufgestellt sind;
ein Färberei- und Appreturgebäude von zwanzig Ellen Tiefe und fünfundsiebenzig Ellen Länge;
zwei Dampfkesselhäuser;
ein Dampfmaschinenhaus;
eine Gasbereitungsanstalt mit Gasometer;
ein an das Webereigebäude sich anschließendes Wohnhaus von dreißig Ellen Fronte, in dem sich das Comptoir befindet.


Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 285. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/293&oldid=- (Version vom 9.3.2019)