Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/59

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Es umfaßt dieses ganze Haupt-Etablissement:

zwei Hauptgebäude mit einem Flügelgebäude, in welchem letzteren beide Papiermaschinen in einem Saale stehen. Da es der Raum überall zuließ, ist jede Branche der Arbeit immer in einem Locale vereint, z. B. die Holländer, die Bleiche, die Papiersortirung, und es erleichtert dies Fabrikation und Aufsicht selbst. – Ein neuer bedeutender Anbau, welcher zwei Dampfmaschinen und 6 Holländer enthalten soll, ist nach demselben Principe construirt und schließt sich dem schon vorhandenen Werke in größter Symetrie an.

Die Fabrik in Obergurig liegt ebenfalls weiter abwärts an der Spree in einem von Bergen begrenzten Thale, circa 10 Minuten von dem eigentlichen Dorf entfernt. Sie bildet kein so regelmäßiges Ganze, da in ihr die stufenweise Vergrößerung ersichtlich ist, doch haben auch hier bedeutende Renovirungen Einheit und Ordnung in den baulichen Verhältnissen zu schaffen gesucht. Sehr schön hell, hoch und geräumig ist das Maschinenhaus, das Dampfkesselhaus etc.

Die bevorzugte Fabrikation ist die feiner Druckpapiere, namentlich lithographische und Kupferdrucksorten. Canzlei- und Postpapiere werden in der Bautzner Fabrik zu regelmäßig wiederkehrenden Zeiten gefertigt und außer courenten Lagersorten darauf keine Bestellungen angenommen. Ordinaire Druck- und Schreibpapiere werden ebenfalls viel geliefert, sobald dazu geeignete Vorräthe an Rohmaterial deren Verwendung gebieten. An einer Butte in Bautzen werden Papiere mit Wasserzeichen, z. B. Cassenbillets, Pässe etc. geschöpft, an einer dergleichen in Obergurig aber noch Embellagepapier und Pappen in gern gesehener Festigkeit gearbeitet. Bunte Papiere, außer naturblau und roth, fertigt die Fabrik nicht mehr.

Die Fischer’schen Papiere haben weithin einen guten Ruf und concurriren in den feineren Sorten mit den französischen mit dem größten Glück, besonders in den Kupferdruck- und Landkartenpapieren, welche auch die am meisten gesuchtesten und berühmtesten Erzeugnisse dieser Fabrik sind.

Der Absatz aller dieser Papiere geht weithin und könnte diese Fabrik nach Leipzig, Berlin und Breslau noch doppelt so viel liefern, als sie beschaffen kann, außerdem wird von den Kupferdrucksorten viel nach Dresden, Löbau, Zittau und weniger bedeutenden Orten verkauft.

Die Fabrik hat verschiedene sächsische Ausstellungen beschickt, ebenso die in Berlin im Jahre 1844, ferner 1851 London und 1852 die zu New-York.

Die Fabrikate haben bereits im Jahre 1824 die kleine goldene Preismedaille für Sachsen erhalten, hierauf öfters den erneuten Anspruch darauf, zuletzt im Jahre 1850 nach der Leipziger Ausstellung. Ebenso erhielten sie in Berlin 1844 die silberne und 1851 in London die broncene Medaille.

In der Fabrik zu Bautzen stehen zwei Papiermaschinen, welche, wie das ganze Werk, durch die Wasserkraft der Spree bewegt werden. Dampfkraft wird eingerichtet. Die Anlage des treibenden Räderwerks wurde im Jahre 1848/49 durch die Schweizer Maschinenbau-Anstalt von Escher, Zikyß u. Comp. eingerichtet und zwar mit 5 Jononl’schen Turbinen, welche bei einem Gefälle von 16‛, circa 100 bis 110 Pferdekräfte repräsentiren.

In Obergurig wird eine Papiermaschine und ebenfalls Wasserkraft durch verschiedene gewöhnliche Mühlräder benutzt.

Die Hauptfabrik in Bautzen, woselbst auch das Comptoir, steht seit 1852 unter der Leitung des Mittheilhabers H. Demuth, während die Oberguriger Fabrik Herr Adolph Fischer verwaltet. Seit fast 20 Jahren ist in Bautzen Herr Carl Meyer Comptoirdirigent und Procuraträger der Firma, sowie einen gleichen Zeitraum Herr Carl Menzel die technischen Details der Fabrikation als Factor treu und mit seltnem Geschick leitet. In Obergurig ist Herr Factor Schinkel seit circa 12 Jahren als solcher thätig. In der Bautzner Fabrik steht die Aufsicht des mechanischen Theils der Werke unter Leitung zweier Werkmeister, Joh. Juhrich und Freygang, wovon namentlich Ersterer als ein seltnes Beispiel, wie weit durch Selbstlernen ein einfacher Zimmermann gelangen kann, ehrenvolle Erwähnung verdient. – Bautzen beschäftigt 57 Männer und 3 Knaben (über 14 Jahre), 58 Frauen und Mädchen zum Sortiren der Hadern, sowie 25 Frauen und Mädchen zum Papiersortiren, also 143 Köpfe. Obergurig hat einen wichtigen Werkmeister,

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/59&oldid=3419143 (Version vom 16.8.2018)