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Wir betreten nochmals das bereits in einem früheren Artikel erwähnte Dorf Harthau bei Chemnitz, und an der Würschnitz hinauf wandernd, bemerken wir an dem oberen Ende des Dorfes einen Complex von ansehnlichen Gebäuden, die


Kammgarnspinnerei von C. F. Solbrig.


Die Gebäude dieses Etablissements bestehen in:

einem gegen Osten gelegenem Hauptgebäude, in welchem die Kämmerei, so wie die gesammte Kammgarnspinnerei aufgestellt ist;
einem nach Norden gelegenen Hauptgebäude, in dem sich die Wollsortirung, so wie die Wolleniederlagen befinden;
einem ansehnlichen, in sehr schönem Styl aufgeführten Wohnhause, in dessen einem Seitenflügel sich das Comptoir und die Expedition befinden;
einem Nebengebäude, welches die Maschinenbauwerkstätte enthält, und
einem kleineren Nebengebäude mit den zur Oekonomie nöthigen Räumlichkeiten.

Hierzu gehören noch 28 Acker Areal, bestehend in Feldern, Wiesen, Wald, Blumen- und Gemüsegärten, geschmackvollen Parkanlagen u.s.w., so wie ein großer, zur Ansammlung des Wassers dienender Teich.

Das Geschäft umfaßt als Branchen die Wollkämmerei und damit verbundene Kammgarnspinnerei. Es werden vorzüglich Kammgarngespinnste feinerer Qualität und Nummern, so wie Strumpfgarne für feinere Artikel in der Strumpfwaarenfabrikation erzeugt. Zwar liefert die Spinnerei auch jede andere Qualität, doch sind die obengenannten feineren Gespinnste ihre berühmtesten und gangbarsten Erzeugnisse.

Der Hauptabsatz dieser Erzeugnisse ist im Bereich des Zollverbandes, so wie nach Oesterreich. Vorzüglich werden in Gera sehr viele Kammgarne verarbeitet. An seinen Hauptabsatzplätzen hat das Etablissement Agenturen.

Die schon längst rühmlichst bekannten Garne des Solbrig’schen Etablissements befanden sich 1850 auf der allgemeinen deutschen Industrieausstellung in Leipzig, dann auf der Weltausstellung zu London, so wie auf der allgemeinen deutschen Industrieausstellung zu München, und erhielt die Firma als Anerkennung der Vorzüglichkeit der ausgestellten Kammgarne

in Leipzig die große silberne Medaille,
in London die große erste Preismedaille und
in München die große Preismedaille.

In Paris hatte das Etablissement nicht ausgestellt.

Das Etablissement hat 33 Feinspinnmaschinen, nebst allen hierzu erforderlichen Kämmerei- und Vorarbeitungsmaschinen. Diese Maschinen sind sämmtlich neu und nach dem neuesten Systeme gebaut. Zum Betriebe des Ganzen dienen: ein Wasserrad und zwei Dampfmaschinen von 25 und 12 Pferdekraft; doch kommt die kleinere Dampfmaschine nur bei großem Wassermangel in Gebrauch.

Beschäftigt werden hier fortwährend 250 Fabrikarbeiter und außerdem noch 4 Comptoiristen, 2 Expedienten, 1 Sortiermeister, 2 Kämmmeister und 3 Spinnmeister.

Das Geschäft wurde im Jahre 1841 von dem jetzigen Inhaber, C. F. Solbrig, in Alt-Chemnitz gegründet und errang sich schon im Entstehen durch die Vorzüglichkeit seiner Erzeugnisse die ehrendste Anerkennung; auf der Industrieausstellung in Dresden im Jahre 1845 empfing es für die ausgestellten Kammgarne

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 73. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/81&oldid=- (Version vom 7.1.2019)