Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/80

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Die jetzige Fabrik hatte zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts Johann Georg Schütz von dem Rath in Pacht, Schütz besaß auch die Fabrik bei Preischwitz, doch als diese 1704 zweimal abbrannte, verarmte er dadurch so, daß er, wie schon erwähnt, das Grundstück dem Rath überlassen mußte. Fortwährend von Mißgeschick verfolgt, sah sich der Pächter 1708 genöthigt, das Geschäft aufzugeben.

Als Schütz abtrat, war die Fabrik gänzlich herabgekommen, Alles stockte, die Gebäude waren baufällig und blieben ein Jahr hindurch gänzlich unbenutzt, bis sich 1709 Johann Jobst Hottenroth trotz der üblen Aussichten entschloß, die Fabrik für 90 Thaler von dem Rath in Pacht zu nehmen.

Mit Hottenroth begann ein überraschender Aufschwung des Geschäftes. Dieser Mann besaß ausgebreitete Kenntnisse in seinem Fach, da er in Verbindung mit seinem Bruder bereits früher eine Pulverfabrik in Liegnitz mit bestem Erfolg betrieben; die dort gesammelten Erfahrungen wendete er nun auf eine solche Weise an, daß er in kurzer Zeit die Fabriken in den größten Flor brachte. Hottenroth lieferte das beste Schießpulver in ganz Deutschland und war in Sachsen der Erste, welcher Jagdpulver fertigte. Diese Thätigkeit und Erfolge wurden allgemein anerkannt und Hottenroth erhielt die Ernennung zum königlich polnischen und kurfürstlich sächsischen Hoflieferanten. Da der Rath den Pacht mehrere Mal erneuerte, blieb Hottenroth im Besitz des Etablissements und hielt es auf seiner Höhe, in welcher es auch nicht gestört wurde, als die Werke am 28. Juni 1735 abbrannten. Den Schaden trug zur Hälfte die Kämmerei.

Der gleichnamige Sohn Hottenroths folgte 1740 dem Vater als Pachter der Fabrik und betrieb sie mit nicht geringerem Erfolg, obwohl er von mehreren Unfällen heimgesucht wurde: namentlich die sechsziger Jahre waren unheilvoll, indem die Fabrik binnen sechs Jahren drei Mal aufflog; das erste Mal, 1762, mit 60 Centner Pulver; dann noch 1764 und 1768.

Die Pacht Hottenroths war 1775 zu Ende und jetzt überbot ihn der Kaufmann Schönberg. Aber bald genug stellte es sich heraus, daß der neue Pachter dem Geschäft nicht gewachsen war; das Geschäft kam mit jedem Tage mehr in das Stocken und sein Untergang schien gewiß, wie Hottenroth, als Concurrent auftretend, in Gesellschaft seines Sohnes Johann Joseph Hugo Hottenroth bei dem Dorfe Kallenberg an der Spree eine neue Pulverfabrik gründete. Der Rath wußte den Ruin seines Etablissements nicht anders aufzuhalten, als noch dasselbe Jahr den unfähigen Pachter zu entfernen und dem erfahrenen Hottenroth die Pachtung wieder zu übertragen. Hottenroth setzte das Geschäft in Gesellschaft seines Sohnes mit den früheren glücklichen Erfolgen fort und blieb von Calamitäten ziemlich verschont, denn nur ein Mal – 1792 – entzündete sich die Fabrik.

Im Jahre 1807 erkaufte Johann Joseph Hugo Hottenroth die Fabrik von dem Rath zu Bautzen erbpachtsweise und begann sogleich das Etablissement zu erweitern und – sowie auch die Umgegend – zu verschönern, in welchen Bestrebungen auch sein Sohn Karl Franz Hottenroth, 1812 Besitzer der Fabrik geworden, fortfuhr. Die Fabrik lieferte damals die Woche zehn Centner Pulver.

Bis 1831 blieb das Etablissement in den Händen der Hottenroth’schen Familie, also, die kurze Unterbrechung 1775 abgerechnet, im Ganzen 122 Jahr; dann ging es an Herrn F. W. Steinbock, dem Vater des jetzigen Besitzers über, welcher sogleich mit rastloser Thätigkeit und glücklichem Erfolg Erweiterungen und Verbesserungen an der Fabrik vornahm und unermüdlich damit fortfuhr, obgleich ihm die zweimalige Entzündung der Fabrik – 1834 und 1839 – bedeutenden Schaden zufügte. Im Jahre 1854 brannten in drei Schlägen wieder neun Werke ab und beschädigten auch die anderen Gebäude so, daß acht Monate gar nicht gearbeitet werden konnte.

Gegenwärtig ist das Etablissement in solchem Umfange erweitert, daß es die Woche 110 Centner des ausgezeichnetsten Fabrikats liefert, von dem wir hoffen und wünschen, daß es so wie jetzt noch recht lange nur zu friedlichen Zwecken, im Dienst der Industrie benutzt werden möge, nicht aber als furchtbares Zerstörungsmittel in dem wilden Ringen der Völker gegen einander.



Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/80&oldid=- (Version vom 7.1.2019)