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Die Papier-, Pappen- und Preßspanfabrik von Sendig u. Reußmann’s Nachfolger in Zwönitz.


Zwönitz, welches seine Gründung den einst hier wohnenden Sorben verdankt, ist ein uraltes Bergstädtchen an der von Chemnitz nach Annaberg führenden Chaussee und ziemlich in der Mitte zwischen diesen beiden Städten – von Chemnitz sechs Stunden – gelegen. Nachbarstädte sind: Stollberg, Lößnitz, Grünhain, Elterlein, Geyer, Ehrenfriedersdorf und Thum. Gleich den meisten Städten und Städtchen des Erzgebirges dankt Zwönitz sein Emporblühen dem Bergbau, welcher sich aber auch hier nicht ausdauernd erwies. Nach seinem Sinken waren die Bewohner auf den Erwerb durch Spitzenklöppelei, Weberei, Feldbau und Waldarbeit, in der Sommer- und Herbstzeit auch auf das Einsammeln von Beeren in den ansehnlichen Waldungen um das Städtchen angewiesen. Es war deshalb eine Wohlthat für den Ort, als hier und in der Nachbarschaft nach und nach mehrere industrielle Etablissements entstanden, welche den Einwohnern Arbeit und lohnenden Verdienst bieten.

Unter diesen Etablissements nimmt die Papier-, Pappen- u. Preßspanfabrik von Sendig und Reußmann’s Nachfolger den ersten Rang ein.

Dieses Etablissement gehört als Papierfabrik mit zu den ältesten des oberen Erzgebirges und wurde von einem Papierfabrikanten Namens Brüderlein gegründet. 1658 kam es in Besitz der Familie Sendig und blieb bei derselben bis zum Jahre 1858, doch hatte diese in letzter Zeit einen Compagnon in der Person des Herrn Otto Reußmann. Im letztgenannten Jahre ging das Etablissement, welches schon seit einer langen Reihe von Jahren auch zur Fabrikation von Pappen und Preßspänen – letztere im Jahre 1820 – eingerichtet war, durch Kauf in die Hände der jetztigen Besitzer, der Herren

W. Tischendorf und
R. E. Höhme

über, welche durch Ausstellung neuer Maschinen verbesserter Construction dem ganzen Etablissement eine neue und vervollkommnetere Einrichtung gaben und durch umsichtige Thätigkeit es auf einen Standpunkt hoben, wo es keine Concurrenz mehr zu scheuen hat.

Das Etablissement liegt etwa eine Viertelstunde von Zwönitz entfernt, in dem sogenannten Burgstädtler Thale und besitzt an Gebäuden:

a) ein geschlossenes Gebäudeviereck, in welchem die Papier-, Pappen- und Preßspanfabrikation auf dem Wege der Handarbeit getrieben wird;
b) einen Gebäudecomplex von einem Haupt- und drei Nebengebäuden, in welchem Pappen und Preßspäne nach einer den dermaligen Besitzern patentirten Methode – mittelst sogenannter Gießmaschine in einem Gusse und Zuge – fabricirt werden und zwar in jeder beliebigen Größe und Stärke. Diese Maschine wird durch eine fünf und zwanzigpferdige Dampfmaschine mit Siederohr und Kessel getrieben. Die dazu gehörige Esse ist sechszig Ellen hoch;
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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 271. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/277&oldid=- (Version vom 11.5.2019)