Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/279

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Verfolgen wir die durch gewerbfleißige Dörfer, wie Neukirch u.s.w., von Chemnitz nach Schneeberg führende Chaussee, so gelangen wir nach vier Stunden nach Stollberg, einer ehemaligen Bergstadt, welche von dem Schlosse Hoheneck – der uralten Stollburg, später churfürstliches Jagdschloß – überragt, malerisch in sanftem, von dem Gablenzbach durchflossenen Thale liegt. Von Zwickau ist es sechs Stunden, von Hohenstein, seinem nächsten Bahnhofe für Personenverkehr zwei und eine halbe Stunde und von dem Bahnhof Lugau der chemnitz-würschnitzer Kohlenbahn drei Viertelstunden entfernt. Außerdem hat es noch Straßenverbindungen mit Annaberg, Schwarzenberg und Glauchau.

Stollberg war ehemals Bergstadt, doch der nie sehr bedeutende Bergbau auf Silber- und Eisenerze ist längst eingegangen und auch der späterhin zur Behauptung der Bergfreiheit betriebene Bau der Zeche zur grünen Tanne bei Mitteldorf auf Grünerde, aus welcher man das Berggrün gewann, ist aufgegeben. Dagegen ist auf dem Gebiet der benachbarten Dörfer, wie Würschnitz, Lugau, Oelsnitz u.s.w. ein unerschöpflich scheinender Reichthum von Steinkohlen aufgeschlossen.

Ehemals wurde in Stollberg die Tuchmacherei schwunghaft betrieben und im Bezug auf die Güte der Waare stand es den Erzeugnissen keiner anderen Stadt nach, allein der dreißigjährige Krieg, wo unter Andern auch der fluchbeladene Barbar Holka hier hauste, vernichtete den Wohlstand, und als sich das Gewerbe nach langem Ringen mühsam wieder etwas erholt, kam der siebenjährige Krieg und gab ihm den Todesstoß. – Späterhin waren die hier gewebten baumwollenen Bettdecken, hauptsächlich für die einst weltberühmte Meinert’sche Fabrikhandlung in Oelsnitz gefertigt, wohl renommirt, jetzt aber ist es vor Allem die Strumpfwirkerei, welche der Stadt Leben und Erwerb giebt, und wir finden hier das größte Etablissement Sachsens in dieser Branche, welches sich auch den bedeutendsten Etablissements des Auslandes würdig an die Seite stellt.

Es ist dieses die


Strumpfwaarenfabrik von Friedrich Ehregott Woller,


gegenwärtig in Besitz des Herrn Johann Christian Friedrich Ehregott Woller.

Dieses Etablissement liegt in Mitten der Stadt Stollberg, am Fuß des Berges, auf welchem das Schloß Hoheneck mit dem gleichnamigen Dorfe steht.

An diesem in sanfter Richtung aufsteigenden Berge hinan, zieht sich auch der zum Etablissement gehörige, erst vor zwei Jahren neuangelegte Garten mit Parkanlagen und einem neuen, massiven und geschmackvoll erbauten Gartenhause.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 273. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/279&oldid=- (Version vom 11.5.2019)