Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/331

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

das Baret langsam verdrängend; der Hut wurde nun selbst das Zeichen weltlicher wie geistlicher Fürsten, wir erinnern da nur an den Kurhut, den Herzogshut u.s.w.

Beständig wechselte nun der Hut in Form und Farbe, bald war er klein, bald groß, bald niedrig und rund, bald spitzig, selbst bis zur Thurmhöhe aufsteigend. Später, zur Zeit Heinrichs des Vierten von Frankreich wurde eine Krampe aufgeschlagen; während des dreißigjährigen Krieges war der bekannte „Schlapphut“ im Gebrauch, dann wurde auch die zweite Krämpe in die Höhe genommen und endlich folgte der bekannte, sich länger als ein Jahrhundert als allgemeine Mode behauptende „Dreimaster“ unserer bezopften und behaarbeutelten, sich ihres eigenen Haares schämenden Urahnen.

Erst in unserem Jahrhundert brach sich der „Cylinder“ – vulgo „Angstrohr“ – Bahn und blieb in der Hauptsache immer das alte unbequeme Anhängsel zur männlichen Kleidung, so sehr auch seine Façon beständig wechselte. Er hat sich allen Ständen und allen Welttheilen aufgezwungen, trotz aller seiner Unbequemlichkeit und Unzweckmäßigkeit.

Da es bei den männlichen Bewohnern der civilisirten Staaten gebräuchlich geworden, den Hut als unentbehrliches Bedürfniß anzusehen, so sind auch aller Orten zahlreiche Hutmacher vorhanden, die ihr Geschäft bald in größerem, bald in kleinerem Maßstabe betrieben und in der Regel schon den stolz klingenden Namen „Fabrikant“ annehmen, wenn sie über einen oder zwei Gehülfen verfügen, an größeren Plätzen aber wird das Geschäft in wirklich großartigem Maßstabe betrieben und es giebt da Hutfabriken welche diesen Namen in der That verdienen.

Auch unser Sachsen hat ein solches Etablissement, welches zu den hervorragendsten dieser Branche zählt, und wenn man auch nicht eben behaupten kann, daß es Weltruf oder – im vollen Sinne des Wortes – europäischen Ruf besäße, so muß man ihm doch zugestehen, daß sein Renommee das beste und weitverbreitetste ist.

Es ist dieses


Die königlich sächsische concessionirte Hutfabrik von Herrmann Haugk in Leipzig.


Dieses Etablissement umfaßt zu der Fabrikation

ein Hauptgebäude und
zwei Nebengebäude.

Außerdem besitzt es noch Verkaufslokale.

Als Branchen umfaßt das Etablissement

die Fabrikation von Filz- und Seidenhüten, für den Engros- und Detailverkauf;
englische und französische Herrenstrohhüte für Engros und Detail.

Filz- und Seidenhüte bilden die Haupterzeugnisse, welche ihren Absatz über ganz Deutschland, Rußland, Oesterreich, Dänemark u.s.w. finden, und deren Vorzüglichkeit auf den Ausstellungen zu Leipzig und München, die einzigen, welche von hier aus beschickt wurden, durch Preise anerkannt wurden.

In dem Etablissement ist eine Dampfmaschine von zwei Pferdekraft aufgestellt, welche an Hilfsmaschinen treibt:

eine Haarblasmaschine,
sechs Biegelmaschinen,
eine Façonmaschine und
zwei Kopfmachmaschinen.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 325. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/331&oldid=3077714 (Version vom 8.1.2018)